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Energie aus Wasserkraft: An der Loisach soll ein Schachtkraftwerk entstehen.

Energie aus Wasserkraft

Klage gegen Loisach-Kraftwerk

Großweil - Durch Wasserkraft aus der Loisach kann Großweil mit einem Schlag energieautark werden. Die Genehmigung für dieses ehrgeizige Vorhaben liegt seit Dezember vor. Jetzt klagen aber Bund Naturschutz und Landesfischereiverband dagegen. Ihre Begründung steht noch aus.

Überrascht ist Wotan Lichtmeß nicht. Schließlich war bekannt, dass Naturschützer und auch Fischerei-Vertreter den Bau eines Wasserkraftwerks an der Loisach bei Großweil kritisch sehen. Deshalb warteten der Vorstand der Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen und seine Partner – die Gemeinde Großweil ist mit 25, das Kraftwerk Farchant mit 20 Prozent beteiligt – auch zunächst ab, ob jemand gegen den Genehmigungsbescheid Klage beim Bayerischen Verwaltungsgericht einreicht. Der Bund Naturschutz (BN) und der Landesfischereiverband (LFV) Bayern wählten nun diesen Schritt, um das Vorhaben prüfen zu lassen. Eine Begründung steht noch aus. Vorerst habe deren Anwalt Akteneinsicht beantragt, erklärt Gerichtssprecher Florian Huber. Erst wenn sämtliche Stellungnahmen vorliegen, „sind wir am Zug“.

Somit ist schon jetzt klar, dass sich das Vorhaben verzögert und der angestrebte Baubeginn im Herbst 2015 wohl nicht gehalten werden kann. Was die drei Partner in der Loisach planen, ist etwas völlig Neues. „Wissenschaftlich betrachtet ein großer Fortschritt“, betont Professor Peter Rutschmann vom Lehrstuhl für Wasserbau und -wirtschaft an der Technischen Universität München (TU). Zum einen sei die Anlage, mit der 600 Durchschnitts-Haushalte mit Energie versorgt werden können, optisch einzigartig. „Das Kraftwerk befindet sich komplett unter Wasser“, erklärt Rutschmann. Zum anderen „gibt es kein gleichwertiges Konzept, was den Fischschutz anbelangt“. Diese Aussage sollen die Testläufe untermauern, die er und seine Kollegen unter realen Bedingungen in der Versuchsanstalt Obernach angestellt haben. „Es ist festzuhalten, dass alle Fische, die größer als 200 Millimeter sind, bei unserem Konzept vollkommen geschützt sind“, erklärt der Experte. Zudem sei die Anlage, die das vorhandene Wehr – eine so genannte Raue Rampe – ersetzt, für die Tiere wesentlich durchlässiger.

Aussagen, die Johannes Schnell stark anzweifelt. Zwar räumt auch der Leiter des Referats Fischerei, Gewässer und Naturschutz im LFV ein, dass das Pilotprojekt der TU vielversprechend ist. Weshalb dieses in einem derart hochwertigen Gewässer wie der Loisach zum ersten Mal zum Einsatz kommen soll, kann er allerdings nicht nachvollziehen. „Das ist verfrüht“, empört er sich. „Wir haben vorgeschlagen, das Ganze an einem weniger sensiblen Standort zu prüfen. Warum jetzt gleich an der Loisach gebaut werden soll, erstaunt mich sehr.“ Nachdem er vor allem bei Klein- und Jungfischen – etliche davon werden als bedrohte Arten besonders geschützt – massive Schäden durch das Triebwerk befürchtet, klagt der Fischereiverband nun.

Enorme Schäden im dortigen FFH-Gebiet erwarten auch die Naturschützer, die sich grundsätzlich gegen den Bau neuer Wasserkraftwerke in Bayern ausgesprochen haben. „Zunächst müssen vorhandene Anlagen, von denen etliche nicht optimal laufen, ertüchtigt werden“, findet Kreisvorsitzender Axel Doering. Außerdem mahnt er zum Energiesparen: „Wenn man allein die Beleuchtung der Kirchen im Freistaat um die Hälfte reduziert, könnten wir auf 20 solcher Kraftwerke verzichten.“ Auf Kreisebene herrscht allerdings kein Konsens darüber, dieses Projekt verhindern zu wollen. Bei einer äußerst kontroversen Diskussion mit den Mitgliedern im Januar stand Doering zufolge schnell fest, dass „wir von uns aus nicht aktiv werden“. Worauf sich die hiesigen BN-Vertreter letztlich einigen konnten, war, dass sie das Vorhaben im FFH-Gebiet ausgesprochen kritisch sehen und deshalb eine gerichtliche Überprüfung befürworten. Vor Gericht zieht nun der Landesverband, Seite an Seite mit den Fischern.

Dem Verfahren blickt Wotan Lichtmeß, der seit 2012 mit seinen Partnern für die Umsetzung kämpft, gelassen entgegen. Bei den regenerativen Energien habe die Wasserkraft in der Einschätzung der Bevölkerung Wind und Sonne mittlerweile überholt. „Wahrscheinlich auch, weil keine großen baulichen Eingriffe notwendig sind, und Wasser vor allem Tag und Nacht fließt.“

Tanja Brinkmann

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