Polizeiinspektion Mittenwald Außenaufnahme
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Polizeiinspektion Mittenwald Außenaufnahme

Unglückliche Formulierung

„PI Mittenwald nicht überarbeitet“: Gemeinderat Obst will Aussage so nicht gemeint haben

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Kommando retour: Mittenwalds SPD-Gemeinderat Ralf Obst rudert nach seiner Aussage in der jüngsten Gemeinderatssitzung zurück. Er habe den Satz nicht so gemeint.

Mittenwald – „Ich glaube nicht, dass die PI Mittenwald überarbeitet ist.“ Ein Satz, der sich den dortigen 26 Ordnungshütern wohl eingebrannt hat. Zu dieser wenig schmeichelhaften Einschätzung kam am Montag im Bauauschuss ausgerechnet einer von ihnen: Ralf Obst, Kripo-Beamter aus Garmisch-Partenkirchen (wir berichteten) und seit Mai SPD-Marktgemeinderat.

Als solcher sollte man sich Äußerungen in einem öffentlichen Gremium – zumal vor Publikum – reiflich überlegen. Zu dieser Erkenntnis ist nun auch Obst gelangt. Den Vorwurf, ein Nestbeschmutzer zu sein, weist er natürlich von sich. Gleichwohl räumt der gebürtige Franke ein, bei seiner Wortwahl etwas unglücklich gewesen zu sein. „Das tut mir auch leid“, versichert der Polizeibeamte. „Der Satz, so wie er gesagt wurde, war so nicht gemeint.“ Irgendwie sei seine Botschaft „falsch rübergekommen“.

Dennoch glaubt Obst, dass die Mittenwalder Kollegen, „die ich voll und ganz respektiere“, grundsätzlich mal in der Puit oder im Krausegarten fünf bis zehn Minuten auf Hundestreife gehen könnten. „Die Zeit dürften sie doch haben.“ Im Bauausschuss, der sich mit dem Hundeproblem in besagten Ruhezonen auseinanderzusetzen hatte, sprach in diesem Zusammenhang der Kriminaler aus dem Kreisort nochmals von der „Insel der Glückseligen“. Diesen Ausdruck gebrauchte unlängst der Mittenwalder Dienststellenleiter Thomas Holzer sinngemäß bei seiner Jahresbilanz im Mai vor dem Marktgemeinderat. Der Polizeichef zielte damals auf die gegenüber Ballungszentren vergleichsweise harmlosen Zahlen ab. „Wir haben Verhältnisse, über die man nicht jammern darf“, sagte Holzer seinerzeit.

Zu dem Urteil seines Kollegen Obst möchte der PI-Leiter wohlweislich nichts sagen. Dafür hat er sich Ende Mai im Marktgemeinderat deutlich über den Ist-Zustand seiner Mittenwalder Inspektion geäußert. „Die Personalstärke ist einfach zu niedrig.“ Zudem sei die ohnehin ausgedünnte Dienststelle mit einem Durchschnittsalter von 50 plus definitiv überaltert. Aussagen, die Holzer neben seiner Eloge über „die schönste Dienstelle im ganzen Oberland“ unüberhörbar kundgetan hat.

Vor diesem Kontext halten nicht viele im politischen Mittenwald, das seit Jahrzehnten die Schließung seiner PI befürchtet, die Obst-Analyse für völlig kontraproduktiv – zumal die Worte eines Polizisten bei übergeordneter Stelle (bayerisches Innenministerium) möglicherweise eine andere Tragweite haben als bei einem Zivilisten.

Keiner weiß das besser als Bürgermeister Enrico Corongiu. Im Falle seines SPD-Parteifreunds versucht er, den Ball flach zu halten. „Ob es politisch klug war, möchte ich nicht einordnen“, drückt sich der Rathauschef um eine konkrete Antwort. Stattdessen bricht Corongiu eine Lanze für seinen sozialdemokratischen Mitstreiter. „Er ist Polizeibeamter durch und durch – und er steht zu seinen Kollegen!“ Corongiu glaubt zu wissen, was Obst während der Hunde-Debatte mit seiner unglücklichen Formulierung eigentlich sagen wollte: „In Mittenwald ist es wahrscheinlich ruhiger als in einer Innenstadtwache in Nürnberg.“

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