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Am Aus fürs Hotel Friedenshöhe soll die Bank nicht unschuldig sein.

Nach dem Aus des Hotels "Friedenshöhe"

Hotelier reicht gegen Hausbank Klage ein

Oberammergau - Überhöhte Zinszahlungen? Der frühere Hotelier der Friedenshöhe hat Klage gegen seine Hausbank eingereicht. Man trifft sich vor Gericht.

Einst brummte der Laden,mit prominenten Gästen wie Henry Kissinger, Nelson Rockefeller oder Thomas Mann. Doch mit dem Strukturwandel konnte Erich Schmid letztlich nicht mehr Schritt halten: Sinkende Belegung, falsche Entscheidungen, steigende Schulden - ein Teufelskreis. Ende Februar dieses Jahres musste der 78-jährige Oberammergauer schließlich aufgeben und sein Hotel Friedenshöhe an eine Immobilienagentur vom Ammersee veräußern.

Doch das jähe Aus führt Schmids Berater, Siegfried G. Lang aus München, nicht allein auf „hausgemachte Fehler“ der bisherigen Betreiber zurück, sondern „auf ein besonderes Geschäftsgebaren der Hausbank“ seines Kunden.

Im Visier: die VR-Bank Werdenfels und deren Rechtsvorgänger (VR-Bank Ammertal, Raiffeisenbank Oberammergau). Über Lang und dessen Partner Georg Hienle, einem ehemaligen Bankbetriebswirt, hat Erich Schmid ein Gutachten erstellen lassen und nunmehr Klage eingereicht vor dem Landgericht München II. Am 7. Mai wird in einer „Güteverhandlung“ darüber entschieden, ob und in welcher Form die Genossenschaftsbank Zinsen unkorrekt abgerechnet und sogenannte Wertstellungen im Zahlungsverkehr rechtswidrig vorgenommen hat.

Und dies über einen Zeitraum von 30 Jahren. Die Gesamtforderung auf Rückzahlung und Nutzungsentschädigung liegt bei einem Betrag von 660 640,96 Euro. Rechtsanwalt Dr. Werner Meier ist der festen Überzeugung, dass von der früheren Raiffeisenbank über Jahre „überhöhte Zinszahlungen“ aufgestellt und einkassiert worden seien: „In diese finanzielle Notlage ist Herr Schmid nach unseren Recherchen auch durch das Geschäftsgebaren der Bank geraten.“

Die Angelegenheit betrifft mehrere frühere Konten des Hoteliers bei seiner Hausbank. Neben der unkorrekten Zinsberechnung bei Darlehen „über viele Jahre hinweg“ legt die Anwaltskanzlei der Bank verzögerte Wertstellung im Zahlungsverkehr zur Last. Dr. Werner Meier: „Die Bank hat unerlaubt Wertstellungsgewinne erzielt, indem sie Gutschriften erst einen Tag später verrechnet, Lastschriften dagegen nach vorne verschoben hat.“ Im Laufe dieser Zeit seien auf diese Weise ganz erhebliche Beträge zusammengekommen. Zuviel bezahlte Zinsbeträge beziffert der Rechtsanwalt auf 267 000 Euro.

Die Rechtsvertretung der heutigen VR-Bank Werdenfels, die Rechtsanwaltsgesellschaft „GenoRecht“ in München, pocht in ihrer Klageerwiderung auf Verwirkung und Verjährung der Ansprüche. Martin Sperl, einer von drei Vorständen der Genossenschaftsbank, bestätigt gegenüber dem Tagblatt, „dass der Gerichtstermin wie angefragt stattfindet“. Er bittet aber um Verständnis dafür, dass man zu einem schwebenden Verfahren keine näheren Auskünfte geben könne und an das Bankgeheimnis gebunden sei.  Aber "wir sind im Moment von unserer Rechtsposition überzeugt, sonst würde es diesen Gerichtstermin gar nicht geben.“

hut

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