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Nichts entgeht ihm: Archäologe Andreas Fischer (weißer Helm) dokumentiert auf der Baustelle alles

Team begleitet Bautrupp

Archäologen in Klais auf Schatzsuche

In Klais spürt man den Atem der Geschichte. In dem Ort, der vor exakt 1254 Jahren erstmals urkundlich erwähnt wird, schlummern womöglich historische Schätze im Erdboden. 

Klais – Lange haben die Klaiser auf die Umgestaltungs- und Verschönerungsarbeiten in ihrem Weiler gewartet. Seit gut einem Monat nun wird entlang der Bahnhofstraße und des Elmauer Wegs gefräst, gegraben und verfüllt. 2,1 Millionen Euro verschlingt dieses staatlich geförderte Projekt der Dorferneuerung. Darin enthalten ist auch ein Salär für ein Archäologen-Team. Es begleitet den Bautrupp. Spötter würden sagen: Es schaut der beauftragten Firma aus Schongau ganz genau auf die Finger.

Diese fachliche Dokumentation ist eine Auflage bei dem Vorhaben. Immerhin könnte noch so mancher historische Schatz in dem 1254 Jahre alten Weiler im Erdreich schlummern. Ein in der Tat geschichtsträchtiger Ort, in dem das sagenumwobene Kloster Scharnitz und Teile der Römerstraße vermutet werden. Darüber ist sich Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) auch bewusst. Trotzdem meint er zu der archäologischen Begleitung: „Ich halte das für einen absoluten Schmarrn.“ Seine Argumente sind keinesfalls von der Hand zu weisen. Denn genau dort, wo nun fachkundige Wissenschaftler in die Tiefe starren, wurde bereits vor 15 Jahren wegen des Kanals beziehungsweise 2014 wegen der G7-Wasserleitung bis zu 1,60 Meter nach unten gegraben. Römische Amphoren oder sonstige interessante Funde? Schon damals Fehlanzeige. „Ich würde ja nichts sagen, wenn wir eine komplett neue Straße bauen würden“, verdeutlicht Schwarzenberger. Für ihn geht die Wahrscheinlichkeit, in demselben Loch wie vor drei Jahren etwas Verwertbares aufzuspüren, „gegen Null“.

Markus Fagner, dessen Ickinger Firma in Klais mit der archäologischen Begleitung beauftragt wurde, räumt tatsächlich ein: „Aktuell haben wir keine Befunde.“ Das könnte sich aber an den beiden Stellen, auf denen zwecks Entwässerung Rigolen (unterirdische Pufferspeicher) bis zu fünf Meter ins Erdreich platziert werden, durchaus ändern. Allein die Tatsache, dass irgendwo bei Klais die Handelsstraße der Römer verlief, rechtfertigt ihm zufolge diese Baubegleitung. „Es sind die Wurzeln, auf denen wir stehen.“ Wäre die antike Route woanders entstanden, „würde heute wohl Klais nicht da stehen, wo es ist“.

So werden er und sein Kollege Andreas Fischer weiter fleißig aufpassen, fotografieren und dokumentieren. Als Störenfriede sehen sie sich nicht. „Ich habe schon den Eindruck, dass die Leute akzeptieren, was wir hier machen“, meint Fagner.

Wie das Beispiel Lawinenverbauung an der Rainlähne zeigt, gibt es aber nicht nur Geschichtskontrolleure auf Baustellen. Als die monströse Mittenwalder Mauer an der Bundesstraße 2 nach oben gezogen wurde, gehörte Landschaftsarchitektin Evi von Lossow zum Bautrupp. Sie wachte am Rande des Naturschutzgebiets darüber, dass keine seltenen Pflanzen und Tiere in Mitleidenschaft gezogen wurden. Doch trotz ihrer wachen Augen – gefunden soll sie nichts haben.

Christof Schnürer

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