1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen

Kramertunnel wird deutlich teurer

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Nichts geht mehr: Auf der Baustelle herrscht Stillstand.
Nichts geht mehr: Auf der Baustelle herrscht Stillstand.

Garmisch-Partenkirchen - Rund 133 Millionen Euro sollte der Bau der Ortsumfahrung Garmisch kosten. Nun räumt das Staatliche Bauamt Weilheim ein: Es werden „auf alle Fälle“ rund 150 Millionen Euro.

Der Bund Naturschutz (BN) spricht längst von einer „gigantischen Kostenfalle“. Denn die Plantrasse für den Kramertunnel sei im gesamten Verfahren schöngerechnet worden. Zuletzt nannte der Stellvertretende Vorsitzende der Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen, Dr. Andreas Keller, die Marke von 150 Millionen Euro, die das Projekt verschlingen solle; die Behörden hatten offiziell bisher immer rund 133 Millionen angegeben. Doch nun bestätigt Günther Grafwallner die Summe. „Wir rechnen vorläufig mit 150 Millionen Euro“, sagt der Leiter des Staatlichen Bauamtes Weilheim im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der Grund liegt für ihn auf der Hand: Die Kalkulation von 133 Millionen Euro für Erkundungsstollen und Hauptröhre stamme aus dem Jahr 2007. Bis zum heutigen Tag sei der Baukostenindex um rund zwölf Prozent gestiegen. Deswegen gehe seine Behörde nun „auf jeden Fall“ von 150 Millionen Euro aus. Schwankungen von plus oder minus zehn Prozent seien möglich. Die Naturschützer unterstellen etwas ganz anderes: „Die bewusst zu niedrig angesetzten Kosten der Amtstrasse waren immer ein Hauptargument der Projektverfechter gegen die überteuert angesetzte BN-Alternative“, heißt es in einem Schreiben des Landesbeauftragten Richard Mergner, des Kreisgruppen-Vorsitzenden Axel Doering und von Keller.

Zusätzlich unabsehbare Kosten erwartet der BN durch den Bergsturzbereich: Weil die Mineure auf Lockergestein und darüber einer Schicht von Wasser gestoßen sind, ruhen die Bauarbeiten. Mit dem bisherigen Sprengverfahren ist die Strecke nicht zu bewältigen. Das Bauamt prüft weiter, wie dieser Bereich des Erkundungsstollens - und später auch der Hauptröhre - vollendet werden kann; Ergebnisse werden Anfang nächsten Jahres erwartet. „Wir suchen die insgesamt günstigste Lösung“, betont der Behördenleiter. Doch auch das Verfahren hat Folgen für die Kalkulation.

An der Trassenführung hält Grafwallner bedingungslos fest. Den Prozess neu aufzurollen, wie es der Bund Naturschutz fordert, um noch einmal alle Alternativen von Anfang an zu prüfen, lehnt er entschieden ab. „Das wäre dann sinnvoll, wenn wir festgestellt hätten, dass wir vollkommen auf dem Irrweg sind“, sagt er. Doch das sei nicht der Fall. „Wir sehen uns durch den Erkundungsstollen in unserer Trassenführung bestätigt.“ Die BN-Alternative kommt für ihn nicht in Frage. Sie würde unmittelbar unter dem Schmölzersee verlaufen; der drohe deswegen auszulaufen. Auch an den Hangquellmooren führt sie zu nah vorbei.

Dass der Bund Naturschutz bei der Regierung von Oberbayern auch Anzeige nach dem Unweltschadensgesetz gestellt habe, sieht Grafwallner gelassen. Für einen Bau dieser Art seien die Umweltschäden bisher „relativ gering“. An den Chancen auf den Bau des Kramertunnels ändert sich für Graffwallner auch nichts, wenn seine Behörde nun von höheren Kosten ausgeht. Die Finanzierung ist völlig offen. „Er steht im Wettbewerb mit allen andere Maßnahmen - bundesweit.“

Auch interessant

Kommentare