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Pose des Abends: Harry G. imitiert eine Zuschauerin. Sie hat sich derart und laut „Wuuu!“-juchzend als Single geoutet.

Kultur

Kompost für die Trendgesellschaft: Harry G. grantelt im Kongresshaus

Garmisch-Partenkirchen – Ausverkauftes Haus und jede Menge Spaß. Wer beim Auftritt von Harry G. dabei war, hat einiges übers Leben gelernt. Vor allem einer. 

In der Blech-Karawane in Richtung Berge rollen, Wochenende um Wochenende im Stau stehen: Dass es die Isarpreißn nichts besser wissen, ist eines der Themen in den millionenfach geklickten Videos von Harry G.. Der Münchner Kabarettist weiß es freilich besser: Zu seinem Auftritt im Garmisch-Partenkirchner Kongresszentrum ist er mit dem Rennrad gekommen. Nun ja, fast. „Ich bin bis Eschenlohe gefahren“, verrät der 37-Jährige im Tagblatt-Interview. Dann hat ihn sein Manager im Auto aufgegabelt. Nur gut, dass sich der Künstler ein bisschen Kraft gespart hat. Denn der Abend im ausverkauften Saal sollte ihm alles abverlangen.

„Wenn mich morgen einer fragt, wie Garmisch war, dann sag ich ,normal‘“: Bei diesen Worten muss der Berufsgrantler selbst lachen und auf der Bühne abwinken. Denn das Publikum ist mindestens genauso gut drauf wie er, ruft lautstark rein und macht mit. Also, alle bis auf einen: Christoph aus Mittenwald, der mit seiner Freundin in der ersten Reihe sitzt, fällt Harry G. mit seiner Applaus-Verweigerung gleich auf. Also wird der Isartaler prompt ins Programm „#HarrydieEhre“ eingebaut, muss den ganzen Abend für Gags herhalten. Dass es so läuft, ist nicht ungewöhnlich. „Ich bin meistens ganz spontan“, verrät der Kabarett.

Was das bedeutet, erfährt auch ein weiblicher Gast, der kein Problem hat, sich zu outen. „Sind heute Singles im Publikum?“ Als Harry G. das fragt, schießen die beiden Arme der Frau inklusive ausgestrecktem Zeigefinger nach oben – begleitet von einem Juchzen: „Wuuu!“ Die Pose des Abend. Später noch, als viele der mehreren hundert Besucher durch die Fußgängerzone auf dem Heimweg sind, ist immer wieder das „Wuuu!“ zu hören.

Bevor es aber so weit war, liefert Harry G. jede Menge Gesellschaftskritik ab. Er beobachtet Typen und Trends und entlarvt Absurditäten. Zum Beispiel beim Smoothie-Kult. Jahrtausende lang habe der Mensch alles falsch gemacht und Nahrung einfach gegessen. Jetzt wird püriert. Besonders gut: grüne Smoothies. Was da reinkommt, ist für andere „einfach nur Kompost“.

Aber man muss mitmachen, um dazuzugehören. Etwa in München, wo sich ganze Horden von Joggern an der Isar auf die Füße treten. Dabei sei das doch der allerletzte Sport: „Joggen ist wie Scheißhaus-Putzen. Du solltest es öfter machen, kannst Dich aber nicht aufraffen. Und wenn Du es dann einmal im Jahr machst, musst’ speib’n.“

Wer bekommt sonst noch sein Fett ab – also außer Christoph aus Mittenwald? Die Franken, die Harry G. als die „Ossis von Bayern“ bezeichnet. Und die Stadt Duisburg, in der er kürzlich einen Auftritt hatte. „Das Mordor des Ruhrgebiets. Das haben die Amis nur nicht weggebombt, weil so der Schaden größer ist.“ Harry G., der im richtigen Leben Markus Stoll heißt, hat aber nicht immer schon in München gewohnt. 2002 war er für drei Monate sogar mal im Ortsteil Garmisch zuhause. In einer Ski-WG mit Freunden. Er wusste schon früh, wie man Stau umgeht. 

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