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So sieht er aus, der Asiatische Laubholzbockkäfer.

Käferbefall: In Murnau werden Gehölze gefällt

Streit um Baumschädling

Murnau - Das Ausmaß ist bis dato noch unklar. Doch am Murnauer Volksfestplatz werden voraussichtlich in den nächsten Monaten einige Bäume gefällt. Der Bund Naturschutz hält davon nichts.

Der Grund für die angepeilte Fällung ist, dass an der Stelle Spuren des Asiatischen Laubholzbockkäfers entdeckt worden sind (ALB). Der Schädling befällt gesunde Bäume. Der Bund Naturschutz (BN) hält hingegen nichts davon, rigoros die Gewächse zu entfernen.

Federführend beim Murnauer Käfer-Problem ist die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Sprecherin Elke Zahner-Meike erklärt, dass Ende des Monats eine so genannte Allgemeinverfügung veröffentlicht werden soll – die Grundlage für das weitere Vorgehen.

Wann die Motorsäge dann genau zum Einsatz kommt, steht noch nicht fest. „Der Käfer fliegt nicht, wir haben keinen Zeitdruck“, sagt Zahner-Meike. Erst ab Mai/Juni verpuppen sich die Larven. Die Fällung sei auch vom Wetter abhängig.

Es gibt eine Liste mit Pflanzen, die bei Befall im 100-Meter-Umkreis beseitigt werden müssen. Darauf stehen aktuell 16 Gattungen: Ahorn, Birke, Blasenesche, Buche, Erle, Esche, Hainbuche, Haselnuss, Kuchen- oder Katsurabaum, Linde, Pappel, Platane, Rosskastanie, Ulme und Weide. Dazu kommt noch die Gattung Sorbus (Mehlbeere, Vogelbeere, Eberesche). 

Zur Fällung gebe es „keine Alternative“, betont Zahner-Meike. „Es hat sich gezeigt, dass damit die besten Erfolge zu erzielen sind.“ Nach ihren Angaben sind in Murnau nicht viele private Flächen betroffen, sondern vorwiegend solche, die der Gemeinde und der Bahn gehören. Die Gehölze werden gefällt, danach muss das Material gehäckselt und verbrannt werden.

Bei der Kommune wartet man derweil auf besagte Allgemeinverfügung. Dann werde man „Maßnahmen ergreifen, die uns auferlegt werden“, sagt Umweltreferent Patrick Fierhauser. Auch eine Info-Veranstaltung sei geplant. Die Marktgemeinde habe Glück gehabt. Denn an anderen Stellen im Ort habe es weitere Verdachtsfälle gegeben, die sich aber nicht bestätigt hätten. Dennoch werde man in den nächsten Jahren prüfen müssen, ob der Käfer andernorts auftaucht.

Dr. Rudolf Nützel, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Murnau, ist hingegen sicher: Wer den Käfer „sucht, der wird ihn nicht nur in Murnau, sondern auch in Seehausen, Uffing oder Ohlstadt finden“. Dies hatte Nützel bereits im November erklärt, als der Befall am alten Volksfestplatz bekannt wurde. Beim BN ist man überzeugt, dass das Insekt „viel weiter verbreitet“ ist, als bisher angenommen.

Die Naturschützer sprechen sich gegen die aktuelle Ausrottungsstrategie im 100- Meter-Radius aus. Sie fordern ein umfassenderes Vorgehen, das neben der Vorsorge gegen Neubefall auch das Beschaffungswesen der Kommunen einschließt. „Die Ausrottungsstrategie der Behörden kann nicht erfolgreich sein, solange ein Neueinschleppen des Käfers nicht zuverlässig unterbunden wird. Zudem ist überhaupt nicht klar, ob der Käfer nicht längst in weiten Teilen des Landkreises Garmisch-Partenkirchen vorkommt.“ 

Der vermeintlich billige Import von Granit komme die Gemeinden teuer zu stehen. Sie „müssen deshalb mit gutem Beispiel vorangehen und, wie früher üblich, Granit aus Bayern anstatt aus China verwenden“ sagt Nützel. Zur Erklärung: Der Käfer ist als blinder Passagier im Verpackungsholz von Steinlieferungen aus China eingewandert. Der Baumkletterer wird bis zu vier Zentimeter groß. Auffällig sind seine Fühler, ähnlich lang wie das Insekt selbst und schwarzweiß getigert.

Es gibt in Bayern mehrere Gebiete, wo der Käfer entdeckt wurde. Dazu zählen der Münchner Osten sowie Gebiete in Neubiberg, Schönebach und Kelheim. „In Neubiberg sind mehrere Tausend Bäume gefällt worden“, sagt Nützel, der als BN-Geschäftsführer der Kreisgruppe München eingebunden war. „Da ist die Verhältnismäßigkeit nicht mehr gegeben.“

Bewohner der Quarantäne-Zone aus Neubiberg, Ottobrunn und Riemerling haben sogar eine Bürgerinitiative gegründet, die sich gegen die Ausrottungsstrategie zur Wehr setzt. Der BN will in diesem Jahr laut Nützel in Sachen ALB eine Anfrage an das EU-Parlament richten.

Roland Lory

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