Gefahrenstelle: An diesen Serpentinen unterhalb des Gipfels ist es zu dem Steinschlag gekommen.
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Gefahrenstelle: An diesen Serpentinen unterhalb des Gipfels ist es zu dem Steinschlag gekommen.

Biker wehren sich gegen Vorwürfe

Nach Steinschlag-Vorfall durch Mountainbiker: Experte wehrt sich - „Fleischklops Mensch ist Schuld“

  • vonChristof Schnürer
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Nach Steinschlag-Vorfall auf der Schöttelkarspitze warnt Experte vor der Verteufelung aller Mountainbike-Fahrer. Die Diskussion nach dem Vorfall sei wenig zielführend.

  • Mountainbiker sehen sich häufig Anfeindungen ausgesetzt.
  • Ein Bike-Experte verteidigt die Sportart.
  • Es liege nicht am Sportgerät, sondern am Mensch der es bedient.

Oberes Isartal – Die Steinschlag-Geschichte auf der Schöttelkarspitze schlägt hohe Wellen – gerade in den Sozialen Medien. Dort wird hin und her diskutiert, wer letztlich im Gebirge den Vorrang hat. Eine wenig zielführende Diskussion, findet Mathias Marschner. In den Bergen tummeln sich ihm zufolge nicht Wanderer, Trailrunner, Mountainbiker, Jäger, Almwirte und -bauern, Förster, E-Biker, Nordic Walker oder Reiter. „Es bewegen sich in allererster Linie Menschen.“

Mountainbike-Experte ärgert sich über Reaktionen auf die Steinschlag-Geschichte

Der 53-Jährige aus Dießen ist zum einen mit seiner Firma TrailXperience Reiseveranstalter, zum anderen fungiert er als Leiter des Bundeslehrteams Mountainbike der DIMB (Deutsche Initiative Mountainbike e. V.), die laut Marschner jährlich bis zu 750 Teilnehmer in über 60 Lehrgängen in den Bereichen MTB-Guiding und -Fahrtechniktrainer ausbildet. Mit anderen Worten: Wenn es ums Radlfahren im Gebirge geht, kennt sich der Unternehmer vom Ammersee bestens aus.

Der Bericht über die Bergsteiger aus Ehrwald, die am vergangenen Samstag auf der Schöttelkarspitze in einen Steinschlag gerieten – offenbar ausgelöst von drei Bikern – hat ihn hellhörig und auch ein wenig ärgerlich gemacht. Wieder werde die Mountainbike-Gemeinde, die stetig wächst in Deutschland, als unsensibler „Eindringling“ gebrandmarkt. „Das ist eine höchst subjektive Einstellung“, stellt Marschner klar. Denn nirgendwo sei in Stein gemeißelt, dass der Mensch im Gebirge ausschließlich wandern müsse. Auch Fahrradfahrer hätten in luftigen Höhen ihre Existenzberechtigung. „Denn die wollen auch ganz entspannt auf dem Spielzeug Drahtesel in die Berge und die Natur.“ Den Unterschied mache also nicht „das Stück Schuhsohle, Carbon, Alu, sondern der Fleischklops, der diese nutzt: der Mensch eben“. Und genau diese Spezies beeinflusst die Umwelt. Im aktuellen Fall Schöttelkarspitze leitet Marschner daher ab: „Der Steinschlag passiert aufgrund einer Unachtsamkeit oder eines Fehlers, völlig unabhängig davon ob dieser nun mit einem Mountainbike geschah oder zu Fuß.“

Steinschlag-Vorfall an der Schöttelkarspitze: „Forststraßen sind viel gefährlicher“

Gleichwohl müssen auch Freizeitsportler auf zwei Rädern Regeln beachten. Doch Hinweisschilder führen oft am Ziel vorbei. Marschner erwähnt in diesem Zusammenhang eine Tafel in der Jachenau, die für ihn keine Bitte formuliert, die Räder dort abzustellen, sondern eine rechtliche Verordnung suggeriert. Diese Versuche schlagen für Marschner nur einen Keil zwischen die Nutzergruppen, da sie diese unnötigerweise gegeneinander aufbringen.

Wohl auch deshalb sah sich die Frau aus Ehrwald veranlasst, die drei Biker zurechtzuweisen. In ihrer Situation nachvollziehbar, räumt der Mann aus Dießen ein. Doch warnt er davor, diese Beispiele zu verallgemeinern. „Das Unfallrisiko auf Forststraßen ist viel höher als auf schmalen Steigen.“ Weil der Biker auf breiten Bahnen ein deutlich höheres Tempo fährt. Für Marschner gilt daher die Faustregel: „Auf geeigneten Wegen darf ich mich bewegen.“ Eine ebenfalls sehr dehnbare Formulierung. Doch Marschner wird konkreter: „Was du tust, muss im Einklang mit dem sein, was du kannst!“

Respekt ist das A und O im dicht besiedelten bayerischen Alpenraum

Und natürlich ist der Respekt aller Bergwelt-Begeisterten im dicht besiedelten bayerischen Alpenraum das A und O. Heißt für den Dießener im Spannungsfeld Biker/Wanderer: „Der Schwächere hat Vorrang.“ Wenn also ein Mountainbiker bergab auf einen Bergsteiger trifft, hat der Biker rechtzeitig anzuhalten, damit der Wanderer vorbei kann – und das am besten noch mit einem freundlichen „Grüß Gott“.

Von soviel Miteinander war Kurt König zuletzt meilenweit entfernt. Der ehemalige Weltklasse-Bergläufer aus Mittenwald ist seit geraumer Zeit aufs Mountainbike umgestiegen. Oft ist er damit rund um seinen Heimatort unterwegs. Neulich erst strampelte er damit von der Kranzberg-Bergstation zur Korbinanhütte. Dann begegnete er zwei älteren Wanderern. „Plötzlich kriege ich einen Schubser und liege im Wald.“ Ein anderes Mal wurde König bei der Begegnung mit Fußgängern absichtlich auf einmal angehustet. „Ich kann meine Aversion zum Ausdruck bringen, aber nicht auf diese Weise.“ Auch diese Beispiele zeigen: Ohne Respekt geht es nicht – schon gar nicht in unseren geliebten Bergen.

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