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Garmisch-Partenkirchen: Quantensprung der Telemedizin bei Ultraschalldiagnose mit Roboter

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Ultraschalluntersuchung
Der „Patient“ bei der Ultraschalluntersuchung: Doktorand Mario Tröbinger liegt im Zimmer nebenan, könnte aber auch Tausende von Kilometern entfernt sein. © Friends of Geriatronics e.V.

GAP – Wer knapp 40 Jahre als Mediziner in der eigenen Hausarztpraxis gestanden ist, kann nicht von einem Tag auf den anderen all das, was man sich in dieser Zeit an Wissen und Erfahrung angeeignet hat, aufgeben. Zumal wenn man so umtriebig und voller Elan ist wie Dr. Günter Steinebach. Und weil der 77-Jährige seit Jahrzehnten eine große Leidenschaft für die Robotik hegt, fungiert er nun als medizinischer Berater des Garmisch-Partenkirchner Geriatronik-Forschungszentrums der Technischen Universität München (TUM). In dieser Eigenschaft hat Steinebach die Wissenschaftler bei der Umsetzung neuester Telemedizin-Technik unterstützt: Einer Ultraschalluntersuchung wie beim Arzt in der Praxis.

Eigentlich wollte man im Forschungszentrum an der Bahnhofstraße den Pflegeassistenzroboter „GARMI“ weiterentwickeln und in der Praxis testen. Da dies aber nur im direkten Kontakt mit Probanden möglich ist, war dies in Zeiten von Corona nur eingeschränkt möglich. Doktorand Mario Tröbinger und Senior Scientist Dr. Abdeldjallil Naceri haben aus der Not aber eine Tugend gemacht und sich verstärkt der Telemedizin mit dem bereits vorhandenen Ein­armroboter gewidmet. Mit beachtlichem Erfolg, denn nun ist erstmals möglich, dass Ultraschalluntersuchungen über tausende von Kilometern genauso durchgeführt werden können, als säße der Arzt neben dem Patienten.

An diesem Erfolg mitgewirkt hat Dr. Günter Steinebach, der nach langen, weltweiten Recherchen schließlich jenen Schallkopf in Kanada aufgetan hat, der viele medizinischen Möglichkeiten abdeckt und dreifach bestückt werden kann: für Ultraschalluntersuchungen, fürs EKG und die Untersuchung des Körpers durch Betasten. „Und das bedeutet, dass wir damit Verschlüsse von Gefäßen erkennen, Atem- und Herzgeräusche abhören sowie den Oberbauch abtasten können“, betont der Mediziner.

Das Ultraschallgerät alleine macht diese kleine Sensation in der Welt der Robotik nicht aus: Tröbinger und Naceri programmierten den Einarmroboter so, dass der untersuchende Arzt den im Extremfall mehrere tausend Kilometer entfernten Patienten unter realen Bedingungen untersuchen kann. „Das bedeutet“, verdeutlicht Tröbinger, „dass der Arzt jetzt auch fühlen kann.“ Will heißen: Der Arzt, der den Roboter bedient, bekommt gewissermaßen die Kraft, auf die das Ultraschallgerät beim Patienten trifft, zurückgemeldet. Dank des Roboterarms und der implementierten Kraftrückkoppelung können so auch Verhärtungen des Oberbauchs erkannt und abgetastet werden. Ganz wichtig: „Man kann das robotische System so programmieren, dass der Patient damit niemals Schmerzen oder einen Schaden erleidet“, so Tröbinger. Fühlt sich der Patient durch den Einarmroboter bedrängt, kann er den Arm jederzeit problemlos wegdrücken. Und weil an das Gerät auch noch Mikrofon und Kamera installiert sind, ist eine unmittelbare Kommunikation zwischen Arzt und Patient ebenfalls gewährleistet.

Dr. Günter Steinebach jedenfalls wäre heilfroh gewesen, hätte es diese technische Unterstützung während seiner Zeit als Internist schon gegeben. „Leider mussten viele Hausbesuche doch sehr eilig durchgeführt werden. Gerade in Senioren- und Pflegeheimen wäre deshalb eine derartige technologische Unterstützung mehr als willkommen, lassen sich damit doch Untersuchungen des Oberbauchs oder bei Verdacht auf Schlaganfall schnell und hervorragend von der Praxis aus durchführen“, ist der Mediziner überzeugt. Auch Tröbinger und Naceri sind schon ziemlich zufrieden mit ihrer jüngsten Entwicklung, wenngleich „das Set-up noch optimiert werden kann“, wie der Doktorand meint. Dann aber sei der Einarmroboter aus Garmisch-Partenkirchen bereit für erste klinische Studien mit „richtigen“ Patienten. Naceri denkt derweil schon einen Schritt weiter: „Das Schönste wäre es natürlich, wenn unsere Entwicklung eines Tages in Krankenhäusern und Arztpraxen zum Einsatz kommen würde.“ Steinebach denkt hier sogar noch einen Schritt weiter: „Eines Tages wird das alles auch GARMI können“, sagt er über den im Forschungszentrum an der Bahnhofstraße entwickelten Pflegeassistenzroboter. kb

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