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„Ewiges“ Eis schmilzt: Der Nördliche Schneeferner auf der Zugspitze existiert höchstens noch 15 Jahre

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Von: Franziska Pawel

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Zugspitze
Blick auf die traurigen Reste: Das Zugspitzplatt, wo sonst im August noch vereinzelt Schnee liegt, erinnert derzeit an eine Wüstenlandschaft. © privat

Zugspitze – Selbst das „ewige“ Eis ist nicht ewig. Bei einem Ausflug auf die Zugspitze kann man in diesem Sommer besonders drastisch die Auswirkungen des Klimawandels beobachten. Das Zugspitzplatt, wo sonst im August noch vereinzelt Schnee liegt, erinnert derzeit an eine Wüstenlandschaft. Lediglich ein grau-schwarzer Fleck ist vom Nördlichen Schneeferner Gletscher übrig. Experten geben dem größten Gletscher Deutschlands noch 10 bis 15 Jahre.

Ein Toteisfeld – so werden die kümmerlichen Reste des Gletschers auf der Zugspitze von Forschern genannt. Als Toteis bezeichnet man Gletschereis, das mit dem aktiven Gletscher nicht mehr verbunden ist, sich infolgedessen auch nicht mehr bewegt und meist mit Sedimenten bedeckt ist. Bedeckt ist der Nördliche Schneeferner von Ruß und Staub. Die dunklen Partikel, die eine Folge der Industrialisierung in den Städten ist, färben die Gletscherüberreste grau-schwarz. Im Schnee wirken die Teilchen wie Wärmespender: Aufgrund ihrer dunklen Farbe absorbieren sie Sonnenstrahlung. Ihre Wärme schmilzt den Schnee. Dieser Prozess des Abschmelzens kann auf der Zugspitze nicht mehr aufgehalten werden. Er schreitet jährlich voran. So schlimm wie in diesem Jahr war die Situation jedoch noch nie. Rund vier Wochen früher als sonst ist der Nördliche Schneeferner, einer der fünf letzten bayerischen Gletscher, komplett schneefrei. Der Grund hierfür ist das Zusammenspiel verschiedener Phänomene: Der letzte Winter war sehr schneearm, das Frühjahr war deutlich zu warm – und auch der Saharastaub aus dem März hat Einfluss auf die Gletscherschmelze. Ähnlich wie durch die Färbung durch Ruß und Staub, nimmt der Schnee durch den ockerfarbenen Saharastaub mehr Energie auf. Das beschleunigt wiederum das Abschmelzen.

Der einzige Gletscher in den Bayerischen Alpen, der noch eine längere Lebenszeit als 10 bis 15 Jahre haben könnte, ist der Höllentalferner auf der Nordseite der Zugspitze. Der liegt im Schatten und bekommt im Winter viel Lawinenschnee ab.

Wenn man im Winter bei Neuschnee die Pisten auf dem Zugspitzplatt runter saust, ist einem die Situation der Gletscher weit weniger bewusst. Doch Fakt ist: Die Tage aller verbliebenden Gletscher sind gezählt. fzi

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