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Loisachauen Notunterkunft ist auf mehr finanzielle Unterstützung angewiesen

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Loisachauen
Feier in der Loisachauen Notunterkunft. © privat

Farchant – „Trotz aller Notlagen in der schwierigen Zeit der Pandemie sind wir dankbar und sogar ein bisschen stolz auf die Bewohner des Landkreises Garmisch-Partenkirchen, die uns immer wieder unterstützen“, sagt Barbara Cunradi-Rutz. Die Diplom-Sozialpädagogin setzt sich für die Menschen in der Notunterkunft Loisachauen in Farchant ein. „Mittlerweile hat sich ein fester Mitarbeiterstamm an Ehrenamtlichen etabliert, der regelmäßig für alle kleine Feiern organisiert. So haben wir im Sommer gemeinsam gegrillt und jüngst stand eine Adventsfeier auf dem Programm.“ Jeder Bewohner erhielt einen Korb mit Leckereien wie Obst, Marmelade oder Käse, gespendet von einem Geschäftsmann aus Garmisch-Partenkirchen, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Doch nicht nur für Feiern braucht es finanzielle Mittel, sondern vor allem auch für den Alltag. Da sind beispielsweise brandschutzsichere Vorhänge zu nähen oder, wie jüngst, Möbel um- und aufzustellen, die das Aura Hotel in Saulgrub gestiftet hat. „Wir kümmern uns auch um die Kleiderkammer, welche nach einem Spendenaufruf nun prall gefüllt ist.“

Eine Firma stellt unentgeltlich Mitarbeiter zur Verfügung, wenn handwerkliche Arbeiten, wie das Streichen von Zimmern oder das Anbringen von Fliegennetzen, nötig sind. „Das ist alles andere als selbstverständlich und wir wissen dies sehr zu schätzen.“ Bei all der Hilfe fehlt es dennoch immer noch an Geldern, um existentielle Bedürfnisse zu befriedigen. So erhalten Neuzugänge, die oft ohne jegliche persönliche Habe in der Notunterkunft ankommen, einen gefüllten Kulturbeutel mit Hygieneartikeln sowie Putzmaterial zum Einzug. den Bewohnern werden für Behörden- oder Arztgänge Busfahrten nach Garmisch-Partenkirchen bezahlt. Häufig fehlen allerdings entsprechende Mittel. „Wir haben kürzlich ein geeichtes Alkoholmessgerät samt Zubehör angeschafft, um den Promillewert von alkoholabhängigen Menschen auf freiwilliger Basis zu testen. Die Überprüfung ist oft notwendig, um rechtzeitig zu erkennen, ob sich ein Mensch im Alkoholentzug befindet und epileptische Anfälle, Herz-Kreislaufversagen oder die Gefahr eines Delirs drohen“, erklärt die 56-Jährige. „Zudem kann es in Bezug auf Alkoholreduktion motivierend für die Bewohner sein, wenn sie entweder schwarz auf weiß sehen, wie hoch ihr Promillepegel gerade ist oder andererseits stolz den Beleg für ihre Abstinenz herzeigen können.“ Vier Menschen aus Europa, die keinerlei Anspruch auf Sozialleistungen haben, greift man derzeit mit kleineren Barbeträgen, Zugtickets und Lebensmitteln unter die Arme.

Weitere Mittel wurden für die dritte Corona-Impfung benötigt: „Um die Bewohner dazu zu animieren, haben wir jedem 10 Euro ausbezahlt, woraufhin bis auf eine Ausnahme alle zugestimmt haben.“ Einmal im Monat findet eine Zimmerbegehung statt. Die saubersten Zimmer werden als Motivation mit einem kleinen Geldbetrag prämiert. Zudem habe man einen kleinen Vorrat an Zigaretten gekauft, um diese einzeln auszugeben. „Weil Zigaretten bei Rauchern in Stresssituationen beruhigend wirken“, erklärt ihre Kollegin Yara Elsayed (26), die von einer weiteren „Baustelle“ berichtet: „Die Kosten für die Beantragung von Ausweisen, Bearbeitungsgebühren sowie Lichtbilder, werden nicht von den Sozialleistungsträgern übernommen. Bei ausländischen Menschen muss zusätzlich meist auch noch das zuständige Konsulat aufgesucht werden, die Fahrtkosten sind nicht gedeckt.“

Zu Weihnachten würden die Damen gern jedem der Bewohner eine Kleinigkeit schenken, löslicher Kaffee, Waschmittel, Bademantel oder Socken, auch hierfür sind sie auf weitere Spenden angewiesen.

Dass jegliche Unterstützung absolut sinnvoll ist, belegen die jüngsten Erfolge, so konnten in den vergangenen Monaten 15 Menschen die Notunterkunft in besser geeignete Unterkünfte tauschen. Und zwei schwer alkoholabhängige Bewohner haben es geschafft, abstinent zu leben. „Das ist, gerade in so einem schwierigen Umfeld, eine Wahnsinnleistung und für uns eine große Freude und Motivation, die uns anspornt, mit unserer Arbeit weiterzumachen“, sagt Cunradi-Rutz. bf

Spenden werden erbeten auf das Konto:

Kath. Männerfürsorgeverein e.V.

IBAN: DE 86 7002 0270 0034 90 2976

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