+
30 Meter in die Höhe schießt die Fontäne des Brunnens im Wasserparterre vor Schloss Linderhof.

Rauschende König-Ludwig-Nacht mit 2000 Kerzen und Fackeln im Schlosspark

Linderhof im Lichtermeer

Zurückversetzt in eine bezaubernde Märchenwelt: Die Besucher der König-Ludwig-Nacht von Schloss Linderhof waren begeistert.

Linderhof – Wer am Freitag in den Abendstunden durch den Park von Schloss Linderhof spazierte, der konnte sich König Ludwig II. ganz nah fühlen. Zur Feier seines 172. Geburtstages beleuchtete das Team der Schloss- und Gartenverwaltung den Park mit 1845 Kerzen, Fackeln und Feuerschalen. Keine Frage, das hätte auch dem Märchenkönig gefallen.

Bereits am Nachmittag strömten die Besucher auf das Areal, wo es die ersten Führungen zum Thema des diesjährigen Abends „Royale Romanzen“ gab. Als es zu dämmern begann, versammelten sich die Zuschauer rund um das große Wasserparterre vor dem Schloss auf Bänken und Mauern, um dem halbstündigen Konzert der Ettaler Blasmusik zu lauschen. Etliche Besucher hatten Picknickdecken mitgebracht und machten es sich ringsherum auf den Wiesen gemütlich.

Hoher Besuch: König Ludwig II. (alias Anton Heiß) und Kaiserin Elisabeth (Gabi Paul) von den König-Ludwig-Freunden aus Rott geben sich die Ehre.

Die Begeisterung war groß, als dann – ganz unerwartet – König Ludwig II. selbst, mit Kaiserin Sissi an seiner Seite, würdevoll die Treppen vom Venustempel hinabstieg und Richtung Schloss flanierte. Mit stolzer Körperhaltung durchschritten der Kini, alias Anton Heiß, und seine „Gemahlin“ Gabriele Paul das südliche Wasserparterre, gefolgt von den König-Ludwig-Freunden aus Rott am Lech, die ebenfalls in prächtigen Gewändern auftraten. Standesgemäß eröffnete daraufhin die Ettaler Blasmusik unter der Leitung von Timo Lamprecht ihr Konzert mit dem König-Ludwig-Marsch. Schlossführerin Angela Finley moderierte mit Charme und kleinen Anekdoten das Kurzkonzert. Als es dunkel wurde, und der Märchenwalzer erklang, lohnte sich ein Rundum-Blick: Im Schein der frisch angezündeten Kerzen leuchteten die Treppenaufgänge hinauf zum Venustempel in atemberaubendem Glanz. In dieser einmaligen Atmosphäre erklang zum Finale die Bayernhymne, die von Vielen mit Inbrunst mitgesungen wurde. Dann schoss die Fontäne des Brunnens im Wasserparterre, hell beleuchtet und beeindruckend schön, 30 Meter in die Höhe.

„Seine Liebesbriefe waren legendär“

Nach diesem Auftakt konnten die Besucher aus einem vielfältigen Programm auswählen. Wer das Glück hatte, noch einen Platz bei einer der nächtlichen Schlossführungen ergattert zu haben, durfte die Gemächer des Königs zu einer Uhrzeit besuchen, zu der auch seine Eminenz stets aktiv geworden war. „Das war schon ein Bild von einem Mann, der König“, schwärmte Finley. Und tatsächlich galt Ludwig in jungen Jahren mit seinem schwarzen Haar und den blauen Augen als schönster Mann des 19. Jahrhunderts. „Und seine Liebesbriefe waren legendär“. Kein Wunder war es also, dass sich die Frauen um ihn rissen. Eine, die ihn allerdings so gar nicht wollte, war seine erste Verlobte, Prinzessin Sophie von Bayern. Die verliebte sich stattdessen in den Fotografen Edgar Hanfstaengel. Die Geschichte dieser unglückseligen Affäre verlas Chiara Nassauer am Alten Tor aus Augenzeugenberichten, Original Briefen und Notizen. In einer schreibt der sonst so redegewandte König knapp: „Sophie abgeschrieben.“ In einem zweiten Vortrag im Königshäuschen drehte sich alles um die bayerischen Könige Ludwig III. und Kaiser Maximilian und ihre Herzdamen Maria Theresia von Bayern und Maria von Burgund.

Gefragt waren auch die vielen Themenführungen in den Gartenparterres sowie der Stummfilm „Ludwig II., König von Bayern“ in Schwarz-weiß aus dem Jahre 1930 von Wilhelm Dieterle – eine absolute Rarität. Hier wurde Ludwig als eher tragische Figur gezeichnet. Mit all den gesammelten Eindrücken wandelten die Besucher noch bis weit nach Mitternacht durch das Lichtermeer des Parks von Schloss Linderhof. Des bevorzugten Wohnorts eines exzentrischen, sensiblen und tiefsinnigen Königs, der sich keine schönere Heimat hätte erwählen können.

Beate Berger

Auch interessant

Kommentare