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Zehn Jahre Beratungsstelle Essstörung in Garmisch-Partenkirchen wird gefeiert

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Von: Margot Schäfer

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Dorothea Voß
Der Umzug der Beratungsstelle in die Hindenburgstraße 45 ist beendet. Leiterin Dorothea Voß räumt die letzten Kartons beiseite, dann können die ersten Klienten kommen. © Meggy Schäfer

GAP – Wer mit Dorothea Voß, Diplom-Theologin und Fachtherapeutin ins Gespräch kommt, spürt schnell, dass man dieser Frau vertrauen kann. Seit zehn Jahren leitet sie die Beratungsstelle für Essstörungen des „Therapienetz Essstörungen“ in Garmisch-Partenkirchen. Für diese wichtige Einrichtung in der Region, einer Außenstelle des Münchner Hauptsitzes, hat sie gerade neue Räume in der Hindenburgstraße 45 gefunden. „Nach vielen Jahren in der Partenkirchner Pfarrgasse und der Interimslösung in einer Arztpraxis war ich seit dem Vorjahr auf der Suche und bin jetzt gleich neben dem AOK-Gebäude fündig geworden“, erzählt die Murnauerin glücklich.

Etwas groß seien die Räumlichkeiten, aber für Gruppentherapien ideal und vielleicht gelingt auch eine Untervermietung. Der Zulauf der Klienten sei jedenfalls groß und in Coronazeiten noch größer geworden. Als einen „Tsunami bei Essstörung“ wurde die derzeitige Situation während einer Online-Fortbildung analysiert. Vereinsamung, kein Sport, kein Verein, fehlende direkte Kommunikation und ein übergroßer Medieneinfluss während des Lockdowns führten dazu.

„Wir beraten alle individuell, die sich um das Thema „Essen“ Sorgen machen: bei sich selbst oder einem nahestehenden Menschen“, erklärt sie das Konzept. Das gilt für die, die zu viel essen, zu wenig oder nichts. Wichtig sei es, den ersten Schritt zu wagen, Gehör zu finden, Rat zu bekommen. Das kann persönlich, per Telefon oder über eine Online-Beratung erfolgen und gilt für Jugendliche und Erwachsene, Frauen und Männer, Einzelpersonen, Paare und Familien. „Gemeinsam finden wir Antworten“, verspricht die Fachfrau, die auf ein großes Netzwerk an professionellen Partnern und Unterstützungsangeboten zurückgreifen kann, an die sie bei Bedarf weitervermittelt. Während ihre Kollegin Veronika Neumeyer im Landkreis sich um den Bereich „Einzelbetreutes Wohnen und Leben“ kümmert, mit ihren Klienten gemeinsam bei Hausbesuchen durch den Alltag geht, kümmert sich Voß um die kostenlosen Beratungen. Wie individuell das Ganze ist, erzählt sie am Beispiel einer Auszubildenden der Geigenbauschule Mittenwald. Diese hat inzwischen längst ihren Abschluss in der Tasche, eine Familie gegründet und lebt mit dieser in Südwestdeutschland. Sie war gern bereit, einem Fernsehteam des BR für einen Abendschau-Beitrag von ihrer Essstörung zu berichten, um Betroffene zu ermuntern, sich Hilfe zu holen. „Fakt war, dass die damals Unterernährte wegen ihrer Ausbildung und des Anfahrtswegs keins der möglichen Therapieangebote wahrnehmen konnte“, erinnert sich Voß genau. Da sie neben ihrer Beratertätigkeit auch als Therapeutin in eigener Praxis arbeitet, fuhr sie nach Mittenwald, kümmerte sich selbst um die junge Frau. „Nach einem Jahr hatten wir es geschafft“, freut sie sich noch heute über den Erfolg, über die erfahrene Dankbarkeit und den immer noch bestehenden Kontakt.

Dass sie, das Theologie-Diplom in der Tasche, im sozialen Bereich arbeiten wollte, war schnell klar. Sie setzte also ihre Studien in Psychologie und als Heilpraktikerin fort, spezialisierte sich. Als sie nach Dachau und Weilheim die Außenstelle für Essstörungen in Garmisch-Partenkirchen aufbaute, war das bereits ihre dritte. Seit zehn Jahren bekommen hier Betroffene, ob mit Magersucht, Ess-Brech-Sucht, Esssucht oder Übergewicht aus dem gesamten Umland in der Beratungsstelle, die vom Bezirk Oberbayern mit Unterstützung der Krankenkassen finanziert wird, Hilfe.

„Eine erfüllende Aufgabe“, sagt Voß. Im Herbst ist zum 10. Geburtstag der Außenstelle eine kleine Feier in den neuen Räumen, Hindenburgstraße 45, geplant.

Kontakt: 08821-9672553, Infos: www.tness.de sm

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