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Condrobs feiert Jubiläum – seit 1982 in Garmisch-Partenkirchen und im Landkreis präsent

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Alkoholkonsum
Übermäßiger Alkoholkonsum ist nach wie vor der Schwerpunkt, mit dem sich die Suchtberatung am meisten beschäftigen muss. © (Symbolbild) PantherMedia/photographee.eu

Vor fünf Jahrzehnten wurde eine Eltern­initiative gegründet, um der akuten Drogenproblematik und der Kriminalisierung Suchtkranker entgegenzutreten. Daraus erwuchs mit Condrobs ein Verein, der mit individuell auf die Bedürfnisse des Einzelnen abgestimmten Angeboten Menschen eine Brücke in ein selbstbestimmtes, gesundes Leben baut.

Mitte der 60er Jahre: in Deutschland grassiert eine Drogenwelle, die vor allem Jugendliche und junge Menschen mitreißt. In den folgenden Jahren tritt keine Verbesserung ein, die Problematik wächst zunehmend an. Viele junge Menschen sind aufgrund ihres Drogenkonsums inhaftiert, Hilfsangebote gibt es kaum. Um Suchtkranke zu entkriminalisieren, sich für die Bedarfe dieser marginalisierten Zielgruppe einzusetzen und passende, bedarfsgerechte Hilfsangebote zu schaffen, beschließen 18 Eltern mit Unterstützung des sozial engagierten Rechtsreferendars Alexander Eberth und des Sozialarbeiters Vladimir Bosnjak die „Elterninitiative gegen Drogenmissbrauch“ zu gründen.

Was zu diesem Zeitpunkt keiner der Beteiligten ahnt: 50 Jahre später ist die kleine Initiative zu einem der größten überkonfessionellen, bayernweiten Träger für soziale Hilfsangebote mit über 70 Einrichtungen, einem weiten Tätigkeitsspektrum, das Prävention, Kinder- und Jugendhilfe, Arbeit und Beschäftigung sowie Hilfen für Geflüchtete umfasst und mehr als 900 Mitarbeitenden angewachsen. Dieser über fünf Jahrzehnte entstandene und ausgebaute Erfolg beruht auf kontinuierlicher Weiterentwicklung passgenauer Angebote sowie hoher Fachlichkeit.

Auf- und Ausbau der Hilfsangebote

Die 1970er Jahre standen ganz im Zeichen des Auf- und Ausbaus bedarfsgerechter Hilfsangebote. Erste Erfahrungen wurden gemacht, Bedarfslücken geschlossen, innovative Angebote entwickelt, die drogenpolitische Arbeit etabliert und Unterstützer gewonnen. Oftmals gegen politische wie gesellschaftliche Widerstände zeigte Condrobs Einsatz für die eigenen Zielgruppen. 1972 konnte die erste Beratungsstelle in München mit Sitz in der Schwabinger Konradstraße eröffnet werden. Ein denkwürdiger Moment. Der Beratungsstelle folgten Stück für Stück weitere Einrichtungen: 1974 das Teehaus Fidibus, in dem alternative Drogenarbeit praktiziert wurde; 1977 Inizio (ehemals die therapeutische WG Muspillistraße); 1979 das Schloss Pichl für stationäre Rehabilitation und Langzeittherapie nördlich von Augsburg.

Lücken schließen, Neues wagen

In den 1980ern war die Etablierung von Condrobs als Institution, die Lücken im Hilfesystem identifizierte und schloss, oberste Prämisse. Um der steigenden Nachfrage und der drängenden Umsetzung benötigter Hilfsangebote gerecht werden zu können, wurden weitere Einrichtungen gegründet, Projekte gestartet und Neues gewagt. Ab Mitte der 80er nahm AIDS seinen Platz in der öffentlichen Wahrnehmung ein und wurde heiß diskutiert. Condrobs setzte sich für seine Klientel und die zunehmende Stigmatisierung ein, entwickelte Safer Use Programme und sorgte dafür, dass notwendige Hilfs- und Behandlungsangebote etabliert wurden.

Suchtberatungsstelle in Garmisch-Partenkirchen

Den oftmals wenig sichtbaren Suchtproblemen in den ländlichen Gegenden begegnete Condrobs u.a. durch die Gründung einer niederschwelligen Anlaufstelle für Jugendliche und junge Erwachsene in Garmisch-Partenkirchen, die nach und nach zu einer Suchtberatungsstelle ausgebaut wurde. 1982 wurde die Suchtberatungsstelle im Kreisort gegründet – inzwischen gibt es Außenstellen Murnau, Mittenwald und Oberammergau. Als sich Condrobs im Jahr 1982 im Landkreis ansiedelte, suchten 93 Menschen Beratung und Therapie in Sachen Sucht und Konsum von legalen und illegalen Drogen. Die Nachfrage stieg kontinuierlich auf heute 773 Menschen, davon 625 Betroffene und 148 Angehörige. Konstant bleibt Alkohol dabei Droge Nummer 1. Von den 625 Betroffenen suchen 280 Menschen Hilfe zu übermäßigem Alkoholkonsum. „Auch wenn die Zahlen auf den ersten Blick betroffen machen: Sie zeigen, wie wichtig eine niedrigschwellige, regionale Anlaufstelle für betroffene Menschen ist.“ so Landrat Anton Speer.

