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Naturschützer entsetzt über fehlenden Schadensausgleich

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Stillgelegt: Die Baustelle des Erkundungsstollens  ist abgeriegelt. © Thomas Sehr

Garmisch-Partenkirchen - Versiegte Quellen, ausgetrocknete Moore: Die Naturschützer kämpfen dafür,  dass die Schäden, die beim Bau des Kramerstollens entstanden sind, repariert und weitere vermieden werden. Ohne Erfolg.

Zwei Quellen sprudeln nicht mehr, wertvolle Hangquellenmoore drohen auszutrocknen. Die Umweltschäden, die beim Bau des Erkundungsstollens für den Kramertunnel entstanden sind, bestreitet niemand. Daran, wie man mit ihnen umgehen soll, scheiden sich aber die Geister. Während für die Naturschützer außer Frage steht, dass diese schnellstmöglich behoben werden müssen, sehen die Vertreter des Staatlichen Bauamts Weilheim dazu keine Möglichkeit. „Die Schäden im Bereich des Hauptdolomits sind irreversibel“, bedauert Behördenleiter Michael Kordon.

Deshalb hat die Regierung von Oberbayern als zuständige Aufsichtsbehörde beim Bau der Garmischer Ortsumfahrung ein Verfahren nach dem Umweltschadensgesetz eingeleitet. Mit dem Ziel, die Zerstörung im Bereich des Südvortriebs durch Ersatzmaßnahmen aus der Welt zu räumen. „Völlig unangemessen“, findet Dr. Andreas Keller, stellvertretender Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz (BN), dieses Vorgehen. Um zu erreichen, dass die Schäden repariert und weitere vermieden werden, hatte der BN Klage vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht eingereicht – und ist im Eilverfahren gescheitert.

Damit geben sich die Naturschützer nicht zufrieden. Anfang März haben sie Beschwerde vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingelegt. Nachdem für das Gericht jedoch weder die Dringlichkeit einer sofortigen Reparatur noch ein Anspruch von Seiten der Naturschützer erkennbar war, sei der Antrag negativ beschieden worden, erklärt ein Sprecher des Verwaltungsgerichts. Dazu kommt, dass die Angelegenheit in einer Hauptverhandlung – etwa im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens – geklärt werden müsse.

Ein Vorgehen, das BN-Anwalt Dr. Bernd Tremml „unzumutbar“ nennt. „Offenbar wollen sie uns auf den St.-Nimmerleins-Tag vertrösten.“ Darauf warten Keller und seine Mitstreiter aber nicht, weshalb sie sich jetzt an die zweite Instanz gewandt haben. Was ihnen besonders sauer aufstößt, ist die Argumentation von Seiten der Behörden. Zwar räumen die Bauherren die - von den Naturschützern immer wieder angeprangerten -  Schäden mittlerweile ein, immer wieder werden aber auch die enormen Kosten angeführt, deretwegen eine Reparatur finanziell nicht zu stemmen sei. „Der Aufwand für die Sanierung darf nicht außer Verhältnis zum angestrebten Erfolg stehen“, bestätigt eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern. Probeweise Injektionen auf 25 Metern hätten bereits 270 000 Euro gekostet. „Es ist zu teuer, also lassen sie den Berg einfach leer laufen“, empört sich Keller. „Das kann doch nicht sein.“

Ein „Horror-Szenario“, das Kordon so nicht stehen lassen will. Die Kosten seien immer wieder angeführt worden, sagt auch er. „Daran scheitert’s aber nicht. Reichen ein oder zwei Millionen Euro, um die Schäden zu beheben, würde ich’s sofort machen.“ Doch damit ist es nicht getan ist. Im Bereich des Hauptdolomits, zu dem die ausgetrockneten Quellen zählen, sei der Wasserdruck mit 190 bar so enorm, „dass das Ganze gar nicht abgedichtet werden kann“.

Während die Mitarbeiter des Straßenbauamts also auf den 600 Metern im Südvortrieb ein dauerhaftes Absenken des Wasserspiegels in Kauf nehmen, wollen sie auf den 348 Metern, die bislang aufgrund von Lockergestein und weiteren Wassereintritten noch nicht angetastet sind, den Pegel nur kurzzeitig reduzieren. „Sobald wir durch sind, wird eine wasserdichte Ummantelung gebaut und dann der jetzige Zustand wieder hergestellt“, verdeutlicht Kordon. Die Hangquellenmoore würden derweil künstlich mit Wasser versorgt.

Tanja Brinkmann

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