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Mit dem Weltmusikfestival Grenzenlos holt der Kulturverein immer wieder hochkarätige Künstler nach Murnau.

Kulturförderung in Murnau

Angst vor „vergifteter Atmosphäre“

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Murnau - Die Diskussion heizt sich auf, der Ton wird scharf: Am Rande der Debatte um die Kulturförderung in Murnau ist ein Streit entbrannt. Günter Sirsch, der das private Musikzentrum in Murnau und Penzberg sowie als Veranstalter Oberland-Konzerte betreibt, attackiert in einer E-Mail an Kulturinteressierte Thomas Köthe.

Sirsch wirft, ohne dessen Namen zu nennen, dem Zweiten Vorsitzenden und Künstlerischen Leiter des Murnauer Kulturvereins „unerträgliche Stimmungsmache“ gegen Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/BF), Kulturreferentin Dr. Elisabeth Tworek (SPD) und „im Grunde gegen die Mehrheit des Gemeinderats“ vor.

Köthe hatte verschnupft auf die politische Entscheidung reagiert, den Gemeinde-Zuschuss an den Verein, der hochkarätige Künstler nach Murnau holt, von über 60 000 Euro in 2014 auf 51 000 Euro in 2016 zurückzufahren. Der Markt will sein Kultur-Budget künftig breiter, transparenter und gerechter verteilen. Köthe hatte daraufhin von einer „Nichtwürdigung der jahrelangen Arbeit des Vereins“ gesprochen und angekündigt, die Reihen „Premium Concerts“ sowie „Murnau Klassik“ einzustellen.

Köthes Wortwahl in der Einladung zum finalen „Klassik“-Abend am 26. Dezember hat Sirschs Blut nun in Wallung versetzt. Darin erläutert der Vize-Vorsitzende unter anderem, dass der Kulturverein im Zuge einer durch Beuting und Tworek initiierten Neuorientierung (...) „von erheblichen Kürzungen betroffen“ sei. Sirsch, dessen Tätigkeitsfeld sich mit dem von Musikschulleiter Köthe überschneidet, platzte bei der Lektüre der Kragen. Der Kulturverein habe 60 000 Euro, ein Drittel des Gesamtbudgets für Kultur im Ort, bekommen, „für viele andere Projekte standen im Gegenzug weniger Mittel zu Verfügung“. Nun erhalte der Verein immer noch 51 000 Euro. „Kann man da von erheblichen Kürzungen sprechen?“, fragt Sirsch. Er findet es „unanständig“, gegen jene Leute „so Stimmung zu machen“, von denen man Förderung erhalte. Viele Kulturschaffende bekämen kein oder wesentlich weniger Geld, betont der Murnauer (55), der im Musikzentrum und als Veranstalter ohne Zuschüsse arbeitet – wie andere: „Wie schaffen die es eigentlich, hochkarätige Kultur zu veranstalten? Diese Frage muss sich meines Erachtens der Zweite Vorsitzende auch gefallen lassen.“

Sirsch legt seinen Finger in Köthes Wunde: „Ich finde es gut, dass der neue Bürgermeister und der Gemeinderat versuchen, jahrzehntelang verkrustete Strukturen aufzubrechen.“

Und Köthe? Der reagiert gelassen auf Sirschs Kritik: Er beschreibe nur Tatsachen und nenne „Namen derer, die verantwortlich sind – fertig“. Wenn das Stimmungsmache sei, „dann ist es eben Stimmungsmache“. 51 000 Euro seien zwar „viel Geld – aber für viele, viele unterschiedliche Veranstaltungen“. Fließen weniger Mittel, „fliegt halt was raus“. Was Sirschs Vorstoß anbelangt, hat Köthe seine eigene Theorie: Dieser versuche „seit seiner Arbeit hier, Musikschul-Status zu erreichen, der ihm wegen seiner Organisationsstruktur verwehrt bleibt. Daraus folgt die Eifersucht“, stichelt Köthe. „Wir sind ein Verein, non-profit und subventionswürdig, er ist eine Firma und gewinnorientiert“, mit entsprechendem Programm, was legitim sei. „Murnau bedarf aber auch Kultur, die nicht gewinnorientiert ist.“

Der Konflikt löst in der Szene Sorge aus: „Man steuert auf eine richtig vergiftete Atmosphäre zu“, befürchtet Michael Karrasch, Vorsitzender des Freien Theaters. Er ruft dazu auf, „zur Sache zurückzukehren. Es soll doch ein Murnau Miteinander sein – wenn das so ausgeht, dass Neid und Missgunst herrschen, wäre das eine Katastrophe“. Karrasch findet es in der Debatte um die Neuausrichtung der Kulturförderung von Beuting und Tworek „recht mutig, sich auf vermintem Gelände zu bewegen“. Dabei gilt: Sein Verein muss wohl keine Streichungen befürchten – die Gemeinde lässt dem Freien Theater bislang gar kein Bargeld zukommen. Pro Jahr gibt’s 3000 Euro „Sachzuschuss“ – Bauhofleistungen. Die Auslagen für die großen, erfolgreichen Freiluft-Aufführungen mit Bühne unterm Schloss trug der Verein selbst. 30 000 Euro Kosten standen da zu Buche, getragen letztlich von Sponsoren und Eintrittsgeldern.

Silke Jandretzki

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