Schwarze Schafe unter den Vermiertern

Boykotteuren drohen 500 Euro Geldstrafe

Der Strafenkatalog für Meldemuffel schmeckt nicht jedem. Im Gemeinderat Krün entbrannte über einen Passus sogar eine hitzige Debatte.

Oberes Isartal – Es soll ja in der idyllischen Alpenwelt Karwendel Schwarze Schafe geben, die ihre Gäste nicht ordnungsgemäß anmelden. Diese sollen auf Geheiß der drei Partnergemeinden des Isartaler Tourismusverbunds von Kontrolleuren aufgespürt werden. Nur was passiert, wenn diese ihren Job nicht erledigen können, weil sie vom betreffenden Vermieter nicht ins Haus gelassen werden?

Dann könnte es für denjenigen teuer werden. In Zahlen ausgedrückt: 500 Euro an die jeweilige Gemeinde sind in einem solchen Fall fällig. Ein Passus, der im Mittenwalder Marktgemeinderat nach der einen oder anderen Nachfrage rasch durchgewunken wurde – nicht aber in Krün.

Lothar Ragaller findet die Regelungunverhältnismäßig. 

Auslöser der hitzigen Diskussion war Lothar Ragaller junior (Bürgerliche Wählergemeinschaft). Der BWG-Mann findet die Strafzahlung „nicht verhältnismäßig“. Die 500 Euro seien etwa bei Hoteliers angebracht – „aber nicht bei Privatvermietern“. Dabei schilderte er folgendes Szenario: Es läutet, ein Mann steht vor der Türe. Eine ältere Frau, die im ersten Stock zwei bis drei Fremdenzimmer hat, möchte den Unbekannten, der sich zwar als Kontrolleur ausweist, nicht ins Haus lassen. Aus Furcht – warum auch immer.

Sollte bei der kleinen Vermieterin tatsächlich der gleiche Maßstab angelegt werden wie in einem professionellen Hotelbetrieb mit ungleich höheren Umsätzen? Ragaller sagt kategorisch nein. „Das halte ich nicht für bürgernah“. Sein Fraktionskollege Franz-Paul Reindl konnte seiner Argumentation zwar einerseits weitgehend folgen, andererseits unterstrich er: „Wo nicht kontrolliert wird, wird beschissen.“ Und eine Überprüfung, ergänzte Alois Kramer junior (CSU), sei noch lange „kein grundsätzlicher Verdacht“.

Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) hat an dem Katalog, der gemeinsam mit den Mittenwaldern und Wallgauern ausgearbeitet wurde, ebenfalls nichts auszusetzen. Im Gegenteil: „Ich halte ihn für richtig.“ Für Anneliese Albrecht (CSU) gibt es ein ganz probates Mittel, diese drakonische Strafe zu verhindern. „Ganz einfach: reinlassen, Unterlagen geben, fertig!“ Ihrem Gegenüber Ragaller konnte sie damit nicht überzeugen. Der BWG-Chef blieb bei seiner Meinung. Damit stand er allerdings allein auf weiter Flur. Abstimmungsergebnis: 10:1.

Man darf gespannt sein, wie der Wallgauer Gemeinderat über den Strafenkatalog denkt. Das Gremium berät hierzu im Dezember.

Christof Schnürer

Rubriklistenbild: © dpa symbolbild

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