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Endlich Platz: Daniela Karg (l.) und Lisa Wieland leiten das neue Kleidergeschäft des BRK an der Bahnhofstraße. Sie freuen sich, endlich Kleider, Schuhe, Shirts und Pullis schön präsentieren zu können. 

Bayerisches Rotes Kreuz

Die Kleiderretter

Retten ist das tägliche Brot für das Bayerische Rote Kreuz (BRK). Normalerweise Verletzte aus brenzligen Situationen. Eine Rettungsaktion der anderen Art hat der Kreisverband jetzt in Garmisch-Partenkirchen ins Leben gerufen. Alte Kleider und Schuhe vor dem Müll zu bewahren – darum geht es bei dieser Mission. „Die Kleiderretter“ ist der Name des Second-Hand-Ladens an der Bahnhofstraße. 

Garmisch-Partenkirchen – „Es ist eine kleine Eröffnung, aber für uns ein großer Schritt“, sagte Thomas Schwarzenberger, Vorsitzender des Kreisverbandes Garmisch-Partenkirchen , als er unter Mithilfe von Landrat Anton Speer (Freie Wähler) und Wolfgang Bauer, Garmisch-Partenkirchens Zweitem Bürgermeister (CSU), das rote Band am Eingang des Ladens durchgeschnitten hat. Trotz des allgemeinen Wohlstands im Landkreis weist Schwarzenberger auf die Bedürftigkeit mancher Mitbürger hin. „Es gibt viele Menschen bei uns mit einem kleinen Geldbeutel.“ Und an diese richtet sich das Angebot.

Die ersten Kunden hatte Daniela Karg, Projektleiterin des Geschäfts, an diesem Tag bereits betreut. Und fleißig eingekauft haben sie auch. „Eine Frau hat eine große blaue Ikea-Tüte komplett voll gemacht“, sagte sie erfreut.

Zu den normalen Öffnungszeiten können Bürger ihre getragene Kleidung abliefern. Karg und ihre Kolleginnen prüfen den Zustand der abgegebenen Ware und zeichnen sie aus: 50 Cent ein Kinder-T-Shirt, ein Euro das Paar Handschuhe, für drei Euro bekommt man bereits einen Trachtenjanker. Wenn nötig, näht Karg auch mal einen Knopf an. Was nicht mehr verkauft werden kann, spendet das BRK weiter. „Bei uns hat jeder die Chance, für wenig Geld ein tolles Schnäppchen zu machen.“ Denn darin liegt die Absicht, die sich im Namen des Second-Hand-Geschäfts niederschlägt: die Kleiderretter. „Wir wollen Kleidung vor dem Schredder bewahren.“ Viel zu viel wird in den Augen Kargs weggeworfen. Viel zu ausgeprägt sei das Konsumdenken heutzutage. „Daran möchten wir etwas ändern.“

In dem 40 Quadratmeter großen Geschäft mangelt es wirklich an nichts: Liebevoll haben die Mitarbeiterinnen, Ehrenamtliche der Bereitschaft Garmisch-Partenkirchen und drei Mini-Jobberinnen, den beengten Raum in eine Damenabteilung, eine Herren-Ecke und einen Bereich für Kindersachen eingeteilt. Einige Regale sind mit Schuhen und Accessoires bestückt. Es gibt alles, was das Herz begehrt.

Oberste Priorität für sämtliche Beteiligte am gemeinnützigen Projekt hat, dass die Kunden ein gutes Gefühl beim Einkaufen haben. Viele Jahre betrieb das Rote Kreuz in der Garage des Kreisverbandes eine Kleiderkammer betrieben. Biertische statt Verkaufstresen, geparkte Autos als Sichtschutz statt Umkleidekabinen. Nur einmal in der Woche stand die Tür für Kunden offen. Damit ist jetzt Schluss. „Wir wollen ein menschenwürdiges Umfeld schaffen für die Leute, die notgedrungen bei uns einkaufen müssen“, erklärt Kreisgeschäftsführer Klemens Reindl. Shopping-Gefühl statt Wühltisch-Atmosphäre.

Anton Speer lobte den Einsatz aller Ehrenamtlichen des Kreisverbandes. „Dass Ihr Eure Freizeit für die Allgemeinheit opfert, ist großartig.“ Der Landrat war an diesem Vormittag öfters Spielball kleinerer Frotzeleien unter den Anwesenden – wertschätzenden, netten Ursprungs versteht sich. Der Vermieter der Ladenfläche ist nämlich der Landkreis. „Die Kleiderretter“ soll für den Kreisverband des BRK keinen Gewinn abwerfen. „Wir möchten mit dem Laden nicht wirtschaften“, stellte der Vorsitzende klar. Lediglich die Kosten für Heizung, Mitarbeiter und eben die Ladenmiete zu decken, ist die Absicht. Ein Plus-Minus-Null-Geschäft also. Schwarzenberger rechnete vor: „Wenn etwa 50 Leute in der Woche bei uns shoppen, dürfte das klappen.“ Wenn nicht, müsse man eben noch einmal mit dem Vermieter sprechen, meinte er – und blickte neckisch zum Landrat hinüber.

Martina Baumeister 

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