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Museum Aschenbrenner Garmisch-Partenkirchen: Clemens Fränkel, der vergessene Landschaftsmaler

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Von: Günter Bitala

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Wetterstein-Massiv
Clemens Fränkel – Wetterstein-Massiv bei Garmisch-Partenkirchen (Öl auf Leinwand, 1933, Privatbesitz). © privat

GAP – Die aktuelle Sonderausstellung im Museum Aschenbrenner in Garmisch-Partenkirchen widmet sich einem fast vergessenen Landschaftsmaler; Museumsdirektorin Karin Teufl: „Bei der Vorbereitung auf unsere Ausstellung ‚Vom Weggehen und Ankommen“ (2019) stießen wir auf den Künstler Clemens Fränkel, der ab 1929 in Garmisch-Partenkirchen lebte und 1937 nach einem kurzen Aufenthalt in Ohlstadt nach Cortina d‘ Ampezzo fliehen musste.“

Am 11. Juni 1872 – ein Montag – war Clemens Fränkel als Sohn einer jüdischen Familie in Frankfurt am Main geboren worden. Nach Schulzeit, Ausbildung zum Uhrmacher und Militärdienst zog es den jungen Mann in den späten 1890er-Jahren nach München. Er begann ein Studium zum Landschaftsmaler; zuerst privat bei Heinrich Knirr, dann an der Akademie für bildende Künste bei Otto Seitz.

Der Kunsthistoriker Thomas Steppan (Universität Innsbruck) beschäftigt sich seit 2013 mit der Lebensgeschichte Clemens Fränkels: „Obwohl sein Werk von großer Könnerschaft gekennzeichnet ist, vom Vermögen, die Natur in ihrer schlichten Schönheit zu vermitteln, kennt ihn heute kaum jemand mehr.“

Nach dem Studium folgten Reisen nach Florenz, Rom, Côte d‘Azur und Capri. In Leoni, einem Ortsteil der Gemeinde Berg am Starnberger See gründete Fränkel eine Malschule. Nach dem 1. Weltkrieg war München wieder der feste Wohnsitz von Clemens Fränkel, mit Ehefrau Louise und Sohn Kurt. Über die Galerie Heinemann verkaufte Fränkel seine Bilder bis in die USA. Nach dem Umzug nach Garmisch-Partenkirchen – 1929 - setzte sich Fränkel künstlerisch mit der Bergwelt auseinander.

Tragische Lebensgeschichte

Thomas Steppan: „Untrennbar verbunden mit Fränkels Schaffen ist seine tragische Lebensgeschichte als verfolgter Jude und Opfer des Holocaust.“ 1937 floh Clemens Fränkel aus Garmisch-Partenkirchen und kam nach Cortina d‘ Ampezzo. In den Dolomiten begann die Spätphase seines künstlerischen Schaffens. Den italienischen Rassegesetzen folgend, musste er sich als jüdischer Ausländer registrieren lassen. Am 11. Januar 1944 wurden Clemens und Kurt Fränkel in Cortina von der deutschen Gendarmerie verhaftet. Sie kamen in das Gefängnis von Bozen und später Trient. In den Tagen nach dem 22. Februar 1944 wurde Clemens Fränkel nach Ausschwitz deportiert; dort starb er am 26. Februar 1944. Nach dem Krieg eröffnete Kurt Fränkel in Garmisch-Partenkirchen eine Kunstgalerie, die er bis 1995 führte.

Thomas Steppan: „Die Nationalsozialisten verschuldeten nicht nur Clemens Fränkels physische Auslöschung, sondern auch maßgeblich das Verschwinden seiner Werke von der Bildfläche der Kunstwelt. Bis heute gibt es keine gebührende Würdigung seines künstlerischen Wirkens.“

Die Ausstellung in Garmisch-Partenkirchen ist die erste seit 1933, die Clemens Fränkels Leben und Wirken in umfassender Weise würdigt. Die Exponate und historischen Dokumente stammen von Hanns-Michael Fränkel – dem Enkel des Künstlers; sowie privaten Sammlern.

Die Ausstellung ‚Clemens Fränkel‘ ist im Museum Aschenbrenner (82467-Garmisch-Partenkirchen, Loisachstrasse 44) zu sehen; Telefon 08821-7303105. Bis zum Sonntag, 6. November 2022. Geöffnet: Dienstag bis Sonntag, 11 – 17 Uhr. Es gibt einen detaillierten Katalog. Internet: www.museum-aschenbrenner.de gb

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