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Präsident zum Anfassen: Barack Obama (M.) lächelt mit (v.l.) General-Manager Nikolai Bloyd, dessen Frau Dalia Banerjee, Spa-Direktorin Dr. Imke König und Schlossherrn Dietmar Müller-Elmau um die Wette.

US-Amerikaner will aber in Bayern bleiben

Chips für Obama, Foto mit Merkel: G7-General verlässt Schloss Elmau mit schönen Erinnerungen

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Aufhören, wenn’s am schönsten ist: Nach acht Jahren verabschiedet sich Hotel-Manager Nikolai Bloyd von Schloss Elmau. „Ich verlasse das Haus als Freund“, versicherte der leitende Angestellte seinem Chef Dietmar Müller-Elmau. 

Elmau– Keine Frage: Mit Nikolai Carroll Bloyd ist das ohnehin renommierte Tourismus-Flaggschiff Schloss Elmau in völlig neue Dimensionen vorgestoßen. Seit der US-Mann mit kalifornischen und deutschen Wurzeln (die Mutter stammt aus Kassel) als General-Manager das Fünf-Sterne-Luxus-Resort an der Seite von Geschäftsführer Dietmar Müller-Elmau steuert, zeigt die Erfolgskurve steil nach oben. Der Umsatz wurde seit 2010 (15 Millionen Euro) mit 32 Millionen Euro (2017) mehr als verdoppelt. Und heuer soll das sogar getoppt werden. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs in derselben Zeit von 230 auf 340. Nebenbei heimste der Leuchtturm am Fuße des Wettersteins alle weltweiten Auszeichnungen ein, die die Branche zu vergeben hat. Vieles deutet zudem darauf hin, dass in Herbst die Elmauer Gourmet-Küche mit dem zweiten Michelin-Stern belohnt wird.

„Der perfekte Moment auszusteigen“, meint Bloyd. Die Entscheidung ist ihm nicht leicht gefallen. „Aber entweder mache ich jetzt was Neues, oder ich bleibe die nächsten 20 Jahre in Elmau.“ Der 45-jährige Amerikaner hat sich zum Wechsel entschlossen. Wohin es ihn verschlägt, weiß er noch nicht. „Ich möchte auf alle Fälle in Bayern bleiben.“ Dort, wo seine beiden Buben Keaton (10) und Ellis (9) aufwachsen. Dort, wo er seine Frau Dalia Banerjee 2002 kennen und lieben lernte. 2005 wurde aus der erfolgreichen Konzertpianistin aus der Schweiz und dem Amerikaner ein Ehepaar. „Sie ist total hübsch, es war Liebe auf den ersten Blick“, hält Bloyd mit seinen Gefühlen nicht hinter dem Berg. Natürlich liefen sich die zwei in Schloss Elmau über den Weg – sie als PR-Expertin, er als Assistent-General-Manager. Den Großbrand des 1916 erbauten Refugiums am 7. August 2005 erlebte Bloyd noch am eigenen Leib mit. Dann zog es ihn wieder in die Heimat. Doch nach lehrreichen Jahren im Auberge du Soleil in Rutherford/Kalifornien kehrte Bloyd 2010 zurück – und wie.

US-Präsident Obama reiste mit großer Entourage an - nicht ohne Folgen

Für ein Basketballspiel im Fernsehen hat Bloyd seinem prominenten Gast Snacks beschafft – Tortilla-Chips mit Salsa- und Guacamole-Dip.

Seitdem erlebte er unglaubliche Dinge in einem Haus, das sein verstaubtes Image ablegte und zum Luxus-Domizil wurde. Natürlich schießt dem General-Manager, der am 23. August seinen letzten Arbeitstag hat, der G7-Gipfel in Juni 2015 durch den Kopf. Was viele nicht wissen. Da die Entourage von US-Präsident Barack Obama so groß war, musste der bestgeschützte Politiker der Welt statt im neugebauten Retreat kurzerhand im Wetterstein-Flügel untergebracht werden. „Es hat so viel Spaß gemacht“, erinnert sich Bloyd. Als er das sagt, zeigt er auf einen mächtigen Baum vor den Präsidenten-Suite im ersten Stock. „Da saß ein Scharfschütze drin.“ Bloyd bemerkte ihn erst, als er beobachtete, wie dem Sicherheitsbeamten mittels Rucksack am Seil frisches Wasser gereicht wurde. Was tut man nicht alles für seinen Präsidenten. Das dachte sich Bloyd, als er für den sportbegeisterten Obama, der abends ein Basketballspiel sehen wollte, wahre Improvisationskunst an den Tag legte. Per Taxi orderte Bloyd Obamas Wunsch-Tortilla-Chips aus München, die dem Mann aus dem Wetterstein-Flügel mit Guacamole (Avocado-Dip) und Salsa gereicht wurden. Bloyd muss herzhaft lachen, als er diese Episode in Zeiten des Ausnahmezustands erzählt.

Kanzlerin Merkel spazierte plötzlich herein: „Wir haben geschrien und sie angefeuert.“

Gruppenbild mit Kanzlerin: Angela Merkel reiht sich im Konzertsaal in die Elmauer Belegschaft ein, was auch Schlossherrn Dietmar Müller-Elmau (r.) freut.

Ein wenig feuchte Augen bekommt der G7-General, als er die folgende Anekdote berichtet. „Es war so emotional.“ Auf was der Amerikaner anspielt, der 2002 bei seinem ersten Engagement in Elmau – trotz deutscher Mutter – kein Wort Deutsch konnte, ereignete sich zum Finale des Gipfeltreffens. Nach Rücksprache mit dem Kanzleramt hatte Bloyd trotz allgemeinen Trubels ein Erinnerungsfoto aller Mitarbeiter im altehrwürdigen Konzertsaal arrangiert. Das Zeitfenster – eine halbe Stunde. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass die zirka 100 G7-Angestellten erst aus sämtlichen Schlosswinkeln zusammengetrommelt werden mussten. Als sich alle vor der riesigen „G7 Germany“-Tafel in Position bringen und ihr bestes Lächeln aufsetzen, geht auf der anderen Seite des riesigen Raums plötzlich die Türe auf. „Wir wussten wirklich nicht, dass sie kommt.“ Mit „sie“ meint Bloyd niemand anderen als Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin marschierte in ihrem rosafarbenen Blazer eiligen Schrittes zu den Elmauern. „Wir haben geschrien und sie angefeuert“, erzählt der General-Manager. „In diesem Moment spürten wir alle so viel Energie.“

Diese Erinnerungen nimmt Boyd mit. „Ich verlasse das Haus als Freund“, hat er seinem Chef und Mentor Dietmar Müller-Elmau versichert. Was dieser in diesem paradiesischen wildromantischen Tal geschaffen hat, „das ist einmalig, das gibt es nirgendwo – auch nicht in Amerika“. Nun also heißt es für Nikolai Caroll Bloyd Abschied nehmen, „aber es ist kein Goodbye“.

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