Prof. Dr. Alexander Woltmann organisiert das Zugspitzsymposium. Foto: her

Knochen heilen weniger schnell

Murnau - 150 Fachärzte werden sich am Freitag beim Zugspitzsymposium über Unfälle bei älteren Menschen austauschen. Das Treffen steht unter dem Titel "Alterstraumatologie".

Die Menschen werden immer älter und halten sich zunehmend durch die verschiedensten Sportarten fit. Damit steigt jedoch das Risiko von Verletzungen, die bei Senioren oftmals langsamer heilen und einer speziellen Behandlung bedürfen. Das am Freitag erstmals von der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Murnau, dem „Traumanetzwerk München Oberbayern Süd“ und der wissenschaftlichen Gesellschaft „AIOD Deutschland“ abgehaltene Zugspitzsymposium „Alterstraumatologie“ beschäftigt sich exakt mit diesem Themenkomplex. Die wissenschaftliche Leitung liegt dabei in den Händen des Ärztlichen Direktors, Professor Dr. Volker Bühren, und Professor Dr. Wolf Mutschler, der Sprecher des Traumanetzwerks ist. Insgesamt werden hierfür 150 Fachärzte aus ganz Bayern, Berlin und Österreich erwartet.

„Ältere Menschen treiben zunehmend Sport, und erleiden deshalb wesentlich häufiger Unfälle als noch vor wenigen Jahren“, sagt Professor Dr. Alexander Woltmann, Leiter der Abteilung Traumachirurgie an der Unfallklinik, der das Symposium organisiert. „Erst neulich haben wir in der Unfallklinik einen 80-Jährigen behandelt, der beim Kite-Surfen verunglückt war.“ Wenn Heilprozesse bei jungen Unfallopfern mehrere Wochen in Anspruch nähmen, könnten diese bei älteren Menschen beim gleichen Verletzungsmuster erheblich länger dauern, betont der Arzt.

„Im Symposium beschäftigen wir uns mit den typischen Verletzungen alter Menschen und welche Implantate wir bei ihnen verwenden“, erklärt er weiter. „Diese Implantate müssen teilweise andere Verankerungsmöglichleiten haben als bei jungen Patienten, zumal die Knochen der Älteren nicht mehr so stabil sind wie bei den Jüngeren.“ Bei der Knochenheilung gilt es nach seinen Worten zu beachten, ob die Betreffenden etwa unter Osteoporose leiden oder Medikamente nehmen, die die Knochenbruchheilung negativ beeinflussen.

In einem weiteren Block des Symposiums geht es um die Frage, wann bei einem alten Menschen eine Operation wirklich notwendig ist und wann nicht. „Mancher Eingriff, der bei einem jungen Patienten unproblematisch ist, verursacht bei einem alten Menschen mehr Schaden als Nutzen, weil zum Beispiel die Blutgefäße nicht mehr so in Schuss sind und sich Wundheilungsstörungen entwickeln können“, beschreibt Woltmann die Folgen. „In bestimmten Fällen kann man die Heilung auch mal der Natur überlassen.“

Weitere Themen sind Narkosebedingungen und die Behandlung von lebensbedrohlichen Mehrfachverletzungen. Mittels einer TED-Abfrage werden die Teilnehmer um ihre Meinung zu bestimmten Fallvorstellungen befragt - nach dem Motto: „Wie würden sie behandeln?“ Am Schluss des Programms wird das Seminar „Telemedizin“ stehen, bei dem die Vernetzung von Fachärzten und Kliniken im Vordergrund steht. „Dabei kann ein Kollege vor Ort bei uns nachfragen, wie wir einen bestimmten Fall sehen“, sagt Woltmann: „Auf diese Weise kommt jedem Patienten, egal, wo er behandelt wird, die gesamte Kompetenz des Traumanetzwerks zugute.“

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