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Gruppenbild mit Patres: Internatsschüler mit Leiter Frater Thomas Neumann (hinten stehend 2.v.l.) und Pater Thaddäus Schreiber (daneben), Präfekt des Tagesheims.

Kloster Ettal setzt Zeichen für Transparenz: Tag der offenen Tür im Internat

Ettal - Ein Jahr ist es jetzt bald her, dass das Kloster Ettal durch Bekanntwerden der Fälle von Misshandlungen und sexuellem Missbrauch bundesweit in den Fokus der Öffentlichkeit geriet.

Der Skandal erschütterte die Benediktinerabtei in ihren Grundfesten. Fortan wurde - und wird nach wie vor - kritisch beäugt, was hinter den Klostermauern in Schule und Internat passiert. Als Konsequenz aus den teils massiven Verfehlungen in den Jahren vor 1990 hatte Abt Barnabas Bögle im März vergangenen Jahres angekündigt, dass sich das Kloster zur Bewältigung der Geschehnisse und als Zeichen für einen Neubeginn in Zukunft öffnen und mehr Transparenz zeigen werde.

Als einen Schritt in diese Richtung kann man wohl die Initiative werten, dass am kommenden Samstag, 19. Februar, zum ersten Mal ein Tag der offenen Tür im Internat für Eltern, Kinder und interessierte Bürger veranstaltet wird. Der Leiter der Einrichtung, Frater Thomas Neumann, möchte den Anlass nicht so hochhängen: „Wir haben nichts zu verbergen, und möchten einfach mal die Möglichkeit bieten, dass sich die Leute bei uns umschauen und unser Internat etwas kennenlernen können.“

Hinter der Einladung verbirgt sich indes auch ein etwas pragmatischer Grund, wie Pater Thaddäus Schreiber, Präfekt des vor einem halben Jahr eröffneten Tagesheimes mit derzeit 14 Schülern, zugibt: „Natürlich müssen auch wir uns dem Markt mit vielfältigen Bildungsangeboten stellen. Da gehört es dazu, dass man sich präsentiert.“

Über zuwenig Schüler hat Ettal nicht zu klagen. Im „Missbrauchs-Jahr“ gab es nur eine Abmeldung, und dabei habe es sich um einen Schüler aus Mexiko gehandelt, den Heimweh geplagt hätte, so Frater Thomas. Die Schüler-Quote im Internat mit 120 Kindern und Jugendlichen sei stabil. Schulleiter Pater Maurus Kraß gibt zu, dass man vergangenes Jahr schon Verunsicherung gespürt habe bei manchen Eltern. Dem sei jedoch ein großes Vertrauen in Kloster, Schule und Lehrer gegenüber gestanden. „Derzeit ist wieder eine steigende Nachfrage von Eltern aus dem In- und Ausland spürbar“, so der Direktor, „die überlegen, ihr Kind in unsere Obhut zu geben“. Es setze sich auch wieder mehr das Wort „Du darfst ins Internat“ anstatt „Du musst ins Internat“ durch. Oberste Devise sei es, so Internatsleiter Frater Thomas, „dass sich die Schüler bei uns wohlfühlen“.

Ludwig Hutter

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