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In der Neugeborenen-Intensivstation am Klinikum Garmisch-Partenkirchen schauen Chefarzt Dr. Rolf Morhart und Hanna Carter, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, nach einem kleinen Patienten.

Ein Lachen ist sein schönster Lohn

Chefarzt Dr. Rolf Morhart geht in den Ruhestand

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Garmisch-Partenkirchen - Schwerer Abschied: Chefarzt Dr. Rolf Morhart verlässt zum Jahresende die Kinderklinik. Was er mitnimmt, sind viele schöne Erinnerungen. 

Er lacht gerne. Auch deshalb arbeitet Dr. Rolf Morhart vorzugsweise mit Kindern zusammen. Ein Lachen von ihnen ist sein schönster Lohn – immer noch. Wie viel Freude ihm die Arbeit mit den Mädchen und Buben macht, wurde ihm bald nach dem Medizinstudium klar. In Sulenkarmal, damals in der von Südafrika unabhängigen Transkei, arbeitete er von 1977 bis 1980 als Arzt im Entwicklungsdienst – „sozusagen als Mädchen für alles“. Der junge Familienvater – die beiden ältesten seiner vier Kinder wurden in Afrika geboren – erlebte in dem kleinen Distrikt-Krankenhaus das gesamt medizinische Spektrum mit. Und wusste schnell, dass er seinen Facharzt nicht im Bereich Neurologie, sondern in der Kinder- und Jugendheilkunde machen wird. Nachdem diese Entscheidung gefallen war, stand für den Fürstenfeldbrucker nur mehr Garmisch-Partenkirchen zur Debatte. Dem guten Ruf der Kinder- und Rheumaklinik und seiner Liebe zu den Bergen wegen.

Mittlerweile ist Morhart Chefarzt der Kinderklinik, die seit 2004 am Klinikum angesiedelt ist. Seine Tage an der Auenstraße sind aber gezählt. Die Fertigstellung der neuen, größeren Intensivstation für Säuglinge und Kleinkinder im kommenden Frühjahr erlebt er nicht mehr mit. Zum Jahresende geht der 66-Jährige in den Ruhestand. Nachdem sich die Suche nach einem geeigneten Nachfolger hingezogen hatte, verlängerte er seinen Vertrag – um 14 Monate. Auch wenn ihm der Abschied nicht leicht fällt, so freut er sich doch schon auf all die Sachen, die er immer wieder verschoben hat. Aus Zeitmangel. Insbesondere Bergtouren kamen zu kurz. Aber auch den drei Enkelkindern will er sich mehr widmen.

Ganz verabschiedet sich Morhart noch nicht aus seinem Beruf. Als Mitglied des Missionsärztlichen Instituts Würzburg kann er sich durchaus vorstellen, irgendwo eine Urlaubsvertretung zu übernehmen. Möglicherweise auch in Vietnam, wo ein Bekannter von ihm eine Kinderklinik aufgebaut hat. Zudem legt er sein Amt als Schirmherr des Fördervereins für „Fibrodysplasia ossificans progressiva“-Erkrankte noch nicht nieder. Weltweit 700 Patienten leiden an dieser seltenen Krankheit, bei der das Binde- und Stützgewebe immer mehr verknöchern. Bis der Betroffene sich überhaupt nicht mehr bewegen kann – „wie eine Schaufensterpuppe“. Noch gibt es wenig Möglichkeiten, um zu helfen, noch ist viel Forschung nötig. Nachdem die Krankheit in Schüben läuft, gilt es vor allem, diese zu verhindern. Erste Anzeichen zeigen sich bereits bei der Geburt, durch auffallende Verkrümmungen oder Verkürzungen der großen Zehen und Finger.

Mit seinen Patienten fühlt sich Morhart verbunden, für sie hat er stets ein offenes Ohr, mit ihnen lacht er – und von ihnen lässt er sich auch mal beschimpfen. „Ein Kind sagt ja einfach gerade heraus, was es von einem hält.“ Eine Eigenschaft, die er schätzt. Trifft er diese Mädchen und Buben später irgendwo in Garmisch-Partenkirchen, dann ist die Freude stets groß. Es gibt viele, denen Morhart im Lauf seiner Karriere helfen konnte. Viele Eltern, die ihm unendlich dankbar sind. Wie der Busfahrer, dessen Tochter nach der Geburt fast gestorben wäre. „Sieht er mich auf dem Fahrrad, winkt er schon von weitem.“ Morhart lacht, was er gerne tut. Nicht nur mit seinen kleinen Patienten.

Die Schattenseite seines Berufs ist, wenn er ein Kind nicht retten kann. Wenn er, die anderen Ärzte und Schwestern alles tun müssen, um dem Mädchen oder Buben die letzten Tage und Wochen einfach nur gut zu gestalten. „Das setzt einem zu. So ein dickes Fell kann man gar nicht haben.“ In solchen Momenten, leidet er mit dem kleinen Patienten und seinen Eltern. In diesen Augenblicken können auch den Medizinern und dem Pflegepersonal mal Tränen kommen. „Die Qualität der ärztlichen Arbeit zeigt sich aber auch im Begleiten der Menschen“, findet Morhart. „Dann, wenn man mit aller ärztlichen Kunst nicht mehr helfen kann.“

Negativ empfand Morhart, der am Mittwoch, 16. Dezember, offiziell verabschiedet wird, seinen Beruf aber auch in solchen Momenten nicht. „Die Arbeit hat mir immer sehr viel Freude gemacht“ – und macht es noch. Dazu tragen sicher die Erfolge ein Stück weit bei, schließlich wurden die meisten Kinder wieder gesund. Und dafür belohnte ihn stets ein Lachen.

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