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Verschlossene Rollladen oder Vorhänge deuten oft auf Zweitwohnungen hin, die gerade nicht bewohnt sind. 

Neue Berechnungsgrundlage

Klares Signal: Krün geht gegen Zweitwohnungen vor 

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Der Gemeinderat greift durch: Er hat die Satzung für Zweitwohnungen geändert.  Unter anderem gibt es einen höheren Steuersatz.

Krün – Die Marschroute von Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) ist klar: „Wir wollen das Ganze unattraktiver machen.“ Der Krüner Rathauschef zielt damit auf Zweitwohnungen in seinem Tourismus-Dorf ab. Die sollen, so gut es geht, verhindert werden. Mittels einer überarbeiteten Satzung mit geänderter Berechnungsgrundlage und höherem Steuersatz soll das gelingen. Das novellierte Regelwerk hat der Gemeinderat nun einstimmig (10:0) abgesegnet. Es soll am 1. Januar 2020 in Kraft treten.

Die generelle Genehmigungspflicht von Zweitwohnungen, wie sie der Wallgauer Musiklehrer Klaus-Bernd-Heer fordert, ist darin nicht verankert. Muss es auch nicht, findet Schwarzenberger. Eine solche Vorgabe haben die Krüner Gemeindeväter bereits 1998 festgelegt. Demnach solle eine Eigentumswohnung nur als Erstwohnsitz oder Fremdenverkehrszwecken dienen.

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Bei der überarbeiteten Satzung wird nicht mehr die vom Finanzamt berechnete sogenannte Jahresrohmiete – Usus seit 1964 – zugrundegelegt, sondern künftig die Netto-Kaltmiete (Miete ohne Nebenkosten). Das Problem: Eine klassische Zweitwohnung – davon gibt es in Krün ungefähr 100 – hat keinen Mieter, da dieses Domizil ja in der Regel Eigenzwecken dient. „Deshalb muss ein fiktiver Mietwert festgesetzt werden“, erläutert Schwarzenberger das weitere Prozedere. Gleichzeitig schraubte man am Steuersatz – dieser geht von 10 auf 20 Prozent rauf.

Mehr Bares in der Gemeindekasse

Die Zweitwohnungssteuer ergibt sich künftig wie folgt: Beläuft sich der fiktive Mietwert auf 5000 Euro per anno, muss der Gemeinde ein Obolus von 1000 Euro (20 Prozent) entrichtet werden. Da in Sachen Geld niemand einen Spaß versteht, muss der durchschnittliche Mietwert von einem unabhängigen Sachverständigen kalkuliert werden, um etwaige Rechtsstreitigkeiten auszuschließen. Hierzu müssen im Vorfeld die entsprechenden Dependancen vorab in Augenschein genommen werden. Eine zeitintensive Angelegenheit. „Das muss es uns wert sein, wenn wir es ernst damit meinen.“ Und dem Bürgermeister und dem Gemeinderat ist es bitterernst – und zwar schon seit 1976. „Wir haben als einzige Gemeinde die Satzung nach Paragraf 22 (Anm. d. Red.: Baugesetzbuch) nicht abgeschafft.“ Genau auf diesen Passus beruft sich jetzt bekanntlich die zweitwohnungs-gepeinigte Marktgemeinde Berchtesgaden.

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In Krün versucht man laut Schwarzenberger also seit 43 Jahren gezielt, einen Wohnungswucher zu verhindern – beispielsweise durch Einheimischenmodelle. Maximal vier Jahre bleiben der Kommune nun, das novellierte Regelwerk umzusetzen.

Im aktuellen Haushalt hat man rund 70 000 Euro über die Zweitwohnungssteuer eingenommen. Mit der Verdoppelung des Steuersatzes sprudelt natürlich mehr Bares in die Krüner Gemeindekasse. Doch das Geld allein ist es bei Weitem nicht, was den Bürgermeister antreibt. „Es geht um das Signal.“

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