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Tabu-Zone: Auf dem Wanderparkplatz im Gries darf kein Wohnraum entstehen.

Einheimischen-Modell in Krün 

Wohnen verboten

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Viele Gemeinden packen’s an: Sie schaffen bezahlbaren Wohnraum. Krün verfolgt das gleiche Ziel. Doch das dafür auserwählte Areal am Wanderparkplatz im Gries scheidet aus. Bei der Bürgerversammlung im Kurhaus machte Rathauschef Thomas Schwarzenberger den Zuhörern aber neue Hoffnung.

Krün – Die Einwohner Krüns mussten sich warm anziehen. Womit die etwa 80 Interessierten am Mittwochabend bei der Bürgerversammlung rund zweieinhalb Stunden konfrontiert wurden, ließ sie erzittern. Schuld daran waren nicht die Inhalte von Thomas Schwarzenbergers (CSU) ausführlichem Bericht. Die Heizung im Festsaal des Kurhauses wollte nicht so recht funktionieren. Gut, dass der Rathauschef ein herzerwärmendes Anti-Kälte-Mittel dabei hatte: gute Nachrichten in Sachen Einheimischenmodell.

Dabei klangen seine ersten Ausführungen zu dem Thema nach allem, aber nicht nach einer frohen Botschaft. Nach dem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats im vergangenen Dezember, auf dem Wanderparkplatz am Griesweg bezahlbaren Wohnraum entstehen zu lassen, traten im weiteren Verlauf Schwierigkeiten auf. Um für diese Fläche Baurecht zu schaffen, hätte ein Bebauungsplan aufgestellt werden müssen. Zur Vorbereitung des Verfahrens erteilte die Kommune wegen der Nähe zum Sägewerk den Auftrag für ein Schallschutzgutachten. Das Ergebnis: vernichtend. In dem vorgesehenen Bereich „darf aufgrund der Lärmentwicklung überhaupt kein Wohnen zugelassen werden“, betonte Schwarzenberger.

Ein Resultat, an dem es nichts zu rütteln gab. Denn der Bürgermeister vertrat wie auch die Gemeinderäte stets eine klare Haltung: Durch die Entwicklung des Wohngebiets darf für einen der ältesten Gewerbebetriebe im Ort kein Nachteil entstehen. Der Standort war somit aus dem Rennen, die Pläne nicht zu realisieren.

Aus der Traum vom kommunalen Wohnungsbau – oder etwa doch nicht? Lange Zeit drang über das Vorhaben nichts an die Öffentlichkeit. Schwarzenberger legte es aber nach dem Gutachten nicht ad acta. Ganz im Gegenteil. Er suchte nach Alternativen. Denn der Bedarf an neuen Wohnungen, vor allem für junge Familien, ist vorhanden. Knapp 20 Interessenten haben sich bereits angemeldet – und das ohne Ausschreibung. Ein Signal, über das der Rathauschef nicht hinwegsehen wollte.

Der Wille war da. Doch Schwarzenberger hatte einen steinigen Weg vor sich, schließlich fällt einem geeignetes Bauland in der Region nicht einfach in den Schoß. Der Gemeindechef konnte am Mittwoch dennoch einen potenziellen neuen Standort präsentieren.

Das Areal liegt am Ende des Grieswegs – am früheren Sportplatz – und verfügt über eine weitere Anbindung durch die Isarstraße. Zehn Parzellen für zwei Einzelhäuser und acht Doppelhaushälften wären dort möglich.

So weit, so schön. Allerdings gehört die Fläche dem Freistaat, noch dazu ist sie mit Weiderecht belastet. Aber: „Wir haben versucht, die größten Hürden im Vorfeld abzuklären“, sagte Schwarzenberger. Heißt: Mit dem Forstbetrieb Bad Tölz wurde bereits erreicht, dass ein flächengleicher Grundstückstausch möglich wäre. Gleiches hätte der Vorstand der Weidegenossenschaft signalisiert.

Mit den Eigentumsverhältnissen alleine ist es aber noch nicht getan. Naturschutz und Wasserschutzgebiet – so heißen oft die Bremsen von Bauvorhaben. Schwarzenbergers zweite Option ist aber weder als Flora-Fauna-Habitat-Areal (FFH) ausgewiesen, noch als Biotop kartiert. Die Untere Naturschutzbehörde soll bereits erste positive Signale gesendet haben. Und für das Wasserschutzgebiet kann eine Ausnahme von der entsprechenden Verordnung erreicht werden. „Sie liegt uns im Entwurf schon vor“, sagte der Bürgermeister.

Trotz der guten Vorzeichen versprach der Rathauschef nicht, dass es mit dem Einheimischenmodell dort tatsächlich klappt. Gemeinderatsbeschlüsse, Grundstücksverhandlungen und die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange fehlen noch. Ebenso wenig ist es ihm möglich, jetzt Angaben zum zeitlichen Ablauf oder den Kosten zu treffen. Viel Arbeit wartet. Er selbst ist bis dato aber „vorsichtig optimistisch“, dass einer Realisierung diesmal keine unüberwindbaren Hürden entgegenstehen.

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