Betreutes Wohnen gibt es in Garmisch-Partenkirchen, Murnau und Mittenwald. Mit praktischer Unterstützung im Alltag, Angeboten zur Verbesserung der Lebensumstände und schneller Hilfe bei Krisen ermöglicht das Angebot Betreutes Wohnen von Condrobs Erwachsenen ab 21 Jahren ein neues Leben ohne Sucht. Daneben gibt es die ambulante Rehaliblitation und Nachsorge mit wöchentlichen Einzel- und gruppenterminen sowie Unterstützung für Angehörige.

Ergänzung und Differenzierung

Ende des Jahrzehnts war Condrobs auf sechs Einrichtungen mit ca. 50 Mitarbeitenden angewachsen – doch in den 1990er geschah hier noch einiges mehr. Die Angebote wurden zunehmend ergänzt und differenziert. Es kamen beispielsweise Arbeitsprojekte wie ConJob und Viva Clara hinzu, spezialisierte Einrichtungen in der Jugendsuchthilfe wie easyContact und das Streetworkprojekt ConAction wurden auf den Weg gebracht, die ÜWG eröffnet, weitere niedrigschwellige, akzeptanzorientierte Angebote geschaffen und eine Suchtberatungsstelle im Landkreis Starnberg aufgebaut.

Zunehmende Spezialisierung

Die große Nachfrage nach den Condrobs-Angeboten bestätigte, dass noch zahlreiche Bedarfe vorhanden waren. So wurden die 2000er Jahre für die zunehmende Schließung von Lücken im Hilfesystem und die weitere Spezialisierung in den Angeboten genutzt. Der Ausbau der Genderarbeit, die Gründung und Erweiterung von zusätzlichen Einrichtungen oder das Betreute Wohnen standen auf der einen Seite.

Auf der anderen Seite wurden neue Schwerpunkte – beispielsweise Hilfen für ältere Klientinnen und Klienten, Einrichtungen für unbegleitete jugendliche Geflüchtete – gesetzt. Auch organisatorisch entwickelte Condrobs sich weiter: die Implementierung eines Qualitätsmanagements zusammen mit der Gütesiegel-Zertifizierung wurden zu wichtigen Themen des Vereins.

Bayernweite Vernetzung

Über 30 Einrichtungen und mehr als 400 Mitarbeiter*innen – zum 40jährigen Bestehen im Jahr 2011 war Condrobs zu einem Sozialverein von beachtlicher Reichweite angewachsen. Neben der Gründung neuer Einrichtungen war ab 2012 auch die Schaffung von Angeboten für Geflüchtete in mehreren bayerischen Städten wesentlich. Hinzu kam 2019 die Gründung der Condrobs Akademie zur internen wie externen Fort- und Weiterbildung im Jahr 2019.

Condrobs aktuell

Condrobs nahm von Beginn an bis heute Einfluss auf die Politik, um für die Betreuten und Klienten Besserungen zu erreichen und ihnen eine Stimme zu geben. Es gibt nach wie vor zahlreiche Themen, an denen man dranbleiben möchte: Wohnungslosigkeit, relative Armut und psychische Belastungen nehmen zu und werden durch die Pandemie wie mit einem Brennglas verstärkt. Die moderne Drogenarbeit muss zudem das Internet und die vielen Chatplattformen in den Blick nehmen. Kinder und Jugendliche sind hier besonders gefährdet.

Die vergangene zwei Jahre in der Pandemie waren für alle eine Herausforderung. Auch für Condrobs. Doch gerade in dieser schwierigen Zeit zeigt sich, dass Condrobs auf einem stabilen Fundament steht. Dieses bildet die Basis für die weiteren Jahre, in denen Brücken ins Leben gebaut und Klient*innen auf ihrem Weg begleitet werden. Im Jubiläumsjahr 2022 sind diverse Veranstaltungen und Aktionen geplant.

Kontakt im Landkreis Garmisch-Partenkirchen

• Condrobs Suchtberatungsstelle Garmisch-Partenkirchen, Ludwigstr. 82 a | Tel: 08821 720-21 Fax: 08821 720-23 | garmisch@condrobs.de

• Condrobs Betreutes Wohnen Garmisch-Partenkirchen Ludwigstr. 82 a | Tel: 08821 720-21 | garmisch@condrobs.de

• Condrobs Außenstelle Murnau Reschstraße 1 | Tel: 08841 62855-0 | Fax: 08841 62855-29 garmisch@condrobs.de

• Condrobs Außenstelle Mittenwald Partenkirchner Str. 9 | Tel: 08823 932412 | Fax: 08823 928762 | garmisch@condrobs.de

• Condrobs Außenstelle Oberammergau Eugen-Papst-Str. 9 a | Tel: 08821 720-21 | Fax: 08821 720-23 | garmisch@condrobs.de

Die Öffnungszeiten findet man bei den jeweiligen Einrichtungen unter www.condrobs.de kb

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