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UNESCO Weltkulturerbe-Bewerbung: Übersetzungs- und Korrekturarbeiten am Antragsdossier waren aufwändig

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Von: Ilka Trautmann

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Bewerbung
Der Freistaat Bayern unterstützt die Bewerbung, das hat Staatsminister Bernd Sibler (re.) mit seiner Unterschrift bekräftigt. Landrat Anton Speer (li.) ist damit gleich nach Berlin weitergefahren und hat das gewichtige Bewerbungsbuch im Auswärtigen Amt an Ministerialrätin Dr. Brigitta Ringbeck ausgehändigt. Nun liegt die Bewerbung im Welterbezentrum in Paris. © StMWK / König

Landkreis – Landrat Anton Speer war dieser Tage auf ausgedehnter Tour: Zunächst brachte er die englischsprachige Fassung des Unesco-Weltkulturerbe-Antrages des Landkreises Garmisch-Partenkirchen zum zuständigen bayerischen Staatsminister Bernd Sibler zur Unterzeichnung. Dann überreichte er das Bewerbungsbuch im Auswärtigen Amt in Berlin an die zuständige Ministerialrätin Dr. Birgitta Ringbeck, die das fast 1000 Seiten starke Dossier fristgerecht zur Unesco nach Paris weitergeleitet hat. Nun befindet sich das gewichtige Werk im Welterbezentrum zur weiteren Prüfung.

Mit der Unterzeichnung hat der Freistaat Bayern gegenüber dem Bund erklärt, dass er den Antrag des Landkreises unterstützt. Vom Auswärtigen Amt in Berlin wurde das Dossier zur Unesco nach Paris weitergeleitet, wo für die abschließende Fassung im Welt­erbezentrum ein eigenes Gutachten erstellt wird, das schließlich dem Welt­erbekomitee als Grundlage für eine Abstimmung – voraussichtlich im Jahr 2023 – dienen wird.

Zuvor war der Weltkulturerbe-Antrag im Juli 2021 vom Kreistag des Landkreises Garmisch-Partenkirchen beschlossen und im September 2021 bei der Unesco zur Vorprüfung eingereicht worden. Das Ergebnis der Vorprüfung war positiv ausgefallen. Einige Hinweise der Unesco zum korrekten formalen Aufbau des Antrages konnten noch berücksichtigt werden.

Aufwändiger als gedacht waren die Übersetzungs- und Korrekturarbeiten am fast 1000 Seiten starken Antragsdossier. Für viele landwirtschaftliche und landschaftliche Ausdrücke gibt es keine englische Entsprechung, z.B. Wiesmahd, Trische oder Buckelwiese. Oder man findet sie nicht in normalen Wörterbüchern, so dass auch das Übersetzungsbüro an seine Grenzen kam.

Landrat Anton Speer jedenfalls freut sich über die fristgerechte Einreichung des Weltkulturerbe-Antrags, für das er sich auch persönlich stark gemacht hat: „Für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen mit seiner einmaligen Kulturlandschaft und kleinstrukturierten Landwirtschaft ist das Prädikat Unesco-Weltkulturerbe eine große Chance, um unser Landschaftsbild und unsere Traditionen zu bewahren. Allein darum geht es. Jetzt liegt unser Antrag im Welterbezentrum in Paris und ich bin guter Ding, dass der Antrag zu einem Erfolg für unseren Landkreis wird.“ tra

Kritik und Sorgen

Seit fast zehn Jahren wird das Thema der Bewerbung emotional diskutiert. Eigentümer, Flächenbewirtschafter und Gemeinden wurden im Abstimmungsprozess immer wieder gehört. Das Projekt umfasst 19.000 Hektar in fast allen Gemeinden des Landkreises. Nicht alle Kritiker und Skeptiker konnten überzeugt werden. Der Gemeinderat von Eschenlohe etwa lehnte die Bewerbung ab. Aus dem nördlichen Landkreis heraus wurde von einzelnen Betroffenen mit Unterstützung durch die „Interessensgemeinschaft Weltkulturerbe“ Klage beim Verwaltungsgericht in München eingereicht mit dem Ziel, die Bewerbung zu stoppen oder zumindest die eigenen Flächen aus dem Dossier streichen zu lassen. Auch Flächen rund um Garmisch-Partenkirchen bleiben ausgespart. Die Kritiker befürchten mehr Auflagen, Bürokratie und Bevormundung bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen. Die Befürworter erhoffen sich eine Stärkung der kleinstrukturierten Landwirtschaft in der Region, die den Erhalt der einzigartigen Kulturlandschaft sichert. Durch das Prädikat Weltkulturerbe sollen bestehende Fördermöglichkeiten und Sonderregelungen für die kleinbäuerliche Struktur besser abgesichert werden. tra

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