Berti Aubele
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Berti Aubele.

Seit 35 Jahren gibt es in der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit einer Krebserkrankung

»Wir sind füreinander da«

GAP – „Ich weiß gar nicht, wo die Zeit geblieben ist“, sagt Berti Aubele und lächelt. Vor 35 Jahren – 1986 – wurde in der Marktgemeinde eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit einer Krebserkrankung gegründet. Seit 31 Jahren wird sie voller Engagement von der gebürtigen Münchnerin geleitet. Menschen, die an Krebs erkrankt sind, wieder Mut zu machen, ihnen zu helfen mehr Lebensqualität und Lebensfreude zu entwickeln – das ist das Ziel der rund 200 Selbsthilfegruppen der Bayerischen Krebsgesellschaft, die 1925 in München als „Bayerischer Landesverband zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheiten e.V.“ gegründet wurde.

Bis zu 20 Mitglieder treffen sich jeden ersten Dienstag im Monat im Kurpark Pavillon. Die meisten kommen seit Jahren. Die Gruppe vermittelt ein „Zusammenheitsgefühl“. „Wir reden über alles“, sagt Berti Aubele. „Ob es Dinge sind, die die Krankheit betreffen oder aber Persönliches. Alles kann man bei uns loswerden.“ Die Erkrankung steht nicht im Vordergrund. „Jeder weiß, dass die anderen ähnliche Erfahrungen haben“, sagt die sympathische Gruppenleiterin. 1980 bekam Berti Aubele die Diagnose Brustkrebs; fünf Jahre später erkrankte sie erneut an Krebs. „Eine Freundin sagte mir, ich solle doch mal zu einem Treffen der Selbsthilfegruppe mitgehen“, erinnert sie sich. Das war 1988. Es ist ihre Berufung. 1990 bat man sie die Leitung zu übernehmen.

Die Gruppe unternimmt Ausflüge, besichtigt Schlösser, Kirchen, Museen und Städte. Man geht zusammen ins Theater und auf Gesundheitstage. Jüngst besuchte man Füssen und unternahm eine Schifffahrt auf dem Forggensee. Berti Aubele organisiert Fachvorträge zu verschiedenen Themen. „Jahrelang kam der viel zu früh verstorbene Leiter der Abteilung Geburtshilfe und Frauenheilkunde am Klinikum Garmisch-Partenkirchen, Professor Thomas Genz, zu uns“, erzählt sie. Regelmäßig nimmt Berti Aubele an den Fortbildungen der Bayerischen Krebsgesellschaft teil; tauscht sich mit anderen Gruppenleiterinnen und -leitern aus.

2014 erhält sie eine Einladung zum Neujahrsempfang für engagierte Bürgerinnen und Bürger beim ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck. „Es war ein besonderes Erlebnis“. 2018 wird sie für ihren Einsatz mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt.

„Das Wichtigste ist, dass es den Mitgliedern der Gruppe gut geht“, sagt sie. Die Angst vor jeder Kontrolluntersuchung bleibt. „Am Schlimmsten ist die Erstdiagnose. Das, was die Ärzte in dieser Situation zu einem sagen, bleibt im Kopf hängen“, weiß sie aus vielen Gesprächen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Mediziner „sehr einfühlsam in ihrer Wortwahl sind“, betont sie.

Dann schaut sie auf ihr Handy. Ein Gruppenmitglied hat angerufen. Sie ruft sogleich zurück. Die Gruppe ist „füreinander da“.

Wer zu einem Treffen der Selbsthilfegruppe kommen möchte, kann Berti Aubele gern unter der Nummer 08821 58840 anrufen. Ask

Quelle: Kreisbote

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