Foodsharing
+
Im Bild (v.l.): Sabine Schmeidl, Pia Schneider, Fabio Graf und Claudia Zolk sind alle begeistert vom Foodsharing-Konzept.

Durch das Projekt sollen Lebensmittel vor der Verschwendung bewahrt werden

Initiative »Foodsharing« in Garmisch-Partenkirchen

GAP – Seit kurzem steht auf dem Hof vom Jugendzentrum Garmisch-Partenkirchen ein Kühlschrank mit Lebensmitteln, die laut Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) abgelaufen aber noch genießbar sind. Sie sollen auf diese Weise „fair-teilt“ werden.

„Wir holen in privaten Haushalten, in Betrieben, in Cafés, Restaurants oder Supermärkten abgelaufene Waren ab, um sie vor der Verschwendung und Entsorgung zu bewahren“, erklärt Pia Schneider. Die Botschafterin der bundesweiten Initiative „Foodsharing“, die es sich seit 2012 zur Aufgabe gemacht hat, diese laut MHD abgelaufenen Lebensmittel zu sammeln und weiter zu verteilen, ist seit acht Monaten mit etwa zehn freiwilligen Helfern auch in Garmisch-Partenkirchen aktiv. „Bislang arbeiten wir hier nur mit einem Supermarkt, der aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht genannt werden möchte, zusammen“, berichtet die Klima,- und Umweltforscherin vom Technik- und Förderzentrum (TFZ) Straubing, „aber es sollen künftig weitere Partner dazukommen.“

Weil es sich beim MHD um die Garantie des Herstellers handelt, bis zu welchem Zeitpunkt das ungeöffnete Lebensmittel bei richtiger Lagerung seine spezifischen Eigenschaften wie Geruch, Geschmack und Nährwert mindestens behält, sind viele Lebensmittel häufig einige Tage, teilweise auch Wochen und manche sogar bis zu Monaten länger bedenkenlos genießbar. Zweimal wöchentlich holen sie kurz vor Ladenschluss jeweils etwa 15 Kilo abgelaufene Lebensmittel ab. „Bislang haben wir diese ausschließlich unter privat verteilt“, so Schneider. Doch jetzt wird zunächst der Kühlschrank am JUZ befüllt, und jeder, der vorbeikommt, kann sich nach Belieben bedienen. „Wir möchten auf diese Weise auch für das Klima etwas tun“, erklärt die 32-jährige Wissenschaftlerin weiter. Wichtig ist ihr, dass Foodsharing keine Konkurrenz für die Tafel oder andere soziale Einrichtungen sei. „Wir sammeln nur Lebensmittel ein, die für die Tafel ungeeignet sind, also beispielsweise Kühlprodukte jenseits des MHD oder angebrochene Packungen.“

Dass das Engagement der Initiative überaus sinnvoll ist, das, zeigen nicht zuletzt alarmierende Zahlen: allein in Bayern werden pro Kopf und Jahr rund 65 Kilogramm Lebensmittel in den Müll geworfen. Nach offiziellen Schätzungen ließen sich davon etwa 43 Kilogramm vermeiden, weil die Produkte oft auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch genieß- und verzehrbar sind. Davon überzeugt ist auch Sabine Schmeidl die über Facebook auf Foodsharing aufmerksam wurde. „Ich war sogleich Feuer und Flamme und wollte mit den Leuten Kontakt aufzunehmen, dann sind sie mir mit der Frage, ob sie hier bei uns einen Kühlschrank aufstellen dürfen, zuvorgekommen“, sagt die kommissarische Leiterin des Jugendzentrums in Garmisch-Partenkirchen. Für Schneider ist der Kühlschrank am JUZ ein Pilotprojekt, bei dem es nicht bleiben soll. Wenn weitere Kooperationspartner ins Boot kommen, dann sollen auch weitere Kühlgeräte aufgestellt werden. „Aber dafür brauchen wir hier Vorort mehr Mitstreiter, die die Waren einsammeln, verteilen und auch die Kühlschränke immer wieder kontrollieren und reinigen“, sagt Schneider. Dafür einsetzen möchte sich auch Claudia Zolk. „Es ist eine tolle Sache, mit der nicht nur Lebensmittel vor der Vernichtung gerettet werden, sondern sich auch der Abfall reduzieren lässt“, meinte die zweite Bürgermeisterin in der Marktgemeinde.

Wer sich für Waren aus dem Kühlschrank am JUZ interessiert, schaut einfach vorbei und nimmt sich, so viel er mag. „Wir sind ja froh um jedes Produkt, was dem Müll entkommt“, erklärt Fabio Graf (24). Der Farchanter ist wie Schneider Botschafter für Foodsharing. „Mir geht es um Nachhaltigkeit, mein Vater kommt von den Kapverdischen Inseln, dort gibt es, wenn überhaupt, eine Marmelade im Supermarktregal. Wir hier verschwenden die Lebensmittel, das finde ich wirklich schlimm“, so der Schul- und Individualbegleiter.

Wer sich für Foodsharing ehrenamtlich engagieren möchte oder wer Lebensmittel abzugeben hat (alles kostenfrei), kann sich unter der E-Mail-Adresse: garmisch-partenkirchen@foodsharing.network melden. bf

Quelle: Kreisbote

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare