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Auf diesem Areal soll das neue Baugebiet entstehen.

Trotz Förderung abgelehnt

Kommunaler Wohnungsbau im Einheimischenmodell nicht erwünscht

Am „Bruckler Filz“ in Bad Bayersoien sprießen die Häuser aus dem Boden, das neue Baugebiet „Breiten“ dagegen existiert bisher nur auf dem Papier. Der Entwurf muss nun geändert werden – in einer Sache nicht nach dem Geschmack der Bürgermeisterin.

Bad Bayersoien – Sie hatte es schon im Vorfeld geahnt: Das Thema Kommunaler  Wohnungsbau im neuen Einheimischenmodell „Breiten“ könnte eine heiße Kiste werden. Gisela Kieweg klammerte sich an die Hoffnung, dass sich eine Mehrheit der Gemeinderäte für das Vorhaben findet, dort in einem Haus drei bis vier Einheiten für Menschen, die zum Beispiel in die Altersarmut gerutscht sind, anzubieten. Bad Bayersoiens Bürgermeisterin sieht das als „moralische Pflicht der Gemeinde“. Am Ende der Abstimmung saß sie enttäuscht im Rathaus-Sitzungssaal. Sieben der insgesamt elf Volksvertreter haben ihr einen Magenschwinger verpasst.

Ihre Gefühlslage konnte Kieweg nicht verbergen. „Jetzt bin ich deprimiert“, sagte sie und bat um eine kleine Verschnaufpause, um sich zu sammeln. Der Kommunale Wohnungsbau wäre ihr eine Herzensangelegenheit gewesen, weil sie von Anfragen überhäuft werde. Auch finanziell stand es auf soliden Beinen.

Um Gemeinden dabei zu unterstützen, bezahlbaren Wohnraum zu planen und umzusetzen, gibt es von der Regierung von Oberbayern ein Förderprogramm. Heißt: Der Freistaat gewährleistet einen Zuschuss der förderfähigen Kosten von 30 Prozent und ein zinsverbilligtes Darlehen bei der BayernLabo von bis zu 60 Prozent. Der Eigenanteil der Gemeinde beträgt zehn Prozent. Wobei zusätzlich „das Gebäude eventuell mit angerechnet werden könnte“, erklärte Kieweg. „Wir würden in einen echt coolen Fördertopf reinfallen.“

Pro- und Contra-Argumente wurden vorgebracht

Sie zählte weitere Vorteile auf: Erstens wäre Bayersoien 20 Jahre an das Programm gebunden, dann würde das Gebäude zur freien Verfügung stehen. Zweitens bestimme in dieser Zeit trotzdem die Gemeinde die Belegung der Unterkünfte. Und drittens würde der Kommunale Wohnungsbau quasi bei der Realisierung des Einheimischenmodells – diesen Begriff darf die Gemeinde verwenden, weil sie sich an die Richtlinie hält und die Parzellen nicht größer als 700 Quadratmeter plant – mitlaufen.

Während Unterammergau die Chance bereits beim Schopf gepackt hat, wird es in Bad Bayersoien gar nicht erst so weit kommen. Einwände wurden vorgebracht. Zum Beispiel von Rainer Frühschütz-Grüning. Er sah Probleme bei der Verwaltung und der Pflege des Grundstücks. Außerdem warnte er vor einem mehrmaligen Wechsel der Mieter. „Das ist nur mit Arbeit und Ärger verbunden“, betonte der Gemeindemitarbeiter. Wie Frühschütz-Grüning oder Rupert Haseidl, der einen solchen Wohnraum lieber in einer Immobilie im Dorf anbieten würde und auf das Bierling-Haus anspielte, konnte sich auch Tobias Maier nicht mit dem Vorhaben im Einheimischenmodell anfreunden. Seiner Meinung nach passt das nicht zusammen. Außerdem „rechnet sich der soziale Wohnungsbau nicht“. Er plädierte ebenfalls für einen anderen Standort. Unterschwellig keimten auch andere Bedenken in der Debatte auf. Was sagen die künftigen Nachbarn dazu? Inwiefern müssen Flüchtlinge berücksichtigt werden?

Umplanen ist angesagt

Die Bürgermeisterin kämpfte, betonte mehrfach, dass alles in der Hand der Gemeinde liege. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass für das Bierling-Haus, bei dem die Kommune in die Städtebauförderung gerutscht ist, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben wird. „Die Angebote sind gerade unterwegs“, sagt Kieweg auf Nachfrage. Doch was am Ende rauskomme, steht in den Sternen. Ihr Traum: in dem Gebäude ein Betreutes Wohnen für Senioren unterzubringen.

Rückendeckung gab ihr Georg Haseidl. Er bezweifelte, dass nach 20 Jahren das Haus abgewirtschaftet sei. Vielmehr glaubt ihr Vize angesichts der Förderung an einen Gewinn für die Gemeinde. Ähnlich sah das Karl-Heinz Schuster. Er wollte das Thema nicht auf die lange Bank schieben. „Der Bedarf ist jetzt da.“ Das Bierling-Haus und dessen ungewisse Zukunft steht für ihn deshalb derzeit nicht zur Diskussion.

Die Gegner ließen sich nicht umstimmen. „Uns geht’s allen zu gut“, entfuhr es Schuster. Der Beschluss blieb nicht ohne Konsequenzen. Denn somit muss das Büro WipflerPlan umdisponieren. Von 15 Bauplätzen sollten 12 für die Gemeinde entstehen. Nun werden es wohl 14, meint Kieweg. Umplanen muss die Firma ohnehin und weitere Varianten im Hinblick auf die Straßenführung in dem Gebiet präsentieren. Denn auch die vorgestellte Stichstraße fiel unter anderem wegen der fehlenden Wendemöglichkeit für große Fahrzeuge bei vielen Gemeinderäten durch. Am anvisierten Baustart im Mai 2018 hält Kieweg trotzdem fest.

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