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Eine lange Tradition endet in Ettal: Ab dem kommenden Herbst sollen im Internat auch Mädchen aufgenommen werden.

Eine historische Entscheidung 

Kloster Ettal bricht mit Tradition - Mädchen dürfen ins Internat 

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Ettal - Mit einer über 300-jährigen Tradition bricht das Kloster Ettal: Im kommenden Schuljahr 2016/17 werden im Internat erstmals Mädchen aufgenommen.

Seit dem Jahr 1709 werden im Kloster Ettal, damals noch in der sogenannten Ritterakademie, Buben und Heranwachsende unterrichtet: Adelige Söhne hatten seinerzeit strenge Lehrmeister. An dieser „Männergesellschaft“ wurde in über 300 Jahren nie gerüttelt, jetzt läutet die Benediktinerabtei eine neue Ära ein: Frater Gregor Beilhack, Leiter des Internats, gab bekannt, dass erstmals ab dem Schuljahr 2016/17 auch Mädchen in der Einrichtung aufgenommen würden. „Ich freue mich sehr darüber, dass nun dieser Schritt in unserem Kloster vollzogen wird. Es ist ein klares, ermutigendes Zeichen der 40 Mitbrüder des Konventkapitels.“

Dass diese Öffnung unmittelbar mit den rückgängigen Schülerzahlen im Internat zusammenhängt, bestreitet Frater Gregor: „Es mag die Entscheidung vielleicht leichter gemacht haben, aber im Vordergrund standen andere Gründe.“ Bereits vor zehn Jahren habe man sich schon einmal konkret über eine Aufnahme von Mädchen im Internat Gedanken gemacht, doch sei das Ganze dann wieder im Sande verlaufen.

Jetzt war die Zeit dafür offenbar reif. Zum einen, so der Internatschef, gebe es mittlerweile in Deutschland nur mehr ganz wenige, reine Buben- beziehungsweise Mädchen-Internate: „Zum anderen entspricht ein gemischtes Haus heute eher der Lebenswirklichkeit, da spielt der gesellschaftliche Wandel schon eine große Rolle.“ Der 41-Jährige, der im vierten Jahr das Ettaler Internat managt, ist davon überzeugt, dass beide Geschlechter letztlich voneinander profitieren werden, und vor allem atmosphärisch sieht er „eine Bereicherung“. In einer Befragung der aktuellen Internatsschüler hätten sich diese einhellig dafür ausgesprochen, diesen Schritt nunmehr zu vollziehen.

Aktuell 52 Internatsschüler

Von der Gebäudestruktur her gebe es, so Frater Gregor, keine großen Probleme: „Im Internat gibt es drei Trakte. Einen, den wir noch modernisieren werden, beziehen die Mädchen. Es wird je zur Hälfte Drei-Bett- und Einzelzimmer geben.“ Auch pädagogisch sieht Beilhack gute Voraussetzungen: „Momentan werden unsere 52 vollinternen und zehn halbinternen Schüler von acht Präfekten, sprich Pädagogen betreut. Unter den Erziehern sind auch Frauen.“ Viel an Betreuung und Beschäftigung passiere mittlerweile in Gruppen nach neuesten Lernmethoden und Erkenntnissen.

Anmelden fürs Internat können interessierte Eltern ihre Töchter dann im Mai, und schon jetzt sehe es so aus, so der 41-Jährige, dass eine Gruppe zusammengehe: „Es sollte eine Mindestzahl an Schülerinnen werden, so zwischen fünf und zehn. Weniger macht keinen Sinn. Aber wir sind zuversichtlich, dass es klappt.“ Die Entscheidung im Konventkapitel, wie das Kloster eine Zusammenkunft aller Mönche mit ewiger Profess benennt, künftig das Internat für Mädchen zu öffnen, sei nach Aussage von Frater Gregor nach konstruktiver Erörterung der Thematik in großer Übereinstimmung und Befürwortung gefallen: „Es war ein eindeutiges Signal und eine klare Botschaft, die für mich eine große Ermutigung darstellt“, so der gebürtige Traunsteiner, der seit 1998 dem Kloster angehört und dessen besondere Passion das Orgelspiel ist. Nun sieht der Internatsleiter „mit Freude und voller Erwartung“ den kommenden Wochen und Monaten entgegen.

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