Thomas Schwarzenberger, der Bürgermeister von Krün, blickt skeptisch drein.
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Das eigentlich Erschreckende ist, wie monostrukturiert wir sind. Thomas Schwarzenberger

Gemeinderat beschließt Haushaltssperre

Krün legt finanzpolitische Vollbremsung hin

  • vonChristof Schnürer
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In zurückliegender Zeit war Krün in puncto Finanzen geradezu auf Rosen gebettet. Die Einnahmen sprudelten förmlich. Doch nun schmilzt das Geld wegen dramatischer Corona-Einbußen nur so dahin. Der alarmierte Gemeinderat erließ deshalb sogar eine Haushaltssperre. Jede Ausgabe wird seitdem auf den Prüfstand gestellt.

Krün – Wer hätte das gedacht? Vor drei Jahren schwamm die Gemeinde Krün förmlich im Geld. Staatliche Finanzspritzen wie die sogenannte Schlüsselzuweisung wurden nicht mehr benötigt. Im Frühjahr 2018 konnte sich die Kommune aufgrund fetter Einnahmen sogar den Luxus leisten, moderat die Grundsteuer B zu senken. Alles Anzeichen dafür, dass Krün ein vitales und kraftstrotzendes Dorf ist.

„Wir waren verwöhnt“, meint Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) rückblickend. „Jetzt sind wir gebeutelt.“ Und zwar gewaltig. Gerade der zweite Corona-Lockdown hat massiv ins Kontor geschlagen. Deshalb haben der erfolgsverwöhnte Rathauschef und der Gemeinderat vor einiger Zeit eine Vollbremsung hingelegt. Anders ausgedrückt: eine Haushaltssperre erlassen. „Jede Ausgabe muss genehmigt werden“, verdeutlicht Schwarzenberger die unmittelbare Konsequenz.

Wie schnell aus einem florierenden Gemeinwesen ein Bittsteller werden kann, hat den Bürgermeister sehr nachdenklich gemacht. „Das eigentlich Erschreckende ist, wie monostrukturiert wir sind.“ Alles in Krün hängt am Tourismus-Tropf. Corona hat dahingehend den Horizont auf schmerzliche Weise erweitert. Niemand hätte sich zuvor jemals vorstellen können, dass die Lebensader des Fremdenverkehrsdorfes für sieben Monate vollends gekappt wird. Keine Gäste, keine Umsätze, dafür miese Stimmung und Existenzängste bei Hoteliers, Wirtsleuten, Vermietern, den zahllosen Angestellten sowie sonstigen Berufsgruppen, die direkt oder indirekt vom Tourismus profitieren.

Wie Butter in der Sonne

Dazu zählt in keineswegs geringem Maße auch die Gemeinde. Kalkulierte man im letzten Vor-Corona-Budget 2019 allein bei Kurtaxe (700 000 Euro) und Fremdenverkehrsbeitrag (650 000 Euro) im Rathaus mit Einnahmen von über 1,3 Millionen Euro, schmelzen solche Posten plötzlich wie Butter in der Sonne. So rechnet Schwarzenberger für den Zeitraum Januar bis Mai 2021 allein in puncto Kurtaxe mit Mindereinnahmen von einer Viertelmillion Euro. Sechsstellig werden die Einbrüche auch beim Fremdenverkehrsbeitrag sein. Keine Urlauber bedeuten zudem deutlich geringere Wasser- und Abwassermengen. „Bislang sind es 70 000 Euro, die uns fehlen“, rechnet Schwarzenberger vor. Die Liste wird noch länger. In diesem Zusammenhang sei die Gewerbesteuer erwähnt, die im Falle Krün in vielen Sparten ebenso von der touristischen Wertschöpfung abhängt. Was diesen Eckpfeiler betrifft, kann Schwarzenberger Entwarnung geben. „Noch ist sie stabil, den Ansatz von 1 050 000 Euro werden wir erreichen.“

Das Corona-Schreckgespenst wird Krün noch lange begleiten – mindestens bis 2025, also beinahe die komplette Amtsperiode, die 2026 endet. Da gibt sich der versierte Bürgermeister keinen falschen Illusionen hin. Was ihm in diesem Zusammenhang Sorge bereitet: Bei der Kreisumlage, die die Gemeinde an den Landkreis überweisen muss, werden die fetten Jahre als Grundlage herangezogen. Mit anderen Worten: mehr bezahlen bei weniger Einnahmen.

Kehrmaschine bleibt in der Garage

Wie wirkt sich die Haushaltssperre auf den Krüner Alltag aus? Der Blumenschmuck (minus 15 Prozent) fällt heuer merklich kleiner aus. Die Kehrmaschine, die sonst einige Male pro Jahr im Einsatz ist, bleibt in der Garage. Auch Löcher in den Gemeindestraßen und -wegen sollen vorerst nicht gestopft werden. Ob – und falls ja – wie hoch Ende des Krisenjahrs 2021 die alljährlichen Vereinszuschüsse ausfallen, steht ebenfalls in den Sternen. Schwarz sieht es zudem für den Hochwasserschutz am Kranzbach aus. „Das wird dieses Jahr nichts mehr“, schwant Schwarzenberger.

Auch beim Brandschutz im Kurhaus verhält sich die Kommune notgedrungen defensiv. „Aber das ist alles nur aufgeschoben“, versichert der Rathauschef, wohlwissend, dass diese Maßnahmen bitter notwendig sind. Sparen, was das Zeug hält, lautet die Parole. „Es wird uns nichts anderes übrig bleiben.“ An das böse Wort Steuererhöhung möchte Schwarzenberger erst gar nicht denken. „Das ist definitiv die allerletzte Lösung.“

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