Knöllchen: Seehauser fordert mehr Kulanz

Murnau - Wegen eines für den Kontrolleur nicht lesbaren, aber gültigen Parkscheins hat Franz Schön einen Strafzettel erhalten. Er will nicht zahlen und fordert vom Markt Murnau mehr Kulanz.

Franz Schön ist sauer. Wegen eines nicht erkennbaren Parkscheins haben er und seine Frau einen Strafzettel erhalten. Zu unrecht, findet er, denn der gültige Beleg war zur besagten Zeit im Auto. Aber nicht lesbar, kontert die Marktgemeinde Murnau. Sie beharrt aufs Geld. Das wiederum findet Schön alles andere als bürgernah. „Ich hätte schon erwartet, dass man in einem solchen Fall ein Auge zudrückt.“

Was war geschehen? Nachdem Schöns Frau Christiane Lohrey ihren Wagen am 5. Januar um 13 Uhr ordnungsgemäß mit einem bis 15 Uhr gültigen Parkschein am Murnauer Obermarkt abgestellt hatte, war um 14 Uhr ein kommunaler Verkehrsüberwacher aufgetaucht, um die Windschutzscheibe des Wagens zu fotografieren und - wegen der Unlesbarkeit des Belegs - ein Knöllchen über zehn Euro auszustellen. Als die Frau pünktlich zurückkam, traute sie ihren Augen nicht. Hatte sie doch bezahlt und den Beleg aufs Armaturenbrett gelegt. Als sie daraufhin im für die Bußgeldabwicklung zuständigen Ordnungsamt anrief, bekam sie zur Anwort, dass das Foto des Überwachers zwar einen Zettel auf dem Armaturenbrett zeige, dieser aber nicht lesbar und die Strafe damit rechtsgültig sei.

„An diesem Tag herrschte heftiger Wind“, schildert Lohrey. „Ich kann mir nur erklären, dass der Zettel beim Autotür zumachen verweht worden ist." Kopfschüttelnd machte sich ihr Mann Franz Schön nach dem Telefonat persönlich auf ins Rathaus, um die Beweisstück - den Zahlbeleg samt Strafzettel - vorzulegen. Wieder erhielt er dieselbe Antwort: Nichts zu machen, der Beleg sei auf dem Bild nicht lesbar. „Das ist reine Prinzipienreiterei“, schimpft er. „Da haben wir bezahlt, und sollen jetzt zusätzlich blechen. Hier geht’s mir nicht um die zehn Euro, sondern ums Prinzip“, meint er - und will's drauf ankommen lassen. Zahlen tut er jedenfalls nicht.

Das wird er aber müssen. Florian Krammer vom Murnauer Ordnungsamt kann den Unmut des Seehausers zwar verstehen, ihn aber nicht für gut heißen. „Wir haben im Rathaus unsere ganz klaren Vorgaben gemäß einschlägigen Rechtssprechungen und an die müssen wir uns halten. Der Beleg muss lesbar im Auto liegen, das steht sogar drauf. Ansonsten gilt er nicht. Wir können das generell nicht akzeptieren, dass jemand einen Beleg nachreicht.“ Schließlich wäre es ja möglich, dass der nachträglich eingereichte Zettel von einem anderen Parker stammt.

Rechtens vielleicht ja. Aber nachvollziehbar? Für Franz Schön jedenfalls nicht - und für Gemeinderat Welf Probst ebenfalls nicht. „Das finde auch ich teilweise etwas übertrieben, was das Ordnungsamt da macht. Das wirft kein gutes Licht auf den Ort, da machen wir uns keine Freunde. Die Leute werden mit solch strengen Handhabungen vergrault und fahren das nächste Mal zum Einkaufen woanders hin“, meint der Chef der Freien Wähler, der das Thema Parküberwachung ohnehin bei den anstehenden Haushaltsberatungen mit einbringen will. „Ordnung muss zwar sein, vor allem an Gefahrenstellen und in Feuerwehranfahrtszonen, aber ein bisschen mehr Menschlichkeit wäre ja manchmal auch nicht schlecht.“

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