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Ihre Tage sind gezählt: Die Geschäftsstelle der Kreissparkasse in Grainau schließt zum Dezember.

Bittere Nachricht für rund 1800 Kunden

Kreissparkasse: Rückzug aus Grainau

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Grainau - Im Dezember ist Schluss. Dann schließt die Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen ihre Grainauer Filiale und betreibt sie als SB-Standort weiter. Ein Schritt, den Bürgermeister Stephan Märkl (CSU) „bitter“ nennt, auch wenn er die Zwänge versteht, denen das Geldinstitut unterliegt.

Es ist ein Rückzug auf Raten. Ein Rückzug aus der Fläche. Den Anfang machten die Geschäftsstellen am Garmischer Marienplatz und in Unterammergau, jetzt schließt die Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen die Filiale in Grainau. Wann die Möbelpacker anrücken, steht noch nicht genau fest. Nur der Monat. „Ab Dezember wird sie als SB-Standort weitergeführt“, sagt Vorstandsvorsitzender Peter Lingg. Von diesen Plänen hat er Anfang der Woche die Mitarbeiter, dann Bürgermeister Stephan Märkl (CSU) und schließlich den Kreisausschuss informiert. „Die Zwänge, denen die Kreissparkasse unterliegt, sind zwar nachvollziehbar“, findet Märkl. „Trotzdem bin ich ein Stück weit verbittert. Ein weiteres Dorf in unserer Region wird ein Stück weit ausgedünnt.“ Eine Entwicklung, die ihm zufolge Ende der 1990er Jahre mit der Schließung der Postämter ihren Anfang nahm.

Zeiten, in denen es in seinem Ort mit gut 3700 Einwohnern noch drei Banken gab: die Volks- und Raiffeisenbank, die HypoVereinsbank und die Kreissparkasse. Alle drei an der Waxensteinstraße. Die VR-Bank hat vor gut zehn Jahren ihre Geschäftsräume geschlossen und betreibt jetzt eine reine SB-Zone. Auf Selbstbedienung hat auch die HypoVereinsbank nach dem Aus für die Filiale gesetzt. „Unter Vorbehalt“, sagt eine Sprecherin des Geldinstituts in München. Dass sich dieses Modell aus ihrer Sicht nicht rechnet, steht mittlerweile fest. Am Freitag wurden die Automaten abgebaut. „Für unsere Gäste ist das bitter“, meint Märkl. Die müssen nun, wenn sie Kunden einer Bank sind, die zur deutschlandweiten Cash-Group gehört, nach Garmisch-Partenkirchen fahren, um kostenlos Geld abzuheben. Das haben die Grainauer offenbar längst getan: „Unsere Erfahrung hat in der Zwischenzeit gezeigt, dass unsere eigenen Kunden für ihre SB-Services unser Angebot in der modernisierten Filiale in Garmisch-Partenkirchen und das Angebot zur kostenlosen Bargeldversorgung beispielsweise in allen Rewe-Märkten in der Umgebung nutzen“, sagt die Sprecherin. Wie viele das sind, dazu gibt sie allerdings keine Zahlen heraus. Durch die seltene Nutzung des Automaten habe sich das Unternehmen nun entschieden, das Angebot auf die Marktgemeinde zu konzentrieren, wo auch die Beratung stattfindet.

Argumente, die Märkl versteht. Genau wie die der Kreissparkassen-Vorstände, die gebetsmühlenartig auf die schwierigen Rahmenbedingungen in der anhaltenden Niedrigzinsphase verbunden mit steigender Regulatorik und Eigenkapitalanforderungen sowie die Digitalisierung hinweisen. Und darauf, dass längst gut ein Drittel der Bankkontakte der rund 1800 Kunden aus dem Zugspitzdorf bereits in der Marktgemeinde stattfindet. Den Wegfall der Filiale nennt der Bürgermeister dennoch „dramatisch“. Gerade ältere Grainauer hätten diese als Treffpunkt genutzt. „Eigentlich steht immer jemand davor und ratscht mit jemandem.“ Damit ist im Dezember Schluss – zu seinem großen Bedauern.

Dass die Schließung der Geschäftsstelle das Dorf trifft, ist Vorstandsmitglied Grit Fugmann bewusst. „Das ist auch für die Mitarbeiter vor Ort nicht ganz einfach. Deshalb kann ich vor ihnen nur den Hut ziehen.“ Angesichts der Entwicklungen im Bankenwesen und vor dem Hintergrund, dass Linggs Vorgänger Georg Fink erst heuer im März betont hatte, „dass alles auf den Prüfstand kommt“, hätten viele Kunden mit diesem Schritt gerechnet. „Damit die Grainauer weiterhin die vertrauten Ansprechpartner haben, versuchen wir, die Mitarbeiter möglichst in der Hauptstelle in Garmisch-Partenkirchen einzusetzen“, unterstreicht Lingg. Zudem hoffen er, Fugmann und ihr Team, das Ganze durch flexible Beratungszeiten einigermaßen wettzumachen. „Unser Servicecenter wird ausgebaut. Die Kollegen stehen für individuelle Termine von 8 bis 20 Uhr zur Verfügung.“

Das Haus an der Waxensteinstraße wird Lingg zufolge verkauft – genau wie die früheren Geschäftsstellen am Garmisch-Partenkirchner Marienplatz und in Unterammergau. Neben den erwarteten Einsparungen durch die Filialschließung soll auch das Geld in die Kasse spülen. „Die Zinssituation ist so extrem, dass wir uns in den nächsten zwei Jahren auf einen Einnahmenrückgang von jeweils zwei Millionen Euro einstellen müssen“, verdeutlicht der Vorstandsvorsitzende das Dilemma. Der Rückschluss: „Unsere Erträge müssen um eine Million steigen und zugleich gilt es, eine Million Euro einzusparen.“ Wie, das beschäftigt die Vorstandsetage permanent.

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