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Die Bewegungen der elfjährigen Melissa verfolgen (v.l.) die Professoren Dr. Johannes-Peter Haas und Dr. Ansgar Schwirtz sowie Sportwissenschaftler Matthias Hartmann ganz genau.

Studie wird mit 1,77 Millionen Euro gefördert

Sport als Therapie: Neue Behandlung bei Kinderrheuma

Sport galt lange als tabu für Rheumapatienten. Das soll sich ändern. An der Kinderrheumaklinik in Garmisch-Partenkirchen läuft eine auf vier Jahre angelegte Studie an.

Garmisch-Partenkirchen – „Es lebe der Sport“ heißt es für rheumakranke Kinder und Jugendliche ab Mai im Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie (DZKJR) Garmisch-Partenkirchen. Mit einer neuen, groß angelegten und zukunftsweisenden Beware-Studie macht die Einrichtung in der medizinischen Fachwelt auf sich aufmerksam. „Stellenwert der Bewegungsdiagnostik zur Förderung früher körperlicher und sportlicher Aktivität bei Kinderrheuma“ ist diese überschrieben. Bei einem Treffen mit allen Partnern wurde sie jetzt von den Professoren Dr. Johannes-Peter Haas, Ärztlicher Direktor des DZKJR, und Ansgar Schwirtz, Leiter der Fakultät Sport- und Gesundheitswissenschaften an der Technischen Universität (TU) München, in der hiesigen Spezialklinik eröffnet. In den kommenden vier Jahren werden hier unter der medizinischen Leitung von Haas circa 200 neu erkrankte kleine Rheumapatienten zurück in den Sport gebracht.

„Es ist bisher so, dass trotz verbesserter, vor allem medikamentöser Therapie der letzten Jahre und dem häufig erteilten Sportverbot für einen Teil der jungen Rheumapatienten ein Risiko für Langzeitfolgen durch die Erkrankung besteht“, sagt Haas. Im DZKJR wurde seit 2006 versucht, dagegen zu steuern, viel Vorarbeit hinsichtlich spezieller Sportberatung und früheinsetzender Sportanwendung für rheumakranke Kinder und Jugendliche geleistet. Der ärztliche Direktor ist überzeugt, dass die meisten Rheumapatienten Sport treiben können, „das beweist auch die internationale Studienlage“. Frühe und gezielte Sportteilnahme hilft jungen Patienten, ein altersgerechtes Leben zu führen.

Garmisch-Partenkirchner Klinik will Sportberatungssoftware entwickeln

„Mit dem Projekt Beware möchten wir eine Regelversorgung für diese Patientengruppe erreichen, es schaffen, dass die Krankenkassen die Leistungen bezahlen“, erklärt Haas. Den entsprechend gestellten Anträgen beim „Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschuss“ wurde inzwischen stattgegeben. Mit 1,77 Millionen Euro daraus wird die Beware-Studie gefördert. Das Ziel ist eine Sportberatungssoftware, die bundesweit für Kinderrheumatologen und Kinderärzte zur Verfügung gestellt wird.

Dazu wurde das bisher aus Spenden, die vor allem von Triathlet Christoph Selbach kamen, finanzierte Bewegungsanalyselabor umgebaut und technisch völlig neu ausgestattet. 11,5 Meter lang ist jetzt die orangerote Laufstrecke, unter der Kraftmessplatten versteckt sind. Fehlbelastungen beim Gehen, Springen, Laufen können so erkannt und mit Normwerten verglichen werden. Ein System von zwölf Infrarot-Kameras, die im Raum verteilt sind, erfasst außerdem die kleinen Kugeln, mit denen die betroffenen Gelenke des Patienten beklebt sind. „Wir können so in den Körper hineinrechnen, Überlastungen feststellen“, erklärt Sportwissenschaftler Matthias Hartmann nicht ohne Stolz auf diese innovative Technik im Bewegungslabor an der Gehfeldstraße, mit der er und seine Kollegin Dr. Josephine Merker jetzt arbeiten können. „Was wir hier machen, wurde mit der TU zusammen entwickelt und ist im Rheumabereich einzigartig.“

Für die Sportberatung werden neu erkrankte junge Patienten in zwei Gruppen geteilt. Während die erste Gruppe nach der Analyse und ärztlichen Untersuchung eine sportliche Beratung erhält, bleibt die andere Gruppe ohne Anleitung. Vergleiche untereinander, mit gesunden Patienten und Normwerten wie dem Motorik-Test, gehören zur Studie. Am 2. Mai kommen die ersten Patienten nach Garmisch-Partenkirchen und die vierjährige Studie kann beginnen.

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