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Spricht Klartext: Hansjörg Zahler.

Unter „Sonstiges“ platzt die Bombe

Kommunalwahl: Wallgaus Bürgermeister lüftet das Geheimnis

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Die Katze ist aus dem Sack: Bürgermeister Hansjörg Zahler bereitet den Spekulationen über seine politische Zukunft ein Ende

Wallgau – Es sind nur zwei Sätze ganz am Ende der öffentlichen Sitzung – doch die haben es in sich. Unter dem Punkt „Sonstiges“ richtet der Wallgauer Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) im gut gefüllten Rathaussaal noch einmal das Wort an den Gemeinderat. „Lange genug bin ich in mich gegangen“, meint der ansonsten geschliffene Redner eher zurückhaltend und zögerlich. „Ich habe mich entschlossen, mich im März 2020 nicht mehr zur Wahl zu stellen.“ Keiner der Volksvertreter will das kommentieren. Nach außen geben sich alle teilnahmslos.

Auch die rund 20 Zuhörer, die anschließend nach draußen gebeten werden, verlieren vor dem Rathaus über die jüngste Personalie kein Wort darüber. Nur einer ruft Kämmerer Hans Zahler, als dieser die Türe des Gemeindeamts abschließen will, entgegen: „Hans, jetzt kannst ja kandidieren.“ Denn immer wieder wird „Johnny Cash“, wie manche Zahler nennen, in letzter Zeit als möglicher Aspirant ins Spiel gebracht.

Jetzt aber hat erst einmal sein Namensvetter die Katze aus dem Sack gelassen. „Es ist mir gar nicht leicht gefallen“, verdeutlicht der scheidende Bürgermeister. „Ich hänge einfach an der Gemeinde und an den Leuten.“ Im Mai 2008 trat der heute 55-jährige Ettal-Gymnasiast die Nachfolge des eher glücklosen Georg Jennewein (Junge Mitarbeiter) an, dem er zuvor sechs Jahre als Zweiter Bürgermeister zur Seite gestanden war. Viele im Dorf erhofften sich von Hansjörg Zahler seinerzeit einen politischen Ruck.

Jedenfalls nahm der CSU-Mann mit jeder Menge Vorschusslorbeeren im Rathaus-Chefsessel Platz. Viele glaubten, mit Zahler könnte endlich das Dorfplatz-Problem, das schon zwei Rathauschefs verschlissen hatte, gelöst werden. Doch unterm Strich folgte auf den Kauf des Kirchenböbls nicht mehr viel – nur zermürbende Diskussionen ohne zählbares Ergebnis. Hierzu gibt sich Zahler durchaus selbstkritisch. Manchmal habe er wohl nicht mit der nötigen Entschlossenheit wichtige Entscheidungen durchgefochten. Für ihn neigen sich „zwölf schöne, interessante und fordernde Jahre“ dem Ende entgegen. Unumwunden räumt er ein, dass „ich auch bei mir Abnützungserscheinungen festgestellt habe“.

Bereits im Frühjahr soll sein Entschluss festgestanden haben. Auf Drängen seiner Partei sollte Zahler seine Entscheidung jedoch überdenken. Lange haderte der CSU-Frontmann mit sich. Eine Stunde vor Sitzungsbeginn trommelte Zahler am Donnerstagabend seine Parteifreunde zusammen.

„Wir haben es geahnt“, teilt Ortsvorsitzender Bernhard Neuner junior mit. „Ich persönlich finde es schade.“ Gleichzeitig betont der „Posthalter“: „Ich bin komplett schmerzfrei, es ist, wie es ist.“ Auch die Kandidatensuche sieht Neuner sportlich. „Ich werde jetzt nicht im Ort rumrennen und irgendwelche Leute anbetteln.“

Für Hans Baur (Junge Mitarbeiter) kam Zahlers Offenbarung vollkommen überraschend. „Aber vielleicht trauen sich nun mögliche Kandidaten leichter aus der Deckung.“ Nur welche? Einer, der immer wieder genannt wird, ist der Gemeinderats-Novize Bastian Eiter (Wählerverein). Dieser war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der andere ist, wie eingangs erwähnt, Kämmerer Hans Zahler. „Ihn halte ich für geeignet“, erteilt ihm Baur schon mal den Ritterschlag. Die vergangenen sechs Jahre im Gemeinderat betrachtet der Jurist durchaus selbstkritisch. „Ich bin selten in einem Gremium gesessen, in dem so wenig umgesetzt wurde.“

„Ganz unrecht hat der Hans nicht“, pflichtet ihm Zweiter Bürgermeister Karlheinz Schwaiger (Wählerverein) bei. Für den „Wegmacher“, der seit 18 Jahren im Gemeinderat sitzt und seit nahezu zwölf Jahren als Vize fungiert, muss nun die Suche nach geeigneten Kandidaten beginnen. Das sei nicht nur Aufgabe der einzelnen Gruppierungen. „Darüber muss die gesamte Gemeinde nachdenken.“ Über seine eigenen Ambitionen möchte sich Schwaiger nicht äußern. Doch leicht werde die Bürgermeisterei für keinen. „Man muss der Mensch dafür sein.“

Einer winkt sofort ab: Bernhard Wilde (Wählerverein), mit 36 Jahren der Benjamin im Gemeinderat. „Nein“, sagt der bald zweifache Familienvater, der gerade seinen IT-Meister absolviert. „Ich traue es mir nicht zu.“ Denn dieser Posten sei ein „24-Stunden-Job“. Was Wilde von Zahlers Entscheidung hält? „Überrascht bin ich nicht. Ich persönlich finde, dass der Gemeinde ein frischer Wind gut tut.“

Eines braucht Wallgau dabei nicht: ein laues Lüftchen.

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