Thorsten Glauber vor Kameras und Mikrofone an der Isar bei Krün.
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Thorsten Glauber vor Kameras und Mikrofone an der Isar bei Krün.

Ein Jahr nach Besuch von Umweltminister Glauber

Aus „vorwärtsbringen“ wurde „prüfen“: In der Kies-Frage passiert für Hans Schanderl zu wenig

  • Katharina Bromberger
    VonKatharina Bromberger
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Ein Jahr ist es her, dass der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber in Krün war. In der Kies-Frage ist seither nach Meinung von Hans Schanderl (Kreisfischereiverein) zu wenig passiert.

  • In der Krüner Kies-Frage passiert nach Meinung von Hans Schanderl (Kreisfischereiverein) zu wenig.
  • Er befürchtet, dass weiter Fische sterben.
  • Schanderl plädiert für einen Kiesfang.

Krün – Bald kommen sie wieder. Ein paar Politiker, die sich und ihre Ideen präsentieren wollen. Bürgernah natürlich. Ist ja bald Wahl. Dieses Mal hat sich Johannes Becher, Grünen-Landtagsabgeordneter aus Moosburg, angekündigt. Für den 30. Juli lädt er zu einer Isarwanderung mit Halt in Krün. Parteikollege Hans Urban aus Eurasburg, der im Landtag auch die Interessen des Landkreises vertritt, wird ebenfalls vorbeischauen. Sie wollen reden, Menschen treffen. Auch einen wie Hans Schanderl. Ihn haben sie eingeladen, weil er sie über das Wehr und die Fischleiter informieren soll. Wahrscheinlich wäre er auch ohne Einladung gekommen und hätte die Politiker informiert – über sein Thema: das Fischsterben von Krün. „Ich spreche das natürlich an, ganz sicher. Und das sehr deutlich.“ Wie der Isarverantwortliche des Kreisfischereivereins das immer macht, sobald jemand vorbeischaut, der sich vielleicht endlich darum kümmert.

Vor einem Jahr waren auch Politiker da. Das große Aufgebot. Florian Streibl, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Maximilianeum. Zudem Parteifreund Thorsten Glauber, Umweltminister. Dazu Kameras, Mikrofone, Fotoapparate. Medien und Volksvertreter interessierten sich plötzlich für den Kies und die Tiere, die kurz zuvor wieder zu Tausenden qualvoll verendet waren. Weil Uniper, Betreiber des Walchensee-Kraftwerks, das Stauwehr bei Krün öffnen musste. Kies schwappte durch, Wasser fehlte, Bachforellen, Koppen, Äschen und viele weitere Wassertiere erstickten. Wie das in trauriger Regelmäßigkeit passiert – 41-mal seit 1995, hat Schanderl dokumentiert. Das sagte er auch den Politikern.

Betroffen zeigte sich Glauber, doch war ihm klar: Eine einfache Lösung gibt es nicht. Aber: „Das Vorwärtsbringen ist mein Ziel.“ Bis Herbst wollte er an einem schlüssigen Konzept feilen. Dieser Herbst 2020 ist lange vorbei. „Und passiert ist aus meiner Sicht nichts“, sagt Schanderl. Er korrigiert sich. Das sei boshaft formuliert. Er habe keine Verbesserungsvorschläge bekommen, bestimmt werde im Hintergrund gearbeitet. Für ihn – und vor allem die Fische – nur viel zu langsam.

Versprechen von 2020

Bei seinem Besuch am 23. Juli 2020 hat Glauber versprochen: „Dass die nächsten zehn Jahre wieder nichts passiert, wird’s nicht geben.“ Für Schanderl fühlt es sich aber genau so an.

Alles konzentriert sich auf das Jahr 2030. Dann läuft die Konzession für den Betrieb des Walchensee-Kraftwerks aus. Mit der Neuvergabe muss man in einem wasserrechtlichen Verfahren auch neu regeln, wie viel Isarwasser am Wehr von Krün für den Strom abgeleitet wird – derzeit etwa zwei Drittel. Viele Verbände sehen in den Verhandlungen eine riesige, vielleicht die einzig verbliebene Chance für den letzten großen Wildfluss Deutschlands, wie die Obere Isar gerne tituliert wird, und für die über 200 bedrohten Tier- und Pflanzenarten dort.

Für ihre Interessen setzt sich die Isarallianz ein, ein Zusammenschluss von Vereinen. Daraus bildete sich der Arbeitskreis Wasserkraftwerk. Er fordert ein wasserrechtliches Verfahren, in das die Bürger eingebunden werden und bei dem die Umweltverträglichkeit geprüft wird.

Verbesserung nach 2030?

Alles wunderbar, alles wichtig, sagt Schanderl. Nur arbeite jeder darauf hin, dass sich die Situation nach 2030 verbessert. „Aber kein normaler Mensch kann doch sagen: Gut, bis dahin lassen wir die Fische sterben.“ Die Aussagen aus dem Umweltministerium dürften den 73-Jährigen nicht beruhigen.

Dort trägt das Thema seit 2018 den Titel „Zukunft des Walchensee-Systems“. Ein Sprecher beschreibt es als „sehr komplexen Sachverhalt, der eine intensive Zusammenarbeit der verschiedenen Beteiligten erfordert“. Das Ganze werde „mit großer Sensibilität“ verfolgt, lässt er wissen auf die Tagblatt-Nachfrage hin, was in einem Jahr aus Glaubers Vorwärtsbringen-Ziel geworden sei. Viele Belange – darunter die Kiesproblematik – müssten „sehr sorgfältig geprüft und abgewogen werden“. Recht viel konkreter wird der Sprecher nicht. Er schreibt noch von einem Fahrplan für das weitere Vorgehen. Aktuell arbeiten im Haus demnach die Bereiche Wasserwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz, Finanzen und Wirtschaft an den Rahmenbedingungen für das Wasserrechtsverfahren. Betroffene Kommunen, Interessensvertreter und der Kraftwerksbetreiber sollen beteiligt werden. Bis die „fachlichen Grundlagen“ für das Verfahren stehen, dürften zwei bis drei Jahre vergehen.

Viele Fische könnten sterben

Tausende Fische könnten in dieser Zeit verenden. Dabei ließe sich doch sofort etwas machen, glaubt Schanderl. Stichwort Kiesfang. Wie oft er dieses Wort wohl schon gesagt, dieses Bauwerk wohl schon gefordert hat. Seit vielen Jahren setzt sich der Kocheler dafür ein. Ein vernünftiges Kiesmanagement, davon ist er überzeugt, würde allen helfen. Das wird er auch den Grünen-Politikern mit auf den Weg geben. Wie er es schon so vielen Politikern mit auf den Weg gegeben hat.

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