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Der Mann mit dem Kontrabass: Michael Hecherieder im Kreise seiner Musikantenfreunde von der Koitaboch Musi (ab 2. v. l.) Andreas Nudlbichler, Florian Möckl, Josef Gröbl und Anton Ostler bei einem Auftritt in Schweden.

Obduktion klärt die Todesursache

Schock für Koitaboch Musi - Mitglied stirbt unerwartet

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Garmisch-Partenkirchen - Die Koitaboch Musi hat mit Michael Hechenrieder ein wichtiges Ensemble-Mitglied verloren. Gestorben ist der 36-Jährige im Bett. Neben ihm lag Florian Möckl, der Chef der Musiker-Truppe, ohne etwas davon zu bemerken. 

Mitgenommen sieht Florian Möckl aus. Sein Gesicht – aschfahl, die Augen gerötet, als habe er geweint und wenig geschlafen. Beides trifft zu. Der Chef der Koitaboch Musi hat seinen Freund Michael Hechenrieder verloren, der zu den Gründungsmitgliedern der Musikanten-Truppe zählte, mit dem er fast 20 Jahre in vielen Ländern dieser Welt unterwegs war, um die Menschen mit der Musik aus ihrer Werdenfelser Heimat zu erfreuen. Unter Umständen ist Hechenrieder, der Mann mit dem Kontrabass, gestorben, die Möckl und Andreas Sterzer, der dritte des Trios, ihr Leben lang nicht vergessen werden, die sich unauslöschlich in ihr Gedächtnis eingebrannt haben.

Immer fröhlich und vergnügt: Michael Hechenrieder.

Es war der vorletzte Tag ihres Engagements bei der Brauhausweihnacht auf der Festung Königsstein in der Sächsischen Schweiz. Nach ihrem Auftritt am vergangenen Samstag gehen Hechenrieder, Möckl und Sterzer gegen Mitternacht ins Bett. „Früh für Musikanten“, sagt Möckl. Das Trio ist geschafft, es waren anstrengende Tage. Die drei Männer schlafen in einem Zimmer. „Wie’s so häufig in der Musikanten-Szene vorkommt“, sagt Möckl. Sterzer in einen Zustell-, Hechenrieder und Möckl im Doppelbett. Möckl nimmt Ohrenstöpsel, damit er ungestört durch die Nacht kommt. Am anderen Morgen ist alles scheinbar wie immer. Möckl und Sterzer gehen nach der Morgentoilette zum Frühstück, Hechenrieder bleibt im Zimmer zurück. Das machte er häufig so. „Er hat gerne lange geschlafen“, beschreibt Möckl seinen Freund. Als der Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat (Freie Wähler) zurückkommt, liegt der 36-Jährige noch immer im Bett. Irgendwie regungslos. Als Möckl versucht, ihn zu wecken, erkennt er das Schreckliche, das Unfassbare. Sein Freund, den alle Welt nur „Hechi“ nannte, ist tot, gestorben in der Nacht, während er neben ihm geschlafen hatte. Möckl und Sterzer befinden sich sekundenlang in Schockstarre. Dann reagieren sie und tun, was man in solchen Situationen tut. Sie alarmieren den Notarzt. Doch der braucht, bis er kommt. Und als er endlich da ist, kann er nur noch den Tod des 36-Jährigen feststellen. Die Beamten der Kriminalpolizei verhören Möckl und Sterzer, ehe sie in ihr Zimmer zurückkehren, packen und die Heimreise antreten können. Den letzten Auftritt sagen sie ab. „Das war eine schlimme Fahrt“, beschreibt Möckl seinen Gemütszustand und seine Seelenpein. Und der schwerste Gang stand ihm noch bevor. Er musste Hechenrieders Eltern in Seehausen erzählen, wie er gestorben ist. Was ihm das Leben kostete, da hat Möckl seine Vermutung. Von Kindesbeinen an litt Hechenrieder an einem Herzklappenfehler. Die Ärzte hatte ihm zu einer Operation geraten, die er im kommenden Jahren angehen wollte. „Vielleicht hat er zu lange gewartet“, meint Möckl. Gewissheit über die Todesursache wird eine Obduktion bringen. Deshalb dauert es noch eine Zeit, bis die Beerdigung stattfindet. Die Eltern hoffen auf den 5. Januar. An diesem Tag hätte Hechenrieder seinen 37. Geburtstag gefeiert.

In Seehausen war Hechenrieder daheim, dort wuchs er auf. Es war sein Lebensmittelpunkt. Er war integriert in das Leben der Staffelsee-Gemeinde mit Fischerstechen und Seefest. Jedermann kannte ihn – in Seehausen, in der Region. „Er war bekannt wie ein bunter Hund“, sagt Möckl. Als neugierig beschreibt er ihn, als ganz besonders zuverlässig, als einen, der die „Ruhe weg hatte, aber auch furchtbar stur sein konnte“. Und als Mann mit großem Herzen und großer Seele, der verliebt war in die Musik und in seinen Kontrabass. Denn hatte er schon als junger Bursch überall mit hingeschleppt, zu jedem Auftritt. Er wollte kein anderes Instrument spielen. Hechenrieder, im Zivilberuf Elektromeister beim Staatlichen Bauamt in Weilheim, war Autodidakt. Er konnte keine Noten lesen. Wenn die Koitaboch Musi ein neues Stück einstudierte, spielte es ihm die Kollegen solange vor, bis er die Melodie intus hatte. Mitgemischt hat Hechenrieder auch auf der jüngsten CD der Koitaboch Musi, die im Februar 2016 erscheinen soll. „Da ist er mit dabei. Das bleibt von ihm für immer“, sagt Möckl und muss schlucken. Hechenrieders Platz in der Koitaboch Musi bleibt zunächst leer. Einen Mann mit dem Kontrabass wird in kommenden Monaten nicht geben.

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