Corona: Krüner Unternehmer und seine Mitarbeiter im Dorf diffamiert 
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Alle Tests negativ - und trotz will Martin Paschek offenbar niemand im Dorf glauben.

Letzter Ausweg Öffentlichkeit

Weil Familienmitglied vom Chef infiziert ist: Dorf beschimpft Mitarbeiter als „Corona Brocken“

  • Christian Fellner
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Martin Paschek hat es schwer genug: Ein Familienmitglied infizierte sich mit dem Coronavirus. Nun stehen alle seine Mitarbeiter unter Generalverdacht - und werden im Dorf gemobbt.

  • Martin Paschek (36) hat ein Problem: Der Corona-Fall in Krün ist ein Familienmitglied. Nun machen Gerüchte die Runde, die ihn und seine Gemeinde in ein schlechtes Licht rücken. 
  • Er wird als infiziert diffamiert, die Mitarbeiter werden auf Baustellen als „Corona-Brocken“ beschimpft. 
  • Nun wehrt sich der Krüner Unternehmer. Und das Landratsamt bestätigt: Alle Tests bisher waren negativ, Paschek daher nie ansteckend.

Krün – Martin Paschek ist 36. Ein junger Unternehmer also. In seiner Heimat Krün hat er einen stattlichen Betrieb aufgebaut hat: 15 Angestellte beschäftigt er unter dem Dach der Firma Raumkunst Werdenfels. Soweit, so gut. Martin Paschek hat derzeit allerdings ein großes Problem: Seit der Fall einer 60-jährigen Krünerin bekannt wurde, die mit dem Coronavirus infiziert wurde, sehen sich seine Mitarbeiter und er einem Spießrutenlauf im Dorf ausgesetzt. Denn: Die Erkrankte ist ein Familienmitglied.

„Es gehen Gerüchte um, ich wäre positiv getestet worden, wie ich da meine Leute noch auf die Baustellen schicken kann“, betont Paschek frustriert. „Meine Mitarbeiter werden als Corona-Brocken beschimpft.“ Keine angenehme Situation. Dabei stellt der Isartaler eines klar: „Mein erster Test war negativ.“ Und nicht nur das: „Alle Tests in unserem familiären Umfeld waren negativ.“

Was das bedeutet, stellt Stephan Scharf, der Pressesprecher des Landratsamtes klar heraus: 

„Herr Paschek kann seine Mitarbeiter nicht angesteckt haben, sie sind definitiv gesund.“ 

Die Begründung: Der Erkrankte ist maximal zwei Tage vor und zwei Tage nach einer Infektion ansteckend. Da Paschek negativ getestet worden war, kann somit keine Ansteckung erfolgt sein. „Es ist völlig unbegründet, den Betrieb und seine Mitarbeiter zu stigmatisieren“, stellt Scharf klar.

Coronavirus in Krün: Kontakt mit den Mitarbeitern nur übers Telefon

Selbst wenn eine weitere Untersuchung, die zur Hälfte der Quarantäne-Zeit von 14 Tagen sowie zum Ende ansteht, ein anderes Resultat ergeben würde: Paschek war zum Zeitpunkt des letzten Kontakts mit seinen Angestellten nicht erkrankt. Seither befindet er sich in häuslicher Quarantäne, verkehrt mit seinen Mitarbeitern maximal über das Telefon. „Wenn ich positiv gewesen wäre, hätten alle, mit denen ich in Kontakt stand, sofort in Quarantäne müssen“, merkt er selbst an.

Coronavirus in Krün: Letzter Ausweg Öffentlichkeit

Paschek sah als letzten Ausweg, an die Öffentlichkeit zu gehen. „Es geht jetzt um meinen Betrieb“, sagt er deutlich. „Wir arbeiten derzeit auf vier größeren Baustellen.“ Darunter sind Hotels in Mittenwald, Oberammergau und Ettal, die auf die Dienste der Krüner Raumausstatter bauen. „Die müssen wissen, dass bei uns alles in Ordnung ist.“

Paschek wollte als Beweis für die Denunzianten im Ort sogar einen seiner Mitarbeiter auf das Virus testen lassen. Doch da spielte der Arzt nicht mit. Ohne einen Verdacht werde kein Test ausgeführt, bekam er zu hören. Somit sind ihm die Hände gebunden.

Froh ist er, dass es der Erkrankten in der Familie mittlerweile besser geht. „Eine Woche lang war sie richtig krank. Jetzt schaut sie wieder relativ fit aus.“ Das ist aber auch der einzige positive Fakt in dieser Angelegenheit. Die Frau eines Mitarbeiters, die in einer Arztpraxis arbeitet, sei sogar nach Hause geschickt worden, erzählt Paschek. „Das zieht Kreise – unvorstellbar.“

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