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In diesem Gasthof in Bad Kohlgrub verlor der junge Syrer am vergangenen Freitag die Nerven. Insgesamt sind hier 32 Flüchtlinge untergebracht.

Streit in Asylbewerberunterkunft 

Kriegsflüchtling verletzt zwei Polizisten

  • Marcus Mäckler
    vonMarcus Mäckler
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Bad Kohlgrub – Ein junger Syrer (24) hat in Bad Kohlgrub im Januar 2014 zwei Polizisten verletzt. Zuvor drohten er und ein weiterer Asylbewerber, ihre Unterkunft niederzubrennen. Der Ausraster zeigt, unter welchem Druck Flüchtlinge stehen.

Es ist 17.20 Uhr am Freitag, 17. Januar 2014, als der junge Syrer die Nerven verliert. Er schlägt seinen Kopf wie von Sinnen gegen eine Wand des Gasthofs, in dem er untergebracht ist. Als Polizisten einschreiten, prügelt der 24-Jährige mit Fäusten auf sie ein. Später, im Polizeiwagen, tritt er einem Beamten (46) so heftig gegen dessen Becken, dass der mit Schmerzen zum Arzt muss – genau wie sein Kollege (36), dem der Syrer auf dem Weg in die Haftzelle auf den Rücken schlägt.

Was kurz zuvor geschah, klingt ähnlich heftig. Wie die Polizei unserer Zeitung bestätigte, hatte der junge Mann gemeinsam mit einem anderen Flüchtling aus dem krisengeschüttelten Syrien (28) die Betreiberin des Gasthofs in Bad Kohlgrub bedroht: Sie würden den Hof anzünden, wenn sie keine andere Unterkunft bekämen. Die jetzige sei viel zu abgelegen. Als der Leiter des Ausländeramts im Kreis Garmisch-Partenkirchen in Begleitung von vier Polizisten dazu kam und betonte, sich nicht erpressen zu lassen, ließ sich der 28-Jährige zu Boden fallen – sein junger Komplize rastete aus.

Auch wenn bei dem Vorfall niemand ernsthaft verletzt wurde – die Szenen kann man sich an einem solchen Ort kaum vorstellen. In dem familiengeführten Gasthof, der im Internet noch immer als Wellnesshotel gelistet ist, sind 32 Menschen in Doppelzimmern untergebracht. Die meisten sind Kriegsflüchtlinge aus Syrien, andere kommen aus Afghanistan. Zu Fuß ist man in rund 20 Minuten in Bad Kohlgrub. Tatsächlich sei der Hof etwas abgelegen, heißt es aus der Murnauer Polizeiinspektion. Die Zustände dort seien aber gut.

Wenn das so ist, warum dann dieser Ausraster?

Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat wundert der Vorfall nicht. Etwa ein Drittel der Neuankömmlinge sei psychisch belastet – viele stammten aus Kriegsgebieten wie Syrien. Darum komme es immer wieder zu Konflikten. Wenn die Flüchtlinge sich dann an einem abgelegenen Ort wiederfänden, ohne Geld, nicht mobil und ohne die Möglichkeit, Kontakt mit Verwandten in der Heimat aufzunehmen, steigere sich das Konfliktpotenzial: „Das treibt die Leute zusätzlich in die Verzweiflung.“

Möglich, dass es bei dem jungen Syrer ähnlich war. Seit August 2013 befindet er sich in der Unterkunft. Ob er als Folge möglicher Kriegserfahrungen Psychopharmaka nehmen muss, ist nicht klar. Die Polizei jedenfalls ist des Öfteren in der Unterkunft zu Gast – wegen kleinerer Streitigkeiten zwischen Wirtsfamilie und Flüchtlingen.

Ärger um die Unterbringung von Asylbewerbern gibt es immer wieder. In Bernbeuren (Kreis Weilheim-Schongau) etwa flüchteten im vergangenen Jahr acht Syrer aus dem ehemaligen Kreisjugendheim auf dem Auerberg. Der benachbarte Gastwirt hatte ihnen Hausverbot erteilt, ein Zaun um das Heim hinderte sie daran, das Gelände der Gaststätte zu betreten.

Alexander Thal hält die Konflikte für hausgemacht. Mittelfristig müssten sich die Flüchtlinge freier bewegen dürfen, die Residenzpflicht verschärfe das Problem nur. Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) bestätigte auf Anfrage ihre bisherige Position: „Jeder Ort in Bayern ist zumutbar.“

Der junge Syrer muss nun mit einer Anzeige wegen Körperverletzung und Bedrohung rechnen. Am Samstag ließ ihn die Polizei frei.

Marcus Mäckler

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