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Farben-Zauberer: Konstantin Zeitler mit Kugel- und Zylinderbombe. 

Konstantin Zeitler: Ein wahrer Pyromantiker

Murnau - Für manche geht es an Silvester ganz einfach um Knallerei. Nicht aber für Konstantin Zeitler. Der Murnauer hat seine Leidenschaft für Feuerwerk zum Beruf gemacht.

Ganz klar: Die Oma war’s. „Sie ist schuld“, sagt Konstantin Zeitler (56).Großmutter Maria hat im kleinen Tino einst dieses Feuer und diese Freude entfacht, die noch heute in ihm lodern – eine brennende Leidenschaft im Wortsinn. Der Bub saß im Kinderwagen, als die Oma vor ihm Satelliten und anderes Kinderfeuerwerk entzündete. „Das hat meine Augen zum Leuchten gebracht.“ Um ihn war’s geschehen.

Doch aus dem gebürtigen Murnauer und Erstem Vorsitzenden des Kulturvereins ist kein Zündler geworden und auch kein Feuerteufel. Er schlug einen rechtschaffenen Weg ein mit seiner Passion, die ihn erfüllt und viele andere verzückt.

Zeitler ist staatlich geprüfter Pyrotechniker und seit vielen Jahren der Mann, der am Murnauer Luxushotel Alpenhof für ein professionelles Silvester-Feuerwerk sorgt. Um Mitternacht schlägt zwischen Kugel- und Zylinderbomben seine große Stunde.

Wenn Zeitler antritt, dann lässt er es nicht einfach nur krachen. Für reine Knallerei ist er nicht so zu haben, „ich bin eher der Schöngeist“, sagt der 56-Jährige, der sich selbst als „Pyromantiker“ bezeichnet. Er entzündet nicht bloß ein buntes Feuerwerk, er komponiert es, erschafft ein Bild. Macht er Kunst? „Natürlich“, sagt Konstantin Zeitler mit Bestimmtheit.

Alles beginnt mit einem Gedanken, quasi einer zündenden Idee, dem Bild im Kopf. Sieht das Ergebnis, das er mit den Kugel- und Zylinderbomben aus Schwarzpulversätzen, mit Fontänen oder Vulkanen erzeugt, am Ende wirklich genau so aus, „dann ist das der Reiz“. Es geht ihm darum, das Feuer so zu beherrschen, „dass es das macht, was ich will“, erklärt Zeitler. Den Überraschungseffekt will er allein beim Publikum erzielen. Er selbst kann gut darauf verzichten.

Zeitler setzte so manches Glanzlicht. Zum 20-jährigen Bestehen des Murnauer Schloßmuseums 2013 ließ er das historische Bauwerk in Rot erstrahlen, bevor es hinter einem Vorhang aus glitzernden Funken verschwand, um aus Rauchschwaden wieder emporzusteigen. Für ein Hotel in der Region zauberte Zeitler eine silberne Feuerwand mit rotbrennender Lilie, die sich in einen Schmetterling verwandelte.

Wird Zeitler gebucht, sieht er sich zuerst den Ort an, an dem er das Feuerwerk zünden soll. „Da geht es im Kopf los: Was brauche ich, wie soll es werden? Dann kann ich komponieren.“ Einst hatte der 56-Jährige, der als Haustechniker im Kultur- und Tagungszentrum Murnau arbeitet, die Pyrotechnik als zweites berufliches Standbein gesehen. Mittlerweile ist diese für ihn ein Hobby geworden, dem er ein paar Mal im Jahr nachgeht. Seit dem Börsen-Crash 2008, sagt er, sei die Nachfrage nach solchen Luxus-Angeboten zurückgegangen. Auch bei Hochzeiten werde am ehesten aufs Feuerwerk verzichtet. Das macht’s dem Profi schwerer.

Der weiß, was er tut. Bislang, sagt er, sei ihm nichts passiert – auch wenn sich ein Feuerwerkskörper „manchmal doch anders verhält, als er soll“. Doch Zeitler besitzt Erfahrung. Dem Laien, der nur alle Silvester wieder die Funken fliegen lässt, rät er, sich mit den Produkten und den auf den Packungen angegebenen Effekten zu beschäftigen. „Dann kann man ein Bild, einen Ablauf zusammenstellen. Das bringt auch in ein normales, kleines Feuerwehr Spannung.“ Selbst unbeteiligten Zuschauern legt er ans Herz, die Augen beim Blick in den mitternächtlichen Silvester-Himmel mit einer Brille zu schützen, denn: „Von da oben kommt sehr viel runter. Das fliegt nicht selten jemandem ins Gesicht.“

Zeitler selbst hielt sich schon als Jung-Feuerwerker an Anleitungen – damals, als die Oma ihn machen ließ. Auf ihrem Balkon hat er als 14-Jähriger chemische Versuche unternommen. Er holte die Oma ans Fenster, wenn es etwas zu sehen gab. Immerhin war sie es gewesen, die in Zeitler dieses Feuer entfacht hatte.

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