Kolbenlift in Oberammergau: Gruppe um Ex-Bürgermeister will 500 000 Euro zahlen

Oberammergau - Die Bemühungen der Gemeinde Oberammergau, die Kolbensesselbahn zu verkaufen, gehen in die Endphase: Es geht nur noch um vertragliche Details.

Von offizieller Seite dringt wohl nichts mehr nach draußen, bis der Vertrag nicht in trockenen Tüchern ist. Die Verhandlungspartner verweisen unisono auf laufende Gespräche. Dabei pfeifen es die Spatzen in Oberammergau längst von den Dächern, dass eine private Interessengruppe drauf und dran ist, die Kolbensesselbahn mit Hütte, zwölf Schneekanonen, zwei Schleppliften, Pistenraupen und weiterem technischen Gerät zu erwerben. Als Kaufsumme ist ein Betrag von 500 000 Euro im Gespräch. Sollte es soweit kommen, hätte die Kommune einen großen Defizit-Klotz (375 000 Euro in 2008) nicht mehr am Bein, und die Gemeinderäte eine Sorge weniger.

Von zunächst sechs Kauf-Interessenten vor einem Jahr schrumpfte die Zahl potenzieller Bewerber auf zuletzt zwei zusammen: Einmal die Interessengemeinschaft um den früheren Bürgermeister Klement Fend, Ex-Gemeinderat Josef Köpf, dem Kloster Ettal und weiteren sieben Unternehmern, Selbständigen und Landwirten. Und dann der Betreiber der Steckenberglifte in Unterammergau, Alfred Richter.

Nicht-öffentlich soll sich bereits eine klare Gemeinderatsmehrheit für Fend & Co. ausgesprochen haben, und das lag wohl am finanziellen Gebot von einer halben Million Euro für das Objekt. Richter wird zwar das nötige Know-How zum Betrieb einer solchen Anlage zugetraut, doch dessen Kaufpreisvorschlag scheint offenbar für die Bürgervertreter nicht akzeptabel zu sein.

Tatsächlich ist bislang kein Vertrag unterschrieben, auch die Verhandlungen ruhen derzeit. Bürgermeister Arno Nunn ist noch bis zum 22. November in Urlaub, Werkleiter Alfons Gerl bis zum 29. November. Rathaus-Vize Karl-Heinz Götz hält sich bedeckt: „Es gibt noch einige Punkte zu klären. Noch ist nichts spruchreif.“ Auch Klement Fend hüllt sich in Schweigen: „Solange die Verhandlungen nicht abgeschlossen sind, werden wir dazu nichts sagen. Das haben wir mit der Gemeinde so vereinbart. Derzeit handelt es sich um ein schwebendes Verfahren.“

Ausführlich hat die Interessengemeinschaft (IG) in Person von Fend, Köpf und Cellerar Pater Johannes vom Kloster Ettal ihr Konzept vor dem Gemeinderat zum künftigen Betrieb am Kolben vorgestellt. Dazu soll auch eine Sommerrodelbahn gehören, wie es sie in Unterammergau gibt. Weitere Investitionen? Angeblich wollen die neuen Besitzer in spe fünf Millionen Euro in die Hand nehmen. Gute Kontakte pflegt man bei der IG offenbar auch zur Privatwaldgemeinschaft als Hauptgrundbesitzer am Kolbenhang, wo einige der Gruppe auch Sitz und Stimmrecht haben. Es wird gemunkelt, dass die Wald-Rechtler am künftigen Umsatz in der Kolbensattelhütte sowie an den Fahrten der Kolbensesselbahn beteiligt werden sollen.

All dies ist (noch) Zukunftsmusik. Im bevorstehenden Winter wird wie bisher Oberammergau Tourismus die Anlage betreiben, wobei es ab Mitte Dezember losgehen soll. Die Schneekanonen entlang der Abfahrt sind bereits aufgestellt. Ab dem 16. Dezember, egal bei welcher Schneelage, übernimmt wieder Vitus Kreitmeir das Ruder als Wirt auf der Kolbensattelhütte: „Wie es im Frühjahr weitergeht, wird sich zeigen.“ Allen Skifahrern und Tourengehern, bei denen der Kolben sehr beliebt ist, kann der Vitus schon mal ankündigen, dass es in diesem Winter zwei Hüttenabende in der Woche geben wird, Dienstag und Donnerstag.

Ludwig Hutter

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