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Spontan hat Andreas Geipl im Relegationsspiel die Verantwortung übernommen. Eine gute Entscheidung: Mit seinem verwandelten Elfmeter bringt er den SSV Jahn Regensburg gegen den VfL Wolfsburg II in Führung.

Partymarathon nach erfolgreicher Relegation des SSV Jahn Regenburg

Kohlgruber Aufstiegsheld Geipl hat turbulente Wochen hinter sich

Bad Kohlgrub - Nervenflattern kennt Andreas Geipl offenbar nicht. Souverän hat er für den SSV Jahn Regenburg in der Relegation den Strafstoß verwandelt und entscheidend zum Aufstieg in die Dritte Liga beigetragen. Jetzt macht er Urlaub - nach einem wahren Feiermarathon. 

Es läuft die 53. Minute des Relegationsspiels zwischen dem SSV Jahn Regensburg und dem VfL Wolfsburg II, als Andreas Geipl zum Elfmeter bereitsteht. Knapp 15 000 Fans im Stadion und zahllose weitere Menschen vor den Fernsehgeräten schauen ihm jetzt auf die Füße. Ein Moment, in dem man leicht die Nerven verlieren kann. Nicht Geipl. „Ich war mir sicher, dass ich treffe“, schildert der Bad Kohlgruber sein Befinden wenige Augenblicke vor dem Anlauf. Sein Gefühl täuscht ihn an diesem Nachmittag nicht. Der 24-Jährige verwandelt souverän und erzielt somit die wichtige Führung beim 2:0-Heimsieg der Regensburger. Der Aufstieg in die Dritte Liga ist geschafft. Und Geipl einer der großen Helden.

Dabei war vor dem Spiel nicht einmal geklärt, wer im Fall der Fälle überhaupt zum Strafstoß antritt. Der etatmäßige Schütze hatte zuletzt verschossen und war sich seiner Sache nicht mehr ganz so sicher. Als der Moment gekommen ist, übernimmt Geipl spontan die Verantwortung. „Ich habe mir einfach den Ball geschnappt, und es hat sich richtig angefühlt.“ Von seinen Teamkollegen oder dem Trainer sei keinerlei Widerspruch gekommen. Ein Zeichen für die bemerkenswerte Entwicklung, die der 23-Jährige in der Oberpfalz genommen hat.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten und einer schweren Verletzung ist er zum Führungsspieler gereift. Keine Selbstverständlichkeit. „Bei 1860 bin ich noch gescheitert“, räumt der zentrale Mittelfeldspieler rückblickend ein. „Deshalb ist es umso geiler, dass ich es jetzt geschafft habe.“

„Ich möchte auch in der Dritten Liga Stammspieler bleiben“

All diese Dinge erzählt Geipl mit einer stark in Mitleidenschaft gezogenen Stimme. Immer wieder verweigert ihm das Organ für kurze Zeit seine Dienste. Das Ergebnis eines wahren Feiermarathons. Nach dem Spiel machte er mit einigen Spezln aus der Heimat Regensburg unsicher, anschließend ging’s mit der Fußballmannschaft nach Mallorca. Party bis in die frühen Morgenstunden war angesagt. „Wir haben’s uns richtig gut gehen lassen.“ Wer soll es ihnen auch verdenken? Bereits am 17. Juni bittet Coach Heiko Herrlich seine Mannen wieder auf den Trainingsplatz. Auch Geipl wird dann wieder Vollgas geben. Seinen auslaufenden Vertrag hat er schon vor den Entscheidungsspielen um ein Jahr verlängert. Unabhängig von der Ligenzugehörigkeit. Die Herausforderung eine Spielklasse höher nimmt er natürlich trotzdem sehr gerne an. „Ich möchte auch in der Dritten Liga Stammspieler bleiben.“

Ein paar Tage Ruhe hat der junge Fußballprofi noch. Zeit, die er bei seiner Familie in Bad Kohlgrub verbringt. „Ich genieße es, zuhause zu sein. Hier kann ich am besten abschalten.“ So hat er endlich die Zeit, sich mit alten Freunden zu treffen. Ein Vergnügen, das sonst häufig auf der Strecke bleibt. Zudem steht noch ein Kurztrip mit der Freundin nach Italien an. Nach so viel Entspannung sollte Geipl auch der nächste Elfmeter nicht aus der Ruhe bringen.

Simon Nutzinger

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