Gestrandet im Gewerbegebiet: Direkt neben der neuen Vereine-Halle stehen die insgesamt sieben Wohnwagen der Puppenspielerfamilie. Fotos (2): kunz
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Gestrandet im Gewerbegebiet: Direkt neben der neuen Vereine-Halle stehen die insgesamt sieben Wohnwagen der Puppenspielerfamilie.

Gemeinde erwägt rechtliche Schritte

Endstation Gewerbegebiet: Familie sitzt in Krün fest - „Hilfsbereitschaft überstrapaziert“

Bedingt durch den Corona-Lockdown stehen die sieben Wohnwagen einer Puppenspieler-Familie seit Herbst im Gewerbegebiet in Krün. Jetzt sollen sie weiterziehen. Doch es gibt Probleme.

Krün - Wann hören Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft auf? Mit dieser Frage beschäftigen sich aktuell die Verantwortlichen im Krüner Rathaus. Da geht es um das Schicksal der Puppenspieler-Familie Sperlich, die seit Monaten auf dem Gewerbegebiet Süd festsitzt. Die achtköpfige Gruppe – einschließlich vier Kinder, Oma und krankem Schwager – wurde während zu Beginn der Corona-Pandemie während des ersten Lockdowns im März 2020 aus Tirol ausgewiesen. Im Schlepptau der Artistenfamilie Brumbach strandete sie zunächst in Mittenwald. Während die Brumbachs bereits im Herbst 2020 in ihr Stammquartier Stams in Tirol zurückgekehrt sind, blieben die Sperlichs zunächst auf dem ihnen von der Marktgemeinde zugewiesenen Stellplatz auf der Ladestraße West. Am 20. November 2020 fanden sie in Krün einen neuen Unterschlupf.

Gestrandet im Corona-Lockdown: Puppenspieler-Familie sitzt in Krün fest - gegen den Willen der Gemeinde

Die Gemeinde hatte ihnen das Gelände im Gries für die sieben Wohnwagen zugewiesen. Am 5. Dezember stellte schließlich Landwirt Georg Porer vom Kramerhof den Sperlichs seinen von der Gemeinde im Gewerbegebiet Süd gepachteten und für eine eigene Baumaßnahme vorgesehenen Platz gegen Entgelt für Miete und Strom bis Ende März 2021 zur Verfügung.

Vor zweieinhalb Wochen endete die Frist. Doch geräumt wurde der Platz bis jetzt nicht. „Ich habe in den Rathäusern in Garmisch-Partenkirchen, Grainau, Farchant, Oberau und Oberammergau um einen Stellplatz gegen Bezahlung angefragt“, versichert Familienoberhaupt Hubertus Sperlich. „Wir haben überall nur Absagen erhalten.“

Nach Monaten der Lockdown-Duldung: Familie sitzt in Gewerbegebiet fest - und wollen da auch bleiben

Für Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) hört das Entgegenkommen trotz dieser Beteuerungen auf. „Die Sperlichs hätten in ihrer Heimatstadt Dillingen eine Stellplatz-Möglichkeit auf eigenem Grund. Sie wollen aber im Oberen Isartal bleiben.“ Im Rathaus wundert man sich zudem, dass bis jetzt noch kein Antrag auf Corona-Unterstützung gestellt wurde. „Meines Wissens werden sie von den Gemeinden Mittenwald und Krün, der Kirche, von einigen Institutionen und von hilfsbereiten Bürgern unterstützt“, informiert Schwarzenberger.

Das Grundstück ist kein Campingplatz und hat keinen Abwasseranschluss

Bürgermeister Thomas Schwarzenberger

Im Raum steht auch die Frage nach der Abfallentsorgung. „Das Grundstück ist kein Campingplatz und hat keinen Abwasseranschluss“, sagt der Rathauschef. Sichtlich genervt schiebt er nach: „Ich weiß, dass sie schon Abwasser in einen Sickerschacht geschüttet haben und die Allgemeinheit auch für den anfallenden Müll aufkommen muss.“

Dem widerspricht Sperlich energisch. „Wir dürfen in der Tankstelle Achner gegen Bezahlung auf die Toilette und fahren im Sammeltransport nach Klais, um dort die öffentlichen WC-Anlagen im Bahnhof zu nutzen. Unseren Restmüll entsorgen wir gegen Bezahlung auf dem Recyclinghof.“ Sperlich versichert zudem, „dass wir uns ohne Corona schon längst einem Wanderzirkus angeschlossen und auf einer Tournee wieder eigenes Geld verdient hätten“.

Kein Mitleid trotz Corona-Lockdown: Krün will Puppenspieler-Familie im Gewerbegebiet loswerden

Bei Landwirt Porer hält sich das Mitleid in Grenzen. „Die im Winter täglich anfallenden 30 Euro Stromkosten – immerhin rund 900 Euro im Monat – und die vereinbarte Miete sollen die Sperlichs ihm zufolge nur unregelmäßig bezahlt haben. „Auf die noch ausstehenden rund 250 Euro würde ich verzichten, wenn sie nur endlich meinen Platz räumen. Schließlich habe ich anderes zu tun, als mich jeden Tag um diese Familie zu kümmern.“

Dazu kommt, dass auf Porer noch ein Mahnschreiben vom Bürgermeister wartet. „Für das Gelände gibt es Auflagen, und deshalb ist der jetzige Zustand rechtswidrig“, verdeutlicht Schwarzenberger den Ernst der Lage. „Wir werden Herrn Porer auffordern, den Zustand zu beseitigen.“ Der Gemeindechef ist sauer, dass sich die Betroffenen erst spät um ihren weiteren Verbleib gekümmert haben. „Wir wollen, dass sie den Platz räumen und prüfen, welche rechtlichen Schritte wir einleiten können. Dies wurde übrigens schon Monate vorher angekündigt.“ Die Betroffenen sind verzweifelt. „Wir suchen dringend gegen Bezahlung ein neues Gelände in der Größe von ungefähr 20 mal 15 Metern mit Strom- und Wasseranschluss“, wendet sich Sperlich an die Öffentlichkeit. „Finanziell werden wir nur durch Verwandte und Freunde sowie durch die Kindergeld-Zahlungen unterstützt.“

Warum es die Zirkusfamilie Brumbach im Herbst 2020 in ihr Quartier in Tirol geschafft hat und die Sperlichs ihr nicht dorthin gefolgt ist, das bleibt ungeklärt. „Für mich haben sie sich zu wenig bemüht, und zudem bin ich mehrfach belogen worden“, ärgert sich Schwarzenberger, „Unsere Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft ist mittlerweile überstrapaziert.“ Wolfgang Kunz

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