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Der AlpenCaravanpark Tennsee ist bei Gästen beliebt.

Stornierungen für Juni am laufenden Band

Corona-Krise: Campingplatz-Chef schildert seine Sorgen und die vieler Gewerbetreibender

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Viele Gewerbetreibende sind in diesen Tagen von Existenzängsten geplagt. Vor allem, weil niemand vorhersagen kann, wie lange die Krise anhält. Einer, der sich Sorgen macht, ist Andreas Zick aus Krün.

Krün – Der AlpenCaravanpark Tennsee ist eine Erfolgsgeschichte. Als Tourismus-Visionär Karl Zick (1904 bis 1984) die vom Reichsarbeitsdienst umgepflügte Buckelwiese 1953 in einen Campingplatz umwandelt, floriert binnen kurzer Zeit das Geschäft. In der europäischen Caravan-Szene ist das Krüner Refugium ein Hotspot – Sommer wie Winter. Das belegen auch die Übernachtungszahlen. Ein Fünftel der knapp halben Million per anno im Isartal-Dorf werden dort generiert.

Doch mit der plötzlich herein gebrochenen Corona-Krise ziehen dunkle Wolken auf. Stürmische Zeiten sind auch am Tennsee angebrochen. Mit welch gravierenden Einschnitten Tourismus-Betriebe zu kämpfen haben, führte Andreas Zick (53), der den umsatzstarken Familienbetrieb in der dritten Generation führt und seit 2008 für die CSU im Krüner Gemeinderat sitzt, im Zuge der Etat-Aussprache in beeindruckenden Worten exemplarisch anhand seines Betriebs vor.

Keiner kann vernünftig planen

In unvorstellbarem Tempo haben globale Ereignisse Zicks Caravanpark überrollt. Der studierte Betriebswirt beschreibt das so: „Im Januar habe ich den Neubau der Küche geplant, im Februar beschlich mich ein komisches Gefühl, im März arbeite ich einen Notfallplan aus.“ Die Ratskollegen, die gerade noch diskutiert haben, wie sich die Corona-Krise auf die Schlüsseleinnahmen der Gemeinde auswirkt, hören gespannt zu. Im ohnehin spärlich gefüllten Sitzungssaal herrscht gespenstische Ruhe.

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Das Schlimmste für jeden Gewerbetreibenden ist aktuell: Keiner weiß, wann der beispiellose Ausnahmezustand beendet ist. Keiner kann vernünftig planen, während der Betrieb total zum Erliegen gekommen ist. „Den Betreibern wird hierbei die Basis Ihres Geschäfts entzogen, da die Einnahmen wegbrechen, während die fixen Kosten bleiben.“ Ein weiteres Problem:„Kein Unternehmer hält die Liquidität länger als drei Monate vor.“

Hälfte der Belegschaft wird in Kurzarbeit geschickt

Der Vorteil bei den Zicks: „Wir haben zwei starke Jahre hinter uns, wir können zwei bis drei Monate überbrücken.“ Zudem kann die Familie, denen das gesamte Areal gehört, kurzfristig entscheiden. Und bei den Banken sind die Tennseer durchaus kreditwürdig. Für Zick steht dabei außer Frage: „Ich stelle niemanden aus. Denn ich brauche die Leute, wenn’s wieder läuft.“ Die Frage ist nur – wann?

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 Ab April schickt der 53-Jährige die Hälfte seiner 22-köpfigen Belegschaft in Kurzarbeit. Bereits jetzt laufen reihenweise Stornierungen für Juni ein. „Die Leute sind extrem verunsichert.“ Realistisch betrachtet, rechnet Zick heuer mit bis zu 40 Prozent weniger Übernachtungen. Ähnlich wird sich die Corona-Krise wohl auf die weiteren Schlüssel-Herbergen Elmau und Kranzbach auswirken. Das heißt: Der Gemeinde Krün brechen Steuereinnahmen im hohen sechsstelligen Bereich weg.

Fragen über Fragen

Doch auch falls der Betrieb am Tennsee in absehbarer Zeit wieder anlaufen sollte: „Keiner kann mir sagen, wie ich meine Gemeinschaftsräume einrichten oder mein Restaurant führen darf.“ Bedienen die Servicekräfte dann aus Hygienegründen mit Masken oder Mundschutz? Fragen über Fragen. Doch der scheidende Gemeinderat hat den Zick’schen Pioniergeist mit der Muttermilch aufgesogen. Jetzt, wo alle stillhalten, investiert er, lässt Leerrohre verlegen und die Terrasse in puncto Stromversorgung auf den neuesten Stand bringen. „Weiter Kopf hoch und gesund bleiben.“ Ein Zick gibt nicht auf.

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