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Die Ampel, der Bär und der Wolf: Aiwanger im Angriffsmodus

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Weidegenossenschaftschef Alois Kramer, Staatminister Hubert Aiwanger und Kreisvorsitzender Klaus Solleder (Bauernverband) diskutieren auf dem Weg zur Finzalm im Estergebirge angeregt.
Es geht bergauf: Selbst auf dem Weg zur Finzalm diskutieren (v. l.) Weidegenossenschaftschef Alois Kramer, Staatminister Hubert Aiwanger und Kreisvorsitzender Klaus Solleder (Bauernverband) angeregt. © Tobias Schwaninger

Die Almbauern im Landkreis fürchten um ihre Existenz. Debatten um ein Ende der Kombinationshaltung, die Wolf-Problematik und weitere Themen veranlassen sie dazu. Ihre Sorgen schilderten rund 250 von ihnen nun Staatsminister Hubert Aiwanger, der sich bei der Almbegehung im Estergebirge unters Volk mischte.

Krün – Die Almbauern treibt derzeit so einiges um. Wolf, Kombinationshaltung – und nichts Geringeres als die eigene Zukunft. Dass es in vielen von ihnen brodelt, wird am Mittwoch schon zu Beginn der Almbegehung klar. Zunächst einmal geht es jedoch mit Bussen einige hundert Höhenmeter hinauf Richtung Krüner Alm. „Der Wolf muss weg“, ist da mehrere Male zu hören. Zu dieser Erkenntnis werden an diesem Tag auch einige Protagonisten noch kommen. Der prominenteste Besuch fehlt aber noch: Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) wird erst später dazu stoßen. Zur Einweihung der neuerrichteten Finzalm-Hütte hat er sich angekündigt.

Doch für die rund 250 Teilnehmer, darunter auch zwei Landtagsabgeordnete, die Politgrößen aus dem Landkreis und Vertreter des Bauernverbandes, geht es nun erst einmal noch zu Fuß auf die Krüner Alm. Der einstündige Marsch wird mit traumhaftem Panorama belohnt, auch das Wetter spielt mit. Während sich den Bergsteigern weite Blicke auf die umliegenden Gebirgszüge eröffnen, spielen Franz Paul Reindl und Moritz Frank einige Almweisen.

Mit den ruhigen Tönen ist es dann aber vorbei. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) schlägt bei seiner Rede auf der Krüner Alm Alarm und spricht dabei besonders zwei Themen an, die ihm als Landwirt genauso auf dem Herzen liegen wie allen Beteiligten: Wolf und Kombinationshaltung. Letztere steht seit geraumer Zeit in der Kritik. Die regierende Ampel-Koalition will das Anbinden des Viehs verbieten. Wie es mit der Kombinationshaltung dann aussieht: Unklar. „Ich hab’ den Herrn Özdemir (Anm. d. Red.: Bundeslandwirtschaftsminister) zweimal auf die existenzielle Wichtigkeit der Kombinationshaltung für unseren Landkreis hingewiesen. Beim zweiten Mal hat er es hoffentlich kapiert“, berichtet Speer und schlägt drastische Töne an: „Ohne sie haben die Hälfte unserer rund 900 Betriebe keine Zukunft mehr.“ Dann geht’s dem Wolf an den Kragen: „Wir brauchen wolffreie Zonen. Sonst war’s das mit der Almwirtschaft.“

Sorgen um aktuelle Entwicklungen machten sich auch der Kreisobmann des Bauernverbands, Klaus Solleder, und der Krüner Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Dieser forderte alle auf, einmal in die Umgebung zu blicken: „Wir wollen doch nicht, dass es das einmal nicht mehr gibt?“ Wie die Krüner Alm überhaupt entstanden ist und welch lange Geschichte sie schon hinter sich hat, erläutert Alois Kramer, Chef der Forst- und Weidegenossenschaft Krün.

Die Krüner Alm im Estergebirge am Tag der Almbegehung des Bauernverbandes.
Ein Idyll: Die Krüner Alm ist ein malerischer Flecken im Estergebirge. © Tobias Schwaninger

Daraufhin setzt sich der Tross wieder in Bewegung. Querfeldein geht es zur Finzalm. Dort ist bereits angerichtet: Ein geschmückter Altar und sogar ein kleines Festzelt stehen bereit. Nur der Ehrengast fehlt noch. Im Gegensatz zu den Teilnehmern, die inzwischen eine rund dreistündige Wanderung in den Knochen haben, kommt der Parteichef der Freien Wähler mit dem Dienstwagen. Ein paar Minuten unterhalb steigt er aus und legt die letzten Meter zu Fuß zurück. Leger gekleidet und mit Sonnenhut, den man an diesem Tag gut brauchen kann. Mit einem lockeren „Griaß Eich“ begrüßt Aiwanger jeden Tisch. Anschließend spendet Pfarrer Stefan Märkl in einer kurzen Zeremonie dem Neubau seinen Segen. Nachdem Kramer sich noch einmal bei allen Beteiligten, ganz besonders auch Klaus Solleder für die „große Unterstützung“ bedankt haben, richtet er auch ein paar Worte an Francine von Finck. Ihre gesamte Familie hätte „dieses wunderschöne Lärchenschindel-Dach“ erst ermöglicht. Danach schlägt er schärfere Töne an und nimmt sich den Leiter des Bundesumweltamtes, Professor Dr. Dirk Messner, der vor kurzem auch eine CO2-Steuer auf Kühe ins Spiel gebracht hat, zur Brust: „Weiß er nicht, dass besonders die grasbasierte Milchproduktion, mit der Photosynthese beginnt und mit Humus-Aufbau endet?“ Dann überlässt der „Ferl“ dem Minister die Bühne.

Der gehört überall, wo man ihn in Bayern antrifft, entnommen.

Minister Hubert Aiwanger zum Wolf

Dieser schießt, ohne sie konkret zu nennen, mehrere Male gegen die Bundesregierung: „Da rennen Menschen mit Doktortiteln rum, waren selbst noch nie auf einer Alm und bestimmen über uns.“ Das Publikum hat er damit locker auf seiner Seite. „Lassen Sie sich nicht unterkriegen“, appelliert er. Natürlich greift auch er den Wolf auf: „Der gehört überall, wo man ihn in Bayern antrifft, entnommen.“ Überhaupt versteht der Niederbayer nicht, wieso sich so viele Menschen in die Landwirtschaft einmischen wollen: „Ihr leistet seit Jahrhunderten perfekte Arbeit!“

Großer Beifall. Er werde sich, „wo es möglich ist“, für ihre Anliegen einsetzen. Eines davon ist nichts Geringeres als der Fortbestand der Almwirtschaft: „Wir wollen nicht die letzte Generation sein, die das erlebt“, mahnt Solleder in seinem Schlusswort. Ernste Blicke, Beifall. Tobias Schwaninger

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