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In der Höhle des „Clubs der toten Dichter“: Tatjana Pokorny (h. l.) studiert das Stück mit (v. v. l.) Hannes Wipfelder, Antonia Wiedemann, Laura Höck, Uli Eitzenberger, Sofia Brennauer, (h. ab 2. v. l.) Elisabeth Hofmeister und Luis Schönach ein.

Erstes Jugendstück am Kleinen Theater

Der Versuch, der auch ein Wagnis ist

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Garmisch-Partenkirchen - Eigentlich sind es zwei Premieren, die im Kleinen Theater auf dem Spielplan stehen. „Der Club der toten Dichter“, den Tatjana Pokorny inszeniert, ist nicht nur neu im Spielplan. Es ist auch das erste Jugendstück auf der Garmisch-Partenkirchner Bühne.

„Willkommen in der Hölle.“ Vier Worte, die verdeutlichen, was die Schüler im Internat Irminfels durchleben. Leistung, Tradition, Disziplin und Demut – auf diesen vier Säulen basieren die Erziehungsmethoden dieser Elite-Einrichtung. Platz für Wünsche und Träume der Jugendlichen – Fehlanzeige. Der Druck von Lehrern, Eltern und Freunden, den die sechs Nachwuchs-Schauspieler im Kleinen Theater auf der Bühne zeigen, erleben sie auch im richtigen Leben. „Zeit für anderes neben dem Unterricht bleibt kaum, es ist schwer, etwas einzuschieben“, sagt Antonia Wiedemann. Was sie aus ihrem Privatleben kennt, erfährt sie als Sandra im „Club der toten Dichter“ in geballter Ladung. Dazu kommt, „dass die Kreativität in der Schule voll auf der Strecke bleibt“, bedauert Hannes Wipfelder. Ein Eindruck, den er als Erzähler und als Alexander, der neue Schüler, ebenfalls in die Inszenierung einbringen kann.

Im Vergleich zu ihren Klassenkameraden – Laura Höck als Anna, Sofia Brennauer als Adriana, Luis Schönach als Peter und Uli Eitzenberger als Patrick von der Nachbarschule – sind Antonia und Hannes alte Hasen, sie gehören bereits seit langem zum Ensemble des Garmisch-Partenkirchner Theaters. Nachdem sich Junior-Direktorin Tatjana Pokorny mit dem „Club der toten Dichter“ (Premiere am 19. März um 20 Uhr) einen Traum erfüllt, hat sie die vier Neuen engagiert. „Das ist unser erstes Jugendstück“, sagt sie. Ein Wagnis, ein Versuch, den sie aber gerne anpackt. Auch um junge Leute anzusprechen. „Außerdem macht es wahnsinnig viel Spaß, diesen Stoff zu inszenieren.“ Pokorny übernimmt eine Doppelrolle – einerseits führt sie Regie, andererseits spielt sie die neue Lehrerin. Eine Frau, die die Schüler motiviert, „etwas Ungewöhnliches aus ihrem Leben zu machen“. Ganz nach dem Motto Carpe diem – genieße den Tag. Und von der sie vom „Club der toten Dichter“ hören. Eine Geheimorganisition, die das Sextett wieder ins Leben ruft. In einer Höhle im Wald frönen sie der Poesie und entfalten ihre Kreativität.

Der Stoff ist spätestens seit der preisgekrönten Verfilmmung mit Robin Williams berühmt. Auch als Schullektüre, vorzugsweise in englisch, kennen ihn viele. Was Pokorny auf die Bühne bringt, ist eine moderne Version dieser Geschichte. Ihr Internat ist gemischt, die Pädagogen sind weiblich – neben ihr ist Elisabeth Hofmeister als strenge Direktorin mit von der Partie – und die Schüler sind auch mit der ersten Liebe und Drogen konfrontiert.

Für Pokorny ist das Stück, das auf dem Film von 1989 basiert, aktueller denn je. „Unser Schulsystem ist sehr hart“, findet sie. Der Druck von allen Seiten, die enormen Anforderungen machen es den Kindern und Jugendlichen schwer, mal runterzukommen, Zeit für sich zu finden“. Dieser Kreislauf sei fatal, findet die Mutter zweier Töchter. Und meint mit einem Augenzwinkern, „dass die jungen Leute quasi mit einem Burnout ins Berufsleben starten“. Ihre Nachwuchstalente ergreifen zumindest Mittel dagegen. Sie leben ihre Begeisterung fürs Theater, die in der Schule, bei Jugendkulturtagen oder beim Kultursommer entfacht wurde, aus und versuchen sich auf der professionellen Bühne.

Noch sitzt nicht jedes Wort, noch passt nicht jede Geste. Die Proben laufen schließlich noch auf Hochtouren. Und noch stehen Änderungen an. Das Carpe-Diem-Lied, das Hannes Wipfelder komponiert und eingespielt hat, führte beispielsweise dazu, „dass ich mein Regiekonzept über den Haufen geworfen habe“, verrät Pokorny. Für „diesen tollen Song“ kein Problem. Sie hat Spaß an der Arbeit mit den Jugendlichen, genau wie Hofmeister. „Man spürt ihre Spielfreude“, betont die Garmisch-Partenkirchnerin und lacht. Mit der furchterregenden Direktorin hat sie nichts mehr gemein, wenn sie da im Zuschauerraum sitzt und die Szene beobachtet. Steht sie auf der Bühne, dann kuschen die Jugendlichen. Dann geht’s allein um Leistung, Tradition, Disziplin und Demut.

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