Drogentherapie erfolgreich absolviert

Nach Krawallnacht fast im Gefängnis

Garmisch-Partenkirchen - Kaum eine Droge hat er ausgelassen: In vollgedröhntem Zustand hat er in Murnau randaliert. Nun musste er sich vor dem Schöffengericht verantworten. 

Illusionen über seinen, mit Drogen aller Art gepflasterten bisherigen Lebensweg macht sich ein Murnauer keineswegs: „Alles, was legal oder auch illegal zu beschaffen ist, habe ich schon konsumiert, mit 13 erstmals Heroin, und danach war ich süchtig“. Ein Lebensstil, der den 35-Jährigen kriminell werden ließ: Eine Vielzahl von Straftaten brachte ihn jetzt mal wieder vor den Kadi. Im Schöffengericht stand er schon mit einem Bein im Gefängnis.

Worum es ging, hatte Staatsanwalt Michael Steinlein präzise aufgelistet: So soll der Murnauer in der Nacht auf den 28. Februar 2015 vollgepumpt mit dem Psychoparmakum Diazepam gewesen sein. „Das mich in der Masse, in der ich es nahm, fertiggemacht hat.“ Schon zu Beginn des Abends habe er an der Bahnhofstraße eine Schaufensterscheibe eingeschlagen – Schaden 3000 Euro. Sodann begab er sich zu Fuß in die Tiefgarage des Kultur- und Tagungszentrums, suchte dort nach einem unverschlossenen Auto und entwendete daraus fünf Euro in Münzen und eine alte D-Mark.

Anschließend trieb er sich weiterhin im Ort herum, fand ein Schaufenster mit einer großen Uhr, die ihm imponierte und schlug gleich drei Scheiben ein – erneuter Schaden von einigen tausend Euro. In einer anderen Tiefgarage suchte er schließlich gar nicht erst, sondern schlug – weil er in einem Auto zwei Laptops sah – gleich dessen Fenster ein und stahl die Geräte. Zu seiner Enttäuschung waren sie jedoch, als er sie gleich testete, passwortgeschützt. Also ließ er sie liegen.

Letztlich wurden ihm Sachbeschädigungen und Diebstahl zur Last gelegt. Ausschließlich begangen, weil er mit verschreibungspflichtigen Medikamenten vollgedröhnt war – und das nicht zum ersten Mal.

Sehr offen berichtete der Mann dann von seiner Drogenkarriere, die vor über 20 Jahren begonnen habe und immer mehr zu einem tragischen Kampf geworden war. Substitutionsmittel wie Methadon wirkten nur zeitweise, wurden dann zuviel, neue Medikamente wurden ausprobiert, brachten nichts, auch mehrmonatige Entziehungstherapien nahm der Murnauer wahr. Doch erst jene, die er nach der Krawallnacht angetreten hatte, scheint geholfen zu haben.  Das bestätigte seine Bewährungshelferin: „Seine letzte Therapie hat er erfolgreich abgeschlossen.“ Mehr noch: Sein Leben scheint sich nach einem Umzug stabilisiert zu haben. Das unterstrich auch – nachdem der Staatsanwalt eine zweieinhalbjährige Gefängnisstrafe ohne Bewährung beantragt hatte – Verteidiger Michael Röhrig: „Die Verlagerung seines Lebensmittelpunkts und die Tatsache, dass er Verantwortung übernommen hat, hat bei ihm eine positive Änderung bewirkt“. Immerhin hat der Mann eine Frau gefunden, mit ihr ein Kind bekommen und zudem Arbeit aufgetan. „Aktuell ist der Angeklagte jetzt als abstinent zu bezeichnen“, sagte ein Sachverständiger. „Eine Vollzugsstrafe wäre in der jetzigen Situation nicht förderlich“.

Daran hielt sich das Gericht: „Er hat seine Lebensumstände positiv verändert“, fasste Richter Paul Georg Pfluger zusammen, „eine erfolgreiche Drogentherapie absolviert und macht jetzt einen sehr positiven Eindruck“. Darum habe das Gericht die Erwartung, dass der Murnauer künftig straffrei sei und verhängt lediglich eine zweijährige Bewährungsstrafe, für vier Jahre ausgesetzt. Allerdings müsse der 35-Jährige die ambulante Drogenberatung samt Screening fortsetzen und dürfe seinen Arbeitsplatz nicht schuldhaft verlieren.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa

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