Kontakt mit der Basis: Ilse Aigner im Gespräch mit CSU-Gemeinderat Horst Piller (r.). Mit im Bild ist der Landtagsabgeordnete Harald Kühn.   Foto: Lory

Kraftwerk ohne Zuschuss gefährdet

Großweil - Die Partner, die in Großweil ein Schachtkraftwerk bauen wollen, hoffen auf einen Millionen-Zuschuss. Doch die Zeit drängt. Bis Ende 2014 müsste das Pilotprojekt genehmigt sein, denn sonst sei es gefährdet. Dies war zu hören, als sich die bayerische Wirtschafts- und Energieministern Ilse Aigner (CSU) jetzt über das Vorhaben informierte.

Wodan Lichtmeß, Leiter der Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen, erklärte im Großweiler Rathaus, dass das bayerische Wirtschaftsministerium eine „Förderung von über einer Million Euro in Aussicht gestellt“ habe. Dabei stellte er klar, dass das Projekt ohne diesen Zuschuss gefährdet sei. „Wir brauchen einen Bescheid bis Ende 2014.“ Sonst werde es eng. Grund: Das entsprechende Förderprogramm läuft aus. Lichtmeß monierte dabei, dass das Genehmigungsverfahren zu lange dauere. Ins selbe Horn stieß Thomas Schmid (CSB), Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen. „Wir tun seit sieben Jahren rum. Es ist ein Behördenproblem.“

Diese Kritik bezog der Landtagsabgeordnete und Ex-Landrat Harald Kühn (CSU), der mit Schmid bekanntermaßen keine enge Freundschaft pflegt, offenbar auf sich. „Es wird alles so genau abgeprüft, weil der Bund Naturschutz angekündigt hat, zu klagen, wenn das Kraftwerk genehmigt werden sollte“, betonte der Murnauer. Es sei wichtig, einen „möglichst wasserdichten Bescheid“ in der Hand zu haben.

Aigner zeigte sich angetan von dem Projekt, das mit 3,5 Millionen Euro veranschlagt ist. „Wenn man Ökologie und Ökonomie verbinden kann, würde es Bayern gut anstehen zu sagen: Hier gehen wir voran und das fördern wir. Die Bereitschaft, uns zu engagieren, ist da.“ Vorher müsse freilich das Genehmigungsverfahren zu Ende gebracht werden. „Das muss alles seinen geordneten Gang gehen“, betonte Aigner. Die Ministerin bekam Details aus erster Hand. So referierten Diplomingenieur Albert Sepp sowie Professor Dr. Peter Rutschmann (beide Technische Universität München/TU) über das geplante Kraftwerk. Für Rutschmann ist die vorliegende Planung „das beste Konzept weltweit“. Der in Obernach entwickelte Prototyp habe in der Fachwelt sehr viele Reaktionen ausgelöst. Der Wissenschaftler betonte, dass die Gefährdung der Fische sehr gering sei. Bei dem Schachtkraftwerk handele es sich um „keine Häckselmaschine“. „Der Fischschutz ist gewährleistet“, unterstrich auch Sepp.

Laut Großweils Bürgermeister Manfred Sporer (CSU-Dorfgemeinschaft) haben die Partner noch mehrere Hausaufgaben zu erledigen. Dabei geht es erstens um die Mühlkoppe, ein besonders geschützter Fisch. Hier ist ein Gutachter eingeschaltet. Das Ergebnis erwartet Sporer bis Mitte Februar. Zweitens müssen beim Landratsamt noch Ergebnisse von Versuchen mit Kleinfischen nachgereicht werden. Und drittens sind die Antragsteller noch mit dem Thema Kalkrasenmoore befasst. Hier müssen die Partner darlegen, was passieren soll, wenn diese Flächen vernässen. Die Lösung wäre, eine Drainage zu verlegen. TU-Präsident Professor Dr. Dr. Wolfgang Herrmann war von Beginn an von der Kraftwerks-Idee begeistert. „Ich habe mich gefragt, warum so ein genial einfaches Konzept nicht schon vor hundert Jahren erfunden wurde.“ Hermann fände es schlimm, wenn das, was in Bayern erdacht wurde, hier nicht auch genutzt wird. Er glaubt, dass das Konzept weltweit Anwendung finden wird. Und er ist sicher, dass sich Oskar von Miller freuen würde. Dieser plante das Walchenseekraftwerk, das vor 90 Jahren erstmals Strom ins Netz einspeiste. Auch Vizebürgermeister Jakob Waas (Freie Wählergemeinschaft) ist von dem Schachtkraftwerk überzeugt. „Großweil ist der richtige Ort“, betonte er. „Es passt alles.“ Oder wie es Sporer formulierte: „Großweil ist startbereit." (roy)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Keine Sitzungsvorlagen auf Gemeinde-Homepage
Immer wieder wird in Murnau mehr Bürgernähe gefordert. Doch selbst auf die Veröffentlichung von Sitzungsunterlagen im Internet konnte sich der Gemeinderat nicht …
Keine Sitzungsvorlagen auf Gemeinde-Homepage
Brand in Oberau: Familie hat alles verloren - jetzt lebt sie in einer neuen Wohnung
Sie haben schwierige Zeiten hinter sich. Die Familie Hohlfeld hat beim Großbrand in Oberau ihr Hab und Gut verloren. Jetzt beginnt der Neuanfang. 
Brand in Oberau: Familie hat alles verloren - jetzt lebt sie in einer neuen Wohnung
Grandiose Lichtinstallation in der Oberammergauer Pfarrkirche
Eintauchen und Runterkommen: Pünktlich zur Passion verwandelt sich St. Peter und Paul in eine Welt aus Farben und Texten.
Grandiose Lichtinstallation in der Oberammergauer Pfarrkirche
Mittenwalder Militärpfarrer feiert Ostern in Mali
Norbert Sauer zieht es in die Ferne. Anfang Februar ist der katholische Militärpfarrer zu seinem neunten Auslandseinsatz nach Mali aufgebrochen. Im multinationalen Camp …
Mittenwalder Militärpfarrer feiert Ostern in Mali

Kommentare