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Hoch hinaus geht’s für Janine Heppenheimer, die sich in Zukunft um die Halle und deren Besucher kümmern wird.

Neue Boulderhalle "Ammerrock" eingeweiht

Kletterparadies für Wurmansau

Wurmansau - Die Boulderhalle Ammerrock im renovierten Ammertaler Hof soll eine richtige Attraktion werden. Die Einrichtung im Saulgruber Weiler wurde feierlich eröffnet.

Wie ein kleines Volksfest gestaltete sich die Eröffnung des frisch renovierten Ammertaler Hofs mit der Boulderhalle „Ammerrock“. Ein „Schmuckkästchen“ nannte Pfarrer Rudolf Scherer das Haus bei der Einsegnung. Es sei gut fürs ganze Dorf, weil „Leben hier stattfindet, Menschen sich treffen, wohlfühlen, versorgt werden.“ Unter dem Dach tut sich ein Paradies für Kletterer auf. Entstanden ist eine Landschaft mit einer Vielzahl von Wänden mit verschiedenen Neigungswinkeln und Höhen, versehen mit farbigen Griffen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.

Wirklich jeder kann sich heran wagen. Denn die Sache ist einfach und sicher. „Sie brauchen außer den Schuhen nix“, erklärt Janine Heppenheimer, die sich in Zukunft um die Halle und deren Besucher kümmern wird. Maximal 4,50 Meter ist so eine Kletterwand hoch. Ein Anfänger wird wahrscheinlich nicht so hoch hinaufgehen, sondern vorher wieder abwärts klettern. Doch selbst ein Sprung oder Sturz von oben wäre kein Problem. Die ganze Halle ist mit einer dicken, weichen Matte ausgelegt. Die Schuhe kann man vor Ort leihen, ansonsten ist nur bequeme Kleidung zu empfehlen.

Experten und Anfänger sind sich einig: Dieses Ganzkörpertraining bringt viel für die Gesundheit. „Balance, Konzentration, Koordination werden gefördert“, weiß Almut Heiland, die mit ihrem Mann Christoph den Ammertaler Hof wieder in Betrieb genommen hat. Beide haben eine Schulung beim hauseigenen Physiotherapeuten Arno Hilble absolviert. Der betreut die Kindergruppen und auch Patienten des therapeutischen Kletterns, denn selbst dafür gibt es in der Halle spezielle Ausrüstungen. Für Hilble ist Klettern „wie Krankengymnastik an der Kletterwand. Es ist gut für die Stabilisierung der Wirbelsäule und aller großen Gelenke des Körpers“. Bei Buben und Mädchen sei es wichtig, dass sie Spaß haben und sie sich bewegen. „Kinder sehen hier schnell Erfolgserlebnisse, wenn sie eine Wand hinauf kommen“, sagt Hilble.

Christoph Heiland schätzt außerdem den meditativen Aspekt des Boulderns. „Der ganze Körper wird in Anspruch genommen, man muss sich mental voll darauf einstellen und kann nicht an die Alltagsdinge denken.“ Jahrzehntelang kletterte Heiland vor allem im Oberreintal. Sein erster Partner war seinerzeit Stefan Glowacz aus Oberau, heute weltbekannter Extrembergsteiger.

Glowacz war beim Fest am Samstag der Star des Tages – auch wenn er sich nicht als solcher inszenierte, sondern sich eher locker-flockig unters Volk mischte. Bürgermeister Rupert Speer freute sich besonders, dass Einheimische dort etwas in die Hand genommen haben. „Ihr wollt, dass Wurmansau Wurmansau bleibt. Was mir besonders gefällt: Ihr habt etwas geschaffen für junge Leute und sportliche Ältere“, sagte er in seiner Ansprache.

Übrigens gab es für die Erneuerung des ehemaligen Gasthauses Mittel aus dem sogenannten Leader-Förderprogramm. Somit ist das neue touristische Zentrum, bei dem es auch E-Bike- und Radverleih, Wohnmobil-Stellplätze, Restaurant und Zimmervermietung gibt, das zweite Leader-Projekt im Landkreis. „Eine Bereicherung für den Ort, das Ammertal und den Landkreis“, nannte der zuständige Leader-Koordinator der Region, Martin Kriner, das Haus. „Das Geld bleibt da, weil die Leute einkehren. Und ihr habt Arbeitsplätze geschaffen.“

Mit der Boulderhalle haben die Heilands eine Vision wahr gemacht. Als Inhaber einer Firma nebenan kamen sie Tag für Tag an dem Gebäude vorbei, das über ein Jahr lang leer stand. „Wir waren neugierig und wollten es uns einmal anschauen“, erinnert sich Almut Heiland. Im Speicher hatte ihr Mann mehr zum Spaß gesagt: „Das könnte doch eine Boulderhalle sein.“

Kurze Zeit später erfuhr das Ehepaar, dass die Eigentümerin, das Kloster Ettal, das Anwesen verkaufen wolle. „Wir haben viel Unterstützung bekommen“, blicken die beiden zurück. Ein Traum wurde wahr, ein arbeitsreicher Traum mit eineinhalb Jahren Bauzeit.

Beim Fest wuselten die neugierigen Besucher den ganzen Tag auf dem Hof herum, bis in die Nacht hinein. Als Attraktion des Rahmenprogramms sorgte vor allem eine vom Haus zum Baum gespannte Highline für Aufsehen. Quirin Herterich zeigte dort oben seine Kletterkünste. Charly Wehrle, ehemaliger Wirt im Oberreintal, las aus seinen Büchern. Die Gamskampler spielten ihre wundervolle „Volksmusik mit G’woit“ – soll heißen: feiner, satirischer Alpenrock. Für die Heilands war es ein rauschendes Fest mit der Hoffnung auf eine turbulente Zukunft mit vielen Gästen.

Juliane Klieser

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