(Symbolbild)
+
„Corona-Brocken“ und Virenschleudern: Familie nach Infektion übel beschimpft - bis heute keine Entschuldigung (Symbolbild).

Vor einem Jahr

„Corona-Brocken“ und Virenschleudern: Familie nach Infektion übel beschimpft - bis heute keine Entschuldigung

  • Peter Reinbold
    vonPeter Reinbold
    schließen

Seine Mutter war Fall Nummer zwei: der zweite Corona-Fall im Landkreis Garmisch-Partenkirchen im März 2020. Danach erlebten Martin Paschek und seine Familie eine harte Zeit, voller Anfeindungen und Beschimpfungen.

  • Martin Paschek, seine Familie und Mitarbeiter wurden als Corona-Brocken und Virenschleudern beschimpft.
  • Ein Jahr später ist die Erinnerung an den Corona-Anfang im Landkreis frisch, seine Mutter war der zweite Fall.
  • Nachtragend ist der Geschäftsmann nicht - auch wenn sich kein Krüner für die Beleidigungen entschuldigt hat.

Krün – Die Erinnerung, die Martin Paschek an die Zeit vor einem Jahr hat, ist frisch. So frisch, als sei alles erst vor wenigen Tagen passiert. Es war vor allem eine schwere Zeit, die in den ersten März-Wochen 2020 – für ihn, seine Firma, seine Mitarbeiter, seine Familie, vor allem für seine Mutter Hedi. Die damals 61-Jährige, Chefin des Hotels zum Bad am Krüner Bärnbichl, war Corona-Patient zwei im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Als Erster hatte sich ein Murnauer nach einem Südtirol-Urlaub mit dem Virus infiziert.

Corona im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Nach ersten Infektionen - Familie als „Corona-Brocken“ und Virenschleudern im Dorf beleidigt

Teile der Krüner Bürger nahmen Martin Paschek, der in Krün mit 15 Mitarbeitern die Raumkunst Werdenfels betreibt, seine Familie und seine Angestellten in Sippenhaft. „Das war schlimm, wenn dich Leute zu Hause anrufen und beschimpfen.“ Seine Beschäftigten erlebten sogar einen Spießrutenlauf im Dorf, als man sie sehr unfein als „Corona-Brocken“ beleidigte. Dabei stand schon damals fest, dass die Testergebnisse allesamt negativ ausgefallen waren.

Doch kaum einer der „besorgten Bürger“ ließ sich dadurch davon abhalten, seine Ängste auf die Pascheks zu kaprizieren. Das Denunziantentum feierte fröhliche Urständ. Als sich Martin Paschek nicht mehr anders zu helfen wusste, suchte er den Weg an die Öffentlichkeit, machte publik, was in Krün passierte, wie übel ihm mitgespielt wurde. „Ich musste einfach die Handbremse ziehen. Erst nach dem Artikel im Tagblatt hat sich die Situation verändert und auch relativ schnell beruhigt“, sagt er.

Das war schlimm, wenn dich Leute zu Hause anrufen und beschimpfen, erinnert sich Martin Paschek.

Beschimpfungen nach Corona-Infektion: Erst nach Weg in die Öffentlichkeit entspannt sich die Situation

Nachtragend ist er nicht, auch nachtarocken möchte er nicht. Heute sei das Verhältnis zu den Krünern wieder wie früher, sagt Martin Paschek. Obwohl sich keiner von denen, die seine Familie und seine Mitarbeiter damals terrorisiert und sich im Ton vergriffen hatten, sie zu Virenschleudern erklärten, bei ihm jemals entschuldigt haben. Offenbar besitzt er Nehmerqualitäten. Er stellt klar: „Es sind keine Narben oder Verletzungen geblieben.“

„Gut“, sagt Paschek, gehe es auch seiner Mutter wieder, obwohl sie manchmal über Atemnot und andere Wehwehchen klage, die sie auf die Corona-Infektion zurückführt. Die Führung des Hotels zum Bad, das sie zusammen mit ihrem Ehemann Engelbert seit 1983 leitete, hat sie Martin Paschek zufolge im Sommer vergangenen Jahres an dessen Geschwister übergeben. Sie sind ebenfalls Corona-Geschädigte. „Sie hatten keinen guten Start“, sagt er.

Ein Jahr nach Corona: Mutter geht es wieder gut, doch spürt sie Nachwirkungen der Infektion

Seit Monaten ruht der Hotelbetrieb Pandemie-bedingt. Keine Gäste, keine Einnahmen. Und auch der Staat, der großzügige finanzielle Soforthilfen versprochen habe, lasse seine beiden Brüder im Stich. „Bis heute ist kein Geld geflossen, kein Euro.“ Sein Geschäft hingegen floriert. „Wir sind gut ausgelastet. Ich kann mich nicht beschweren.“

Die Hotellerie und Gastronomie, die er mit seiner Firma ausstattet – „alle im Landkreis leben doch irgendwie vom Tourismus“ – , hoffen auf baldige Lockerungen und eine Öffnungsstrategie der Politik. Die können allerdings nur funktionieren und von Dauer sein, wenn große Teile der Bevölkerung geimpft sind, Herdenimmunität besteht.

Zu denen, die sich ein Vakzin spritzen lassen, wird Paschek nicht gehören. Er zählt zu den Impfskeptikern, genauer: Er ist ein Impfverweigerer. Die Frage, ob er sich ein Serum injizieren lassen werde, beantwortet er eindeutig: „Nie im Leben.“ Und seine Mutter? „Die glaube ich auch nicht.“ Dabei sind die Erinnerung an das, was eine Corona-Infektion auslösen kann, noch frisch.

„Die Folgen der Corona-Pandemie stellen auch Apotheken vor große Herausforderungen - und führen zu enormen Verlusten. Viele Medikamente werden zu Ladenhütern. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen GAP-Newsletter.

(Von Peter Reinbold)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